dem Weine bekömmt . Dann werde ich wieder herschicken und für weitre Hülfe sorgen . Die Frau faßte Luisens Hände , streichelte ihr die schönen frischen Wangen , bog sich dann wieder zu der Kleinen , küßte und drückte sie , ohne ein Wort hervorbringen zu können . Nachdem ihr Luise noch manches über die Behandlung der Kranken gesagt hatte , fragte sie nach den nähern Umständen der kleinen Haushaltung . Ach Gott , sagte die Frau , ich bin von je her an Kummer und Trübsal gewöhnt , und habe auf Erden nichts , als den festen Glauben an die große Güte des Himmels , die niemand verderben läßt . Mein Vater , der ein armer Nadler in Goslar war , lebte und starb in dieser Ueberzeugung , und ließ mich , voll Vertrauen , im vierzehnten Jahre , ohne Beistand auf der Welt zurück . Unsre Nachbarn nahmen sich meiner an , trugen mir allerhand kleine häusliche Verrichtungen auf und gebrauchten mich zu Aufträgen in der Stadt , wobei ich indeß nur kärglich mein Brod hatte , und , an ein beständiges Herumlaufen gewöhnt , zu aller sitzenden Arbeit verdorben wurde , daher es auch niemand einfiel , mich als Magd in den Dienst zu nehmen . Ich hatte mehrere Jahre so verlebt , als es mir einmal schwer aufs Herz fiel , daß ich doch nirgend zu Hause sei , keinen Anhang habe , von niemand geliebt , höchstens aus Mitleid geduldet werde . Ich weiß es noch , es war an einem Sonntag , die Mädchen aus der Stadt gingen geputzt nach der Kirche , ich hatte nichts in meinem Vermögen , als einen schlechten Rock und eine zerrissene Schürze ; ich sah betrübt auf die Letztre und trocknete mir die nassen Augen damit . Ein hübscher Knabe ging , mit dem Gesangbuch unter dem Arm , recht sittsam vorbei , und sagte sein : Gott grüß , Jungfer ! so gutmüthig , daß ich ihm zurief : beten Sie für mich , liebes Kind , ich darf doch nicht in die Kirche hinein . Warum nicht ? fragte eine etwas rauhe Stimme . Es war Anton , den ich zum erstenmal in meinem Leben sah . Ich schämte mich , vor einem fremden Menschen zu klagen , und schwieg . Er mochte wohl was Arges denken , denn er wandte sich ab , als wolle er gehn , da sagte ich ihm , daß ich zu arm sei , um mir anständige Kleider zu kaufen , und so abgerissen nicht neben Andren sitzen wolle . Er schüttelte den Kopf , drückte mir aber doch ein blankes Stück Geld in die Hand und ging , ohne ein Wort zu sagen . Ich begegnete ihm nach der Zeit oft . Er grüßte jedesmal und sah mir lange nach , wenn ich die Straßen entlang schwere Lasten für geringen Lohn tragen mußte . Einmal bot er mir die Hand , erzählte mir , daß er einen kleinen Posten , ein Häuschen unb eine Strecke Landes zu einem Garten bekommen habe , hier draußen ganz allein wohne , und mich , da er höre , daß ich fromm und ehrlich sei , frage , ob ich mit ihm hinausziehn und als seine Frau bei ihm leben wolle ? Ich fiel wie aus den Wolken , besah mich selbst verwundert , und wußte nicht , was ich denken sollte . Er merkte wohl , daß ich nicht nein sagen würde , und redete nun weitläuftiger über alles . Wir wurden bald einig ; ich hatte von da an keinen Willen als den seinen , und hörte und sah auch überdem nichts , da mir das Häuschen und der Garten immer vor Augen schwebten . Ich dachte wohl an meinen Vater und dankte Gott recht aus zufriednem Herzen . Meine ehemaligen Wohlthäter schenkten uns allerlei zur Einrichtung und wir zogen nach kurzer Zeit hierher . - Der arme Anton sah bald so gut wie ich , daß es mit der Herrlichkeit nicht weit her und das Brod für zwei knapp zugeschnitten sei . Er ist heftigen Gemüths und erbittert sich selbst , wenn es nicht so geht wie er denkt ; darum verzweifelt er gar zu bald und hat keinen rechten Glauben . Es ging denn auch freilich schlecht , ein schweres Wochenbett machte mich zu harter Arbeit untüchtig , und nun kam das lange Leiden mit dem Kinde ; es ging alles zurück , wir machten Schulden und geriethen in große Noth . Bis heute blieb ich indeß voll Zuversicht ; wenn ich so recht aus Herzensgrund geweint hatte , dann fiel mir mein Vater ein , und der liebe Gott , der alles wohl macht , und ich hoffte gleich aufs neue wieder . Aber vor ein paar Stunden , da brach mit Mariechens Augen mein Herz und aller Muth zusammen . Ich wünschte mir recht sündlich den Tod - und nun - ach du Herzenskind , sagte sie , und betrachtete es mit Blicken , die Luisen in den Himmel erhoben . Julius und Anton kamen jetzt zurück . Sieh doch , sieh ! rief die Frau Letzterm entgegen , und zeigte auf die Kleine , welche mit sichtlicher Lust von einem Zwieback aß . Dahin hat es die liebe , schöne Dame in so kurzer Zeit gebracht . Julius betrachtete Luisen , die , mit dem Kinde im Arme , wie ein Engel da saß und ihr verklärtes Auge freudig auf ihn richtete . Anton hingegen lächelte ungläubig und sagte , das wird nicht lange währen , Angst und Noth sind nun einmal bei uns eingekehrt und kommen immer wieder . Schäme Dich , lispelte die Frau leise , vertraust Du nicht mehr auf Gott ? - Luise sah ungern ihr Gefühl gestört , drückte dem zagenden Mann ein paar Goldstücke in die Hand und eilte mit Julius zu dem Wagen , der sie unten erwartete . Ihr war unbeschreiblich leicht und wohl ums Herz . Sie