Prinzessin lebe noch , und werde bald mit einem Gemahl wiederkommen . Kein Mensch wußte , woher die Sage kam : aber alles hing sich mit frohem Glauben daran , und sah mit ungeduldiger Erwartung ihrer baldigen Wiederkunft entgegen . So vergingen mehrere Monden , bis das Frühjahr wieder herankam . Was gilts , sagten einige in wunderlichem Muthe , nun kommt auch die Prinzessin wieder . Selbst der König ward heitrer und hoffnungsvoller . Die Sage dünkte ihm wie die Verheißung einer gütigen Macht . Die ehemaligen Feste fingen wieder an , und es schien zum völligen Aufblühen der alten Herrlichkeit nur noch die Prinzessin zu fehlen . Eines Abends , da es gerade jährig wurde , daß sie verschwand , war der ganze Hof im Garten versammelt . Die Luft war warm und heiter ; ein leiser Wind tönte nur oben in den alten Wipfeln , wie die Ankündigung eines fernen fröhlichen Zuges . Ein mächtiger Springquell stieg zwischen den vielen Fackeln mit zahllosen Lichtern hinauf in die Dunkelheit der tönenden Wipfel , und begleitete mit melodischem Plätschern die mannichfaltigen Gesänge , die unter den Bäumen hervorklangen . Der König saß auf einem köstlichen Teppich , und um ihn her war der Hof in festlichen Kleidern versammelt . Eine zahlreiche Menge erfüllte den Garten , und umgab das prachtvolle Schauspiel . Der König saß eben in tiefen Gedanken . Das Bild seiner verlornen Tochter stand mit ungewöhnlicher Klarheit vor ihm ; er gedachte der glücklichen Tage , die um diese Zeit im vergangenen Jahre ein plötzliches Ende nahmen . Eine heiße Sehnsucht übermannte ihn , und es flossen häufige Thränen von seinen ehrwürdigen Wangen ; doch empfand er eine ungewöhnliche Heiterkeit . Es dünkte ihm das traurige Jahr nur ein schwerer Traum zu seyn , und er hob die Augen auf , gleichsam um ihre hohe , heilige , entzückende Gestalt unter den Menschen und den Bäumen aufzusuchen . Eben hatten die Dichter geendigt , und eine tiefe Stille schien das Zeichen der allgemeinen Rührung zu seyn , denn die Dichter hatten die Freuden des Wiedersehns , den Frühling und die Zukunft besungen , wie sie die Hoffnung zu schmücken pflegt . Plötzlich wurde die Stille durch leise Laute einer unbekannten schönen Stimme unterbrochen , die von einer uralten Eiche herzukommen schienen . Alle Blicke richteten sich dahin , und man sah einen Jüngling in einfacher , aber fremder Tracht stehen , der eine Laute im Arm hielt , und ruhig in seinem Gesange fortfuhr , indem er jedoch , wie der König seinen Blick nach ihm wandte , eine tiefe Verbeugung machte . Die Stimme war außerordentlich schön , und der Gesang trug ein fremdes , wunderbares Gepräge . Er handelte von dem Ursprunge der Welt , von der Entstehung der Gestirne , der Pflanzen , Thiere und Menschen , von der allmächtigen Sympathie der Natur , von der uralten goldenen Zeit und ihren Beherrscherinnen , der Liebe und Poesie , von der Erscheinung des Hasses und der Barbarey und ihren Kämpfen mit jenen wohlthätigen Göttinnen , und endlich von dem zukünftigen Triumph der letztern , dem Ende der Trübsale , der Verjüngung der Natur und der Wiederkehr eines ewigen goldenen Zeitalters . Die alten Dichter traten selbst von Begeisterung hingerissen , während des Gesanges näher um den seltsamen Fremdling her . Ein niegefühltes Entzücken ergriff die Zuschauer , und der König selbst fühlte sich wie auf einem Strom des Himmels weggetragen . Ein solcher Gesang war nie vernommen worden , und Alle glaubten , ein himmlisches Wesen sey unter ihnen erschienen , besonders da der Jüngling unterm Singen immer schöner , immer herrlicher , und seine Stimme immer gewaltiger zu werden schien . Die Luft spielte mit seinen goldenen Locken . Die Laute schien sich unter seinen Händen zu beseelen , und sein Blick schien trunken in eine geheimere Welt hinüber zu schauen . Auch die Kinderunschuld und Einfalt seines Gesichts schien allen übernatürlich . Nun war der herrliche Gesang geendigt . Die bejahrten Dichter drückten den Jüngling mit Freudenthränen an ihre Brust . Ein stilles inniges Jauchzen ging durch die Versammlung . Der König kam gerührt auf ihn zu . Der Jüngling warf sich ihm bescheiden zu Füßen . Der König hob ihn auf , umarmte ihn herzlich , und hieß ihn sich eine Gabe ausbitten . Da bat er mit glühenden Wangen den König , noch ein Lied gnädig anzuhören , und dann über seine Bitte zu entscheiden . Der König trat einige Schritte zurück und der Fremdling fing an : Der Sänger geht auf rauhen Pfaden , Zerreißt in Dornen sein Gewand ; Er muß durch Fluß und Sümpfe baden , Und keins reicht hülfreich ihm die Hand . Einsam und pfadlos fließt in Klagen Jetzt über sein ermattet Herz ; Er kann die Laute kaum noch tragen , Ihn übermannt ein tiefer Schmerz . * Ein traurig Loos ward mir beschieden , Ich irre ganz verlassen hier , Ich brachte Allen Lust und Frieden , Doch keiner theilte sie mit mir . Es wird ein jeder seiner Habe Und seines Lebens froh durch mich ; Doch weisen sie mit karger Gabe Des Herzens Forderung von sich . * Man läßt mich ruhig Abschied nehmen , Wie man den Frühling wandern sieht ; Es wird sich keiner um ihn grämen , Wenn er betrübt von dannen zieht . Verlangend sehn sie nach den Früchten , Und wissen nicht , daß er sie sät ; Ich kann den Himmel für sie dichten , Doch meiner denkt nicht Ein Gebet . * Ich fühle dankbar Zaubermächte An diese Lippen festgebannt . O ! knüpfte nur an meine Rechte Sich auch der Liebe Zauberband . Es kümmert keine sich des Armen , Der dürftig aus der Ferne kam ; Welch Herz wird Sein sich noch erbarmen Und lösen seinen tiefen Gram ? * Er sinkt im hohen Grase nieder , Und schläft mit nassen Wangen ein ; Da schwebt der hohe Geist der Lieder In die