zu kommen - in Osten lag Rom und der Mond und vor ihm der Alpen-Zirkus , eine große Vergangenheit neben einer großen Gegenwart - er ergriff mit dem liebend-stolzen Gefühl , daß es noch etwas Göttlicheres in uns gebe als Klugheit und Verstand , den Vater und sagte : » Der ganze heutige Tag , lieber Vater , war eine zunehmende Erschütterung meines Herzens - kann vor Bewegung nicht sprechen und nichts recht bedenken - Vater , ich besuche alle - ich werde mich über die Menschen hinausreißen aber ich verschmähe den schmutzigen Weg des Ziels - ich will im Weltmeer wie ein Lebendiger durch Schwimmen aufsteigen , aber nicht wie ein Ertrunkner durch Verwesen - Ja , Vater , das Schicksal werfe einen Grabstein auf diese Brust und zermalme sie , wenn sie die Tugend und die Gottheit und ihr Herz verloren hat . « Albano sprach darum so warm , weil er einer unaussprechlichen Verehrung für die kraftvolle Seele des Ritters nicht entsagen konnte ; er stellte sich immer die Qualen und das lange Sterben eines so starken Lebens , den scharfen Rauch eines so großen , kalt ausgegossenen Feuers vor und schloß aus den Regungen seiner eignen lebendigen Seele auf die der väterlichen , die nach seiner Meinung nur langsam auf einer breiten Unterlage schwarzer kalter Menschen so zerfallen war , wie man Diamanten nicht anders verflüchtigt als auf einer Unterlage von ausgebrannten toten Schmiedekohlen . - - Don Gaspard , der die Menschen selten und nur gelinde tadelte - nicht aus Liebe , sondern aus Gleichgültigkeit - , antwortete dem Jüngling geduldig : » Deine Wärme ist zu loben . Mit der Zeit wird sich alles geben . - Jetzt laß uns essen . « 6. Zykel Der Speisesaal unserer Eiländer war im reichen Palaste der abwesenden borromäischen Familie . Man gab der schönen Insel den Parisapfel und Lorbeerkranz . Augusti und Gaspard schrieben ihr das Belobungsschreiben in einem leichten klaren Stil , nur Gaspard mit mehr Antithesen . Albanos Brust war mit einer neuen Welt gefüllt , sein Auge mit einem Schimmer , seine Wangen mit freudigem Blut . Der Baumeister erhob sowohl den Geschmack als den Kammerbeutel des Erbprinzen , der durch beide zwar nicht artistische Meister , aber doch Meisterstücke in sein Land mitbrachte und auf dessen Veranlassung eben dieser Dian nach Italien ging , um für ihn Abgüsse von den Antiken da zu nehmen . Schoppe versetzte : » Ich hoffe , der Deutsche ist so gut mit Malerakademien und mit Malerkoliken versehen als irgendein Volk ; unsere Ballenbilder - unsere Thesesbilder in Augsburg - unsere Leisten über Zeitungsblättern und unsere Buchdruckerstöcke in jedem dramatischen Werke , durch die wir eine frühere Shakespeare-Gallery besaßen als London - unsere Effigie-Gehangnen am Galgen sind jedem bekannt und zeigen am ersten , wie weit wirs treiben . - Aber ich will auch zulassen , daß Griechen und Welsche so malen wie wir : so ragen wir doch dadurch über sie hinweg , daß wir , gleich der Natur und den adeligen Sponsierern , nie die Schönheit isoliert ohne angebognen Vorteil suchen . Eine Schönheit , die wir nicht nebenher braten , verauktionieren , anziehen oder heiraten können , gilt bei uns nur das , was sie wert ist ; Schönheit ist bei uns ( hoff ' ich ) nie etwas anders als Anschrot und Beiwerk des Vorteils , so wie auch auf dem Reichstage nicht die angestoßenen Konfekttischchen , sondern die Sessionstafeln die eigentlichen Arbeitstische des Reichs-corpus sind . Echte Schönheit und Kunst wird daher bei uns nur auf Sachen gesetzt , gemalt , geprägt , welche dabei nützen und abwerfen : z.B. gute Madonnen nur ins Modejournal - radierte Blätter nur auf Briefe voll Tabaksblätter - Kameen auf Tabaksköpfe - Gemmen auf Petschafte und Holzschnitte auf Kerbhölzer - Blumenstücke werden gesucht , aber auf Schachteln - treue Wouwermanne , aber zwischen Pferdeständen neben Beschälern11 - erhobenes Bildwerk von Prinzenköpfen , entweder auf Talern oder auf baierschen Bierkrug-Deckeln , beide nicht ohne reines Zinn - Rosen-und Lilienstücke , aber an tätowierten Weibern . - Auf ähnliche Weise war in Basedows Erziehungsanstalt stets das schöne Gemälde und das lateinische Vokabulum verknüpft , weil das Philanthropin dieses leichter unter jenem behielt . - So malte Van der Kabel nie einen Hasen auf Bestellung , ohne ein frisch geschossenes Modell nach dem andern sich zum Essen und Kopieren auszubitten . So malte der Maler Calkar schöne Strümpfe , aber unmittelbar an seine eignen Beine . « - Der Ritter hörte so etwas mit Vergnügen an , ob ers gleich weder belächelte noch nachahmte ; ihm waren alle Farben im genialischen Prisma erfreulich . Nur für den Baumeister wars nicht genug im griechischen Geschmack , und für den Lektor nicht genug im höflichen . Letzterer kehrte sich , während Schoppe neuen Atem zu unserer Verkleinerung holte , wie schmeichelnd zum abreisenden Dian und sagte : » Früher nahm Rom andern Ländern nur die Kunstwerke hinweg , aber jetzt die - Künstler . « Schoppe verfolgte : » Ebenso sind unsere Statuen keine müßigen Staatsbürger auf der Bärenhaut , sondern sie treiben alle ein Handwerk ; was Karyatiden sind , tragen Häuser , was Engel sind , halten Taufschüsseln , und heidnische Wassergötter arbeiten in Springbrunnen und gießen den Mägden das Wasser in die Scheffel zu . « - Der Graf sprach warm für uns , der Lektor hell ; der Ritter bemerkte , daß der deutsche Geschmack und das deutsche Talent für dichterische Schönheiten den Mangel an beiden für andere Schönheiten vergüte und erkläre ( aus Klima , Regierungsform , Armut etc. ) . Der Ritter glich den Himmelssehröhren , hinter denen die Erden größer erscheinen und die Sonnen kleiner , er nahm wie jene den Sonnen den geborgten Schimmer ab , ohne ihnen den wahren größern zurückzugeben ; er schnitt zwar einem Judas den Strick entzwei , aber einem Christuskopfe goß er den Heiligenschein aus und suchte überhaupt eine Parität und Gleichheit der Schwärze und des Lichts zu