war voller Freude über diesen Entschluß , der ihm die Hoffnung gab , Julianen auf ein paar Stunden der Förmlichkeit zu entziehen , die jetzt bei der vergrößerten Gesellschaft immer mehr überhand nahm , und ihrer in der Einsamkeit froh zu werden ; auch seinem Freunde war es lieb , er hatte einen solchen Wunsch bei Julianen gar nicht vermutet . Der Graf und seine Gemahlin hatten aber viel dawider , und wollten es anfangs unter keiner Bedingung zugeben . Der Wohlstand ward beleidigt , Julianens Gesundheit ausgesetzt , der übrigen Gefahren und ihrer eignen Ängstlichkeit nicht zu gedenken . Florentin , der seinen Kopf auf diesen Plan gesetzt hatte , und Eduard , der ein Recht zu haben glaubte , eine solche Erlaubnis zu fordern , hörten mit Bitten und Vorstellungen nicht eher auf , bis sie ihnen zugeteilt ward , nur unter der Bedingung , daß sie nicht zu Pferde sondern zu Fuß gingen , und daß sie nicht die Nacht ausbleiben wollten . Und nun wurden noch so viele Anstalten gemacht , so viel Regeln und Warnungen gegeben , daß Juliane , ganz ängstlich gemacht , sich im Herzen vornahm , gewiß nichts zu übertreten , und gewiß zum letztenmal eine solche Erlaubnis zu begehren . Eduard aber ward der ganze Einfall beinah zuwider wegen der großen Umständlichkeit , und er war eben nicht gesonnen , sich gar zu streng an die Vorschriften zu halten . Nachdem sie endlich alles zustande gebracht , und Juliane den Abend mit schwerem Herzen von ihren Eltern Abschied genommen hatte , machten sie sich morgens früh auf den Weg , nur von ein paar Jagdhunden begleitet . Sie waren alle drei als Jäger gekleidet . Eduard und Florentin trugen Büchsen , Juliane hatte nur ein Jagdmesser und Tasche , statt der Büchse trug sie die Gitarre , von der sich Florentin selten trennte . Da Juliane gut zu Pferde saß , und oft in Männertracht ausritt , so war sie ihrer nicht ungewohnt , sie ging so leicht und ungezwungen daher , als hätte sie nie eine andere Kleidung getragen , und auch so als Knabe sah sie wunderschön aus ; auch die beiden Freunde nahmen sich gut aus , als ältere Brüder des lieblichen Kindes . Sie gingen dem Morgen entgegen , der in voller Pracht heraufstieg , der Frühling in seiner ganzen Herrlichkeit umfing sie , die Vögel sangen munter , Blüten dufteten und die Bäume glänzten im Schein der Sonne . Sie gingen durch den Wald nach dem Gebirge zu , fröhlich und unbekümmert wie die Kinder . Sie genossen sich selbst in reiner Unbefangenheit ; Vergangenheit und Zukunft war ihren Gedanken fern , der Wille des Augenblicks war ihnen Gesetz . » Ach « , rief Eduard auf einmal aus ; » so leben , wenn auch nur eine kurze Zeit , und sterben , eh wir den Tod zu wünschen haben ! Schlafen gehen und nicht wieder aufstehen ! « - » Ihr denkt an den Tod « , sagte Florentin , » um zu bedenken wie Ihr so gern nicht an ihn denken wollt ! « - » Torheit ! « rief Juliane , » wer will jetzt vom Tode sprechen ? « - Florentin nahm ihr die Gitarre ab , und spielte einen raschen Tanz , sie drehte sich mit Eduard in schnellen Kreisen . Er hatte sich unter einem Baume niedergesetzt . Nachdem sie zu tanzen aufgehört hatten , setzten sich beide neben ihn . - » Es tanzt sich gut auf dem kurzen Grase . « - » Besser und erfreulicher als auf dem getäfelten Fußboden eurer Säle , das ist gewiß . « - » Wenn man nun hier im Walde an eine Assemblee denkt ! « - » Davon kein Wort , Juliane , ich mag ebensowenig von Assembleen hören als Sie vom Tode . « - Hiemit nahm er die Gitarre wieder auf , und sang : » Sie ist mir fern , wie soll ich Freude finden ! Ich kann dem Kummer nur mein Leben weihn . Wie um den Baum sich üppig Ranken winden , Die Nahrung raubend seiner Krone dräun , So , fern von dir , mich Sorg ' und Unmut binden , Daß keine Erdenlust mich kann erfreun . Fragt nicht , warum mein Sinn so rastlos eilt ; Für mich ist nirgends Ruh ' , als wo sie weilt . « Juliane , erhitzt vom raschen Tanz , lehnte sich an Eduard , ein sanfter Wind , der hoch in den Wipfeln der jungen Birken rauschte , kühlte ihr das glühende Gesicht , und wehte die Locken zurück , die in der Bewegung durch ihre eigne Schwere sich von der Nadel losgemacht hatten , und nun bis tief auf die Hüften herabfielen . Eduard verlor sich ganz im Anschaun ihrer Schönheit , und die Töne der Gitarre , die dazu gesungenen Worte drangen in sein Innerstes . Er drückte Julianen mit Heftigkeit an seine Brust ; die Gegenwart des Freundes vergessend hielt er sich nicht länger , seine Lippen waren fest auf die ihrigen gepreßt , seine Umarmung wurde kühner , er war außer sich . - Juliane erschrak , wand sich geschickt aus seinen Armen , und stand auf , ihm einen zürnenden Blick zuwerfend . Eduard war betroffen , sie reichte ihm beruhigend die Hand , die er mit Küssen bedeckte . Nunmehr sang Florentin , mit raschen Griffen sich begleitend , gleichsam als beruhigendes Echo jener ersten sehnsuchtsvollen Anklänge : » Ich bin dir nah , wie soll die Wonn ' ich fassen , Die mir aus deinen lieben Augen winkt ! Als sollt ' ich nimmermehr dich wieder lassen . Wann voll Verlangen Herz an Herz nun sinkt , So soll mein Arm den holden Leib umfassen , Indes mein Mund der Liebe Tränen trinkt . O Glück der Liebe , seliges Entzücken ! Geschenk der Götter , Menschen zu beglücken ! « » Wie schön « , rief