, daß er das Gleichgewicht ihres Gemüths stört , und dadurch , daß sie von Allem spricht , und Alles aus dem gefährlichen Halbdunkel der Gedanken ans Licht der Sprache hervorzieht , entwindet sie der Phantasie ihrem mächtigsten Zauber , der Deiner Amanda oft so gefährlich zu werden droht . Ja zuweilen fühle ich es recht lebhaft , wie verschieden meine Art , die Dinge anzusehen , von der euren ist . Wie vieles ängstigt und entzückt mich , wobei ihr andern ganz gleichgültig und gelassen bleibt . Dafür aber bewahrt ihr in eurem Gemüth eine gewisse Klarheit , deren ich mich nicht zu erfreuen habe ; denn - was es ist , weis ich nicht - aber vieles liegt noch dunkel und ahnungsvoll in meiner Seele . So harmlos gehen mir jetzt mehrere Tage hin , und auch Nanette versichert , daß sie sich kein bessres Leben wünscht . Freilich muß ich fürchten , daß vielleicht der Reiz der Neuheit die Flüchtige am stärksten anzieht , und daß sie , wenn dieser verloschen ist , mich leicht für eine neue Bekanntschaft hingeben könnte . Denn sagte sie nicht selbst : » mein Herz schmachtet ohne Aufhören nach Neuheit ; durch sie allein wiederholen wir uns den süßen , allzuflüchtigen Traum der Jugend , wo uns alles neu ist ? « - Albret sehe ich jetzt wenig ; er scheint sehr beschäftigt ; aber Wilhelm kömmt fast nie von meiner Seite . Herzlich erfreut mich sein dankbares Lächeln , jede freundliche Aeusserung , womit er mir die angenehmen Empfindungen , die ich ihm verschaffe lohnt , und ich würde seine Dankbarkeit ungern entbehren . Nenne dies nicht eigennützig ; es ist ein so süßes , menschliches Gefühl , sich als den Schöpfer fremder Freuden betrachten zu dürfen , und von einem unschuldigen , liebevollen Herzen dafür anerkannt zu sehen ; so wie es in meinen Augen eine unnatürliche Größe ist , die nahe an Bitterkeit und Härte gränzt , allein und unerkannt Gutes schaffen , und das dankbare Gefühl des Andern als überflüssig entbehren zu wollen ! Achter Brief Amanda an Julien Meine Julie , ich habe neue traurige Stunden verlebt , und fast trage ich Bedenken , Dir davon zu schreiben . Denn soll ich ewig klagen ? Muß ich mich nicht schämen , daß ich zum Leben zu ungeschickt bin , und daß meine Verhältnisse mir eher dunkler und schwerer werden , da sie mir leichter und klärer werden sollten ? - Doch was Du auch von meinem Verstand denken magst , ich kann , ich will mich nicht gegen Dich verstellen , und finde in der Wahrheit meiner Aeusserungen einen Genuß , der das Bewußtsein , von andern für vorzüglich gehalten zu werden , mir zehnfach aufwiegt . Du kennst die weiche Stimmung worin ich jetzt bin - alle meine Briefe sprechen sie nur all zu deutlich aus . Mein Herz , das in Liebe zerschmilzt , gleicht einer reifen Frucht , die über einen Strom hängt . Bricht sie nicht irgend ein Kühner , wenn auch mit Lebensgefahr , so sinkt sie und begräbt sich in die Fluth ; denn brechen muß sie . Höre - und sag selbst , wie ist es möglich , meine Wünsche mit meinen Verhältnissen in Uebereinstimmung zu bringen ? Ich stand heute hinter meinen Jalousien , und bemerkte Albret in einer nahe stehenden Laube , neben ihm den kleinen Wilhelm . Er glaubte sich ungesehn , und ich sah , wie er mit einem ungewöhnlichen Ausdruck seines Gesichts , den Knaben in seinen Armen empor hielt , und ihm bewegt ins Gesicht sah . Daß dieser Kleine in irgend einer Verbindung mit ihm stehen müsse , war mir längst gewiß , und ich beschloß schnell , diesen köstlichen Moment , wo ich sein Herz bewegt , wo ich ihn menschlich , fühlend und leidend zu sehen glaubte , nicht unergriffen vorüber gehen zu lassen . - Ich eilte zu ihm hinab und lehnte mich schmeichelnd an seine Brust . » Liebster , « sagte ich , » was soll diese unselige Verschlossenheit ? laß mich von diesem theuren Herzen die grausame Rinde ablösen , worunter es beinah erliegt . - Vergönne mir Theil zu nehmen an Deiner Freude und an Deinem Schmerz , und verheele nicht länger die Empfindungen , die ein treues Weib mit Dir theilen will . « - » Eben weil es ein Weib ist , verheele ich sie , « sagte er , und sah mich mit einem Blick an , als befremde es ihn , daß ich glauben könne , er leide . » Vertändle du dein Leben , Amanda , und kümmere dich nicht um ernste Dinge . Wenn ihr nur spielt , seid ihr wenigstens nicht schädlich , wenn ihr ernsthaft sein wollt , seid ihr es immer . Handle du nach Laune und überlaß es dem Mann nach Vernunft zu handeln . « - Mein Gefühl entbrannte bei diesen Worten . » Warum , « rief ich schmerzhaft aus , » wähltest du ein fühlendes Weib zur Gefährtin deines Lebens , wenn du sie nicht zu würdigen vermagst ? warum bereitest du einem schuldlosen Herzen , das dich achtet , und dir Alles sein möchte , die kränkende Ueberzeugung , daß es für dich nichts sein kann ? - War es recht , ein dir gleiches Wesen bloß Mittel sein zu lassen , zu Zwecken , welche du ihm nie bekannt zu machen gedachtest ? « - » Wer nicht selbst Zwecke haben soll und kann , wird immer nur Mittel sein , « sagte er nun schon ganz gefaßt . » Ich hoffe nicht , daß du dich über mich zu beklagen hast . Verschließt dein Herz Wünsche , so sage sie , und wenn sie nicht unmöglich sind , sollen sie sicher befriedigt werden . Nur wenn du an meiner Denkungsart zu ändern hofst , so - « Er brach hier ab , und gab mir eine beträchtliche Summe Geld