tonlos , aber fest . “ Nein , Käthe ! sagte er entschieden . “ Eine Trennung für immer wäre es allerdings , wenn ich das , was Sie vor wenigen Stunden abgesprochen haben , für unverbrüchlich halten müßte , denn -- eine Schwester will ich nicht . . . . Glauben Sie , ein Mann werde sich zeitlebens da mit wohlgemeinten schwesterlichen Briefen begnügen , wo er nach dem lebendigen Worte von geliebten Lippen dürstet ? . . . Aber nein , das wollte ich ja heute nicht sagen . Die Selbstsucht reißt mich hin , Sie in einem Augenblicke zu bestürmen , wo Sie eine so bittere Schmerzenslast zu tragen haben . Nur über Eines muß ich mich noch aussprechen Sie haben heute Nachmittag eine Begegunng in dem Zimmer gehabt , aus welchem Sie mir in der heftigsten Gemütsbewegung entgegentraten Man hat Ihnen mitgeteilt , was geschehen ist , und dabei ist selbstverständlich der ganze mißliche Anschein , den eine solche gewaltsame Lösung stets gewinnt , auf mich allein gefallen -- ich sah das an Ihren Mienen , und später , als Sie sich gegen eine innigere Beziehung verwahrten , indem Sie Henriette zu Liebe mir eine Schwester sein wollten , da hörte ich auch , daß böse Einflüsterungen Macht über Sie gewonnen hatten -- Gott sei Dank , nicht für immer ! Ich weiß es -- Ihr klarer , kluger Blick mag sich vielleicht momentan trüben , aber er wird sich nicht hartnäckig verschließen . Käthe , ich war neulich , an dem schreckensvollen Nachmittage , in meinem Garten , ich stand hinter dem Ufergebüsche , und drüben legte ein Mädchen die Stirn an einen Baumstamm und weinte bitterlich . Heft 25 Käthe machte eine Bewegung , als wolle sie in die Allee hineinfliehen , allein schon hatte Bruck ihre Hand gefaßt und hielt sie mit festem Drucke . “ Ich sah das Mädchen leibhaftig vor mir stehen , das ich eben in Gedanken von Sehnsucht in meinen Armen gehalten und an das Herz gedrückt hatte ; ich war eben in dem letzten der Kämpfe , die ich monatelang durchlitten , Sieger geblieben , das heißt , ich hatte falsche Ansichten von mir geschüttelt und mir gesagt , daß ich ein Meineidiger sei , wenn ich , die unbezwingliche Leidenschaft im Herzen , eine verhaßte Ehe eingehe . Und da sah ich die Heimgekehrte stehen -- und ich jauchzte , denn ihre weinenden Augen suchten nicht die Fenster der Tante ” -- er schwieg und zog ihre Hand an seine Lippen , und sie lehnte an der nächsten Linde , unfähig , auch nur einen Laut herauszubringen . “ Ich darf der , die meine Braut gewesen ist , keinen Vorwurf machen ; ich trage die Schuld , daß es zu einem solchen Eklat kommen mußte , ich , der ich , um der Welt willen , schwach genug war , nicht schon in dem Augenblicke zurückzutreten , wo ich unter tödtlicher Bestürzung erkannte , daß ich eine hinreißend schöne Form gewählt habe , deren vermeintlich reicher Inhalt unter den prüfenden Augen zu Nichtigkeiten zerbröckelte -- und das geschah schon in den ersten Wochen nach meiner Verlobung . Nein , es waren keine Nichtigkeiten , welche die hinreißend schöne Form umschloß , es war ein Frauencharakter von teuflischer Bosheit . Flora hatte um Brunks Liebe für sie gewußt , jedenfalls durch sein eigenes Geständniß -- welch eine niederträchtige Intrigue ! Die Betrogene hatte den Ring in der Taschen ; sie hatte ihn um jeden Preis erkauft ; sie hatte selbst jeden listigen Einwurf der ränkevollen Schwester bekämpft und ihr Wort verpfändet , sogar auf die Möglichkeit hin , daß Bruck ihre Hand begehren könne . Die Augen des jungen Mädchens irrten verzweiflungsvoll über den gestirnten Himmel . Sie wußte , Flora gab ihr das Wort nicht zurück , und wenn sie sich in qualvoller Bitte zu ihren Füßen die Kniee wund rieb ; sie wußte , daß sie und Bruck in den Augen Aller verfehmt sein würden , denn Niemand hatte einen vorurtheilslosen Einblick in die Sachlage . Es bedurfte nicht einmal Flora ' s glänzender Beredsamkeit , die Welt zu überzeugen , daß sie die Hintergangene sei , der die jüngere Schwester den Verlobten weggelockt habe , und daß Flora diese Beleuchtung wählen werde , das stand fest , wie der Himmel da droben . Wie sie flimmerten , die kreisenden Sternbilder ! Aus welchen dieser goldenen Himmelsfunken hatten die rosig durchhauchten Abendlüste den erlösten Geist der Schwester getragen ? Sah sie jetzt zurück ? Sah sie , wie das Glück des geliebten Mannes in Trümmer ging ? “ Sie sind so still , Käthe . In Ihrer Seelenhoheit weisen Sie mich schweigend in die Schranken ; ich hätte heute nicht sprechen follen , ” hob er wieder an . “ So wie ich auch jetzt nicht weiter in Sie dringen . Ich verhehle mir nicht , daß meine Bitten und Wünsche mit schweren Bedenken in Ihrer Seele kämpfen müssen , denn sonft wären Sie nicht die peinlich gerechte , die ehrliche Käthe , die Sie sind , aber ich werde mein ersehntes Ziel erreichen , ohne daß ich zur stürmischen Ueberredung greifen muß -- das weiß ich auch . Ich lasse Ihnen Zeit zur Prüfung und zur Ueberwindung des tiefen Schmerzes , der Sie jetzt erfüllt und in Allem , was Sie denken und fühlen , mitspricht . Ich gehe jetzt unbeglückt , aber -- ich komme wieder . Und nun wollen wir nach der Mühle gehen . Geben Sie mir getrost Ihren Arm ! Ein Bruder kann seine Schwester nicht selbstloser führen , als ich in diesem Augenblicke an Ihrer Seite gehe . Sie könnten sich ebenso ruhig mir und meiner Tante anschließen , wenn wir unsere Reise nach L ..... g antreten . ” “ Ich kehre nicht nach Sachsen zurück , ” sagte sie . Sie hatte ihre Hand auf seinen Arm gelegt , und nun durchschritten sie die Allee . Ein