. - - Ja ich glaube , sie wird kommen diese Zeit . Die Herren Gebiether werden sie selbst herbeiführen und auf diese Weise für die Unverdaulichkeiten am besten Sorge tragen . Welche Antwort ich aber gegeben habe ? - Daß ich bereit sey den Augenblick zu gehen ; sobald Fräulein S ... mir ihre Hand zur Belohnung reichen wolle . » Sonderbarer Einfall ! « - riefen Ihro Majestät und beliebten dabey mit entsetzlichen Schritten das Zimmer zu messen . - » Ich glaube wahrhaftig , Sie haben mich zum Brautwerber ausersehen . « » Ich gestehe , daß unter allen Belohnungen « » Mit welchen Sie mich bis jetzt immer zurückwiesen . « » Ich wünschte Ew . Majestät von meiner uneigennützigen Anhänglichkeit zu überzeugen « - » Und jetzt ? « - » Hat das Leben durch Julie von S ... einen Werth für mich bekommen . « » So ! so ! nun ich habe nichts dawider . « » Was könnten Ew . Majestät dawider haben ? « » Wahrhaftig , Herr Obrister ! Sie spielen heute eine sehr komische Rolle . « » Ew . Majestät sind heute vielleicht sehr komisch gestimmt ; und daher mag ich Ihnen wohl so erscheinen . Sonst war das Komische eben nicht meine Sache . « » Nun ! so haben Sie Sich erst seit Kurzem darauf gelegt . Denn , gestehen Sie ! es war doch sehr komisch , schon bey unsrer ersten Zusammenkunft Fräulein S ... Ihre Braut zu nennen ; und jetzt noch einer Vorsprache zu bedürfen . « » Dieser Vorsprache würde ich nie bedurft haben , wenn Fräulein S ... ihrem Herzen hätte folgen können . « » Ach mein lieber Obrister ! es ist eine gar eigene Sache um ein Frauenzimmerherz . - In unsern Jahren thut man sehr wohl , keine zu großen Ansprüche daran zu machen . « - Ich hatte etwas sehr Bitteres auf der Zunge ; aber glücklicher oder unglücklicher Weise trat der Günstling herein . » Adieu , lieber Olivier ! - rief der König - In vier Wochen hoffe ich den Herrn General zu empfangen . « Was ich nun thun will ? - Zu Julie will ich gehen , und sie soll entscheiden . Ein und vierzigster Brief Reinhold an Olivier Bester Olivier ! wenn Du noch nicht gegangen bist ; so höre mich . Ach daß es Dir möglich wäre Dich zu fassen ! die Folgen einer Übereilung zu begreifen . - Hast Du alles vergessen ? - Sie sollte frey bleiben , Du wolltest sie nicht zwingen . - Nun soll sie sich aufopfern , soll ihr ganzes Leben hindurch weinen . Was hat die Reine , Unschuldige gethan , so in ein entsetzliches Schicksal verwickelt zu werden ? Warum soll sie den Mann ihres Herzens nicht wählen dürfen ? - Deine Liebe selbst müßte sie schützen . Welch eine Gestalt hat diese Liebe angenommen ! - Könnte ihr ärgster Feind schlimmer gegen sie handeln ? - Olivier reiß Dich einmal los von Dir selbst ! Du kannst es , wenn Du es willst . Schreite muthig aus dem Zauberkreis der Leidenschaft . Jetzt bist Du ein Dritter , bist nicht mehr der von schrecklicher Eigenliebe bis zum Wahnsinn verblendete Olivier . Olivier ! was fühlt nun Dein menschliches Herz ? - Ach sieh ! es kehret nie wieder das Blütenalter der Liebe . - Soll sie es niemals durchleben ? Wenn sie nun einst , wie Du es glaubst , mit uns zerstört wird , wenn kein Bewußtseyn ihres vorigen Zustandes möglich ist , wenn vielleicht kein besserer ihrer wartet ; dann willst Du es seyn , der ihr die einzigen Augenblicke raubt , die den Menschen für sein Daseyn trösten können ! Nicht wahr ? Dein innigstes Mitleiden erwacht . Nein , Du willst nicht zum strafbarsten Mörder an ihr werden ! Zwey und vierzigster Brief Olivier an Reinhold Du hast sie nicht gesehen ; das macht Dein Philosophiren begreiflich . Auch bewahre Dich Gott dafür ! Du wärest noch unglücklicher als ich , Du würdest leiden , wo ich handle . Wer zweifelt , daß ich mein Verfahren an einem Dritten mißbilligen würde ? Aber ich , ich kann nicht anders . » Schreite muhig aus dem Zauberkreis der Leidenschaft . « Aber in diesen Kreis hat das Schicksal meine ganze Glückseligkeit gebannt . Außer ihm ist eine scheußliche , grausenvolle Öde . Ich kenne sie schon diese Hölle . Nein , nein ! daß ich mich vor den Quaalen der Verdammten schütze , das will ich verantworten . Ach wenn das Treiben und Drängen der unglücklichen Erdenwürmer mich anekelte , wenn Wollust und Ruhmsucht mir schienen was sie sind , wenn ich mich nach allen Seiten wendete und trostlos fragte ; warum ? warum wozu ? - Dann erschien sie mir wie ein höheres Wesen , die grübelnde Vernunft war gefangen , und ich glaubte . Nein , Du irrst ! nein sie kann nie aufhören zu seyn , und sollten wir alle verschwinden . Sie ist mit sich einig , ist ein unzerstörbares Ganze . In ihr lebt wahrhaft ein unsterblicher Geist . Darum will ich mich an sie schließen , will fest an ihr halten , daß sie mich hinüber ziehe in das unbegreifliche Leben . Noch habe ich sie nicht gefragt . Ein sonderbares , linkisches , muthloses Wesen befällt mich in ihrer Gegenwart . Aber sie sieht was ich leide , sie begreift , wie unmöglich es ist , daß ich sie einem andern Manne überlasse . Auch vermeidet sie jede männliche Gesellschaft . Es ist gut , ich weiß ihr Dank dafür ; aber es kann , es darf auch nicht anders seyn - ich würde rasen . Freilich ! manchmal erschrecke ich wohl vor dem Gedanken , sie könne ganz die Meinige werden . - Aber dann habe ich sie ja , dann wird die Gewohnheit , sie zu sehen und zu besitzen