! Na , mein Kindchen , sei froh , daß Du wenigstens unter der Haube bist , da kann man sich über einen Hut schon trösten , ‚ s ist nun heute einmal ein Unglückstag ! “ Die Gesellschaft versammelte sich jetzt rasch . Die Damen setzten sich um den großen runden Tisch zum Tee , die Herren standen in Gruppen umher , es war an solchen Abenden erlaubt zu rauchen , und sie bliesen blaue Wolken in die reine Abendluft und tranken Bier . Der Mond begann , falbe Strahlen durch die rötliche Dämmerung herabzusenden , die Nachfalter flatterten hin und her , und dann und wann kam wie eine Baßsaite surrend ein dicker Käfer geflogen und prallte an die Köpfe der erschrockenen Frauen an . Von Busch zu Busch strichen müde Vögel hin , ihr Nachtquartier zu suchen , und erregten durch ihren schweren niedern Flug die Besorgnis der jungen Mädchen , es könnten Fledermäuse sein . Da zirpte eine dünne Stimme von Außen das Rückert ’ sche Lied : Einen Haushalt klein und fein Hab ’ ich angestellt . Der soll mein Gast sein , Der mir wohl gefällt , — und Elsa tauchte von ihrem Bruder geführt an der Pforte auf . Die Staatsrätin erhob sich . „ Ach meine teuerste , mütterliche Freundin , “ rief ihr Elsa schon von weitem zu und schwebte ihr entgegen : „ Nicht wahr , ich komme spät ? Hätten mich meine Gedanken hierher tragen können — ich wäre längst da — aber denken Sie nur , an unserer Droschke brach ein Rad und wir mußten zu Fuße hierhergehen . “ „ O , das bedaure ich recht sehr , “ — sagte die Staatsrätin artig — „ da sind Sie gewiß recht erschrocken ! “ „ Ja — es war ein höchst unangenehmes Intermezzo , welches uns die Vorfreude dieses schönen Abends störte , “ erwiderte Herbert verbindlich . „ O , mir hat es die Laune keinen Augenblick verdorben , “ lachte Elsa in reizendem Übermut und zwitscherte den Schlußvers des „ kleinen Haushalts “ : Und wenn sie uns werfen vom Wagen herab , So finden wir unter Blumen ein Grab ! — „ Das Einzige , was ich bedauerte , war die Verzögerung meiner Ankunft bei Ihnen und ich lief mich ganz außer Atem . “ „ Nun , das muß doch nicht gar zu schlimm gewesen sein ! “ meinte die Staatsrätin lächelnd . „ Sie trällerten ja so munter durch die Bergstraße her ! “ „ Wirklich , hörten Sie mich ? “ fragte Elsa verschämt , „ nun sehen Sie , meine Stimme war glücklicher als ich — sie hat Sie früher erreicht ! Nun soll aber auch gleich der Kuß dem Gruße folgen ! “ Sie sprang an der großen Frau empor und drückte einen feuchten Kuß auf ihre Backe , den die also Heimgesuchte aus Höflichkeit nicht einmal abwischen durfte , sondern geduldig an der Luft trockenen lassen mußte . „ Wie geht es denn Ihrer Frau Gemahlin ? “ fragte die Staatsrätin Herbert . „ Ach ich danke sehr — es ist immer gleich mit ihr . Dies ewige Leiden mitanzusehen , ohne helfen zu können , wird mich noch aufreiben . “ Die Staatsrätin betrachtete mitleidig die eingesunkenen Wangen Herberts : „ Die arme Frau ! Aber auch Sie sind beklagenswert ! “ „ Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme , sie trägt sehr dazu bei , mir die schweren Pflichten ihrer Pflege zu erleichtern . “ Elsa hörte dies ernste Gespräch nicht mit an . Unstet , wie sie war , lief sie auf die Gesellschaft zu , und die Staatsrätin folgte mit Herbert . „ Eine Fledermaus , eine Fledermaus , “ schrie einer der jungen Herrn , als sie herankam , und zeigte nach einem vorüberschwirrenden Vogel . „ Sie sind boshaft , Kollege , “ raunte ein Anderer ihm zu . „ Nein , seht nur , “ flüsterte ein Dritter . „ Herbert kommt richtig wieder im Fracke ! Ist das nun kollegialisch gehandelt , wenn er weiß , wir haben Alle das Übereinkommen getroffen , zum Kränzchen nur im Rocke zu erscheinen , daß er den Frack anzieht ? “ „ Das ist so seine Art , davon bringt ihn Niemand ab . Wer wird auch bei Herbert noch Kollegialität erwarten ! “ sagte Taun . „ Der Narr , “ bemerkte Meibert . „ Ich hätte mich gar nicht zu dem Kränzchen pressen lassen , wenn der Rock nicht ausdrücklich bedungen und erlaubt worden wäre . “ „ Ich auch nicht , ich auch nicht , “ riefen fast alle Anwesenden auf einmal und dehnten sich behaglich in dem köstlichen Kleidungsstück . Elsa nickte und grüßte indessen nach rechts und links . Sie war so glücklich in dem Bewußtsein , Jedem durch ihr Erscheinen ein inniges Vergnügen zu bereiten . Sie hatte Alle so lieb und Alle hatten sie so lieb . Ach , die Erde war ja für sie ein Paradies voll Glaube , Liebe , Hoffnung , das sie sich und Andern zur Freude durchschwebte als ein lächelnder , freundlicher Genius . Sie war ein wenig erschrocken , Möllner nicht zu finden , und ihre Laune erhielt jetzt einen schlimmeren Stoß als vorhin , wo sie fast unter Blumen ein Grab gefunden hätte . Doch sie tröstete sich , — er komme noch — gewiß , er blieb nicht aus , wo Elsa war . Und sie beschloß , die Gesellschaft nicht entgelten zu lassen , was diese nicht verschuldet , und sich dem Gespräche nicht zu entziehen . Es lag etwas rührend Gutmütiges in ihrer Eitelkeit . Sie wollte die Vorzüge , deren sie sich vor Anderen bewußt war , ja nur zu deren Besten geltend machen . Sie freute sich ihrer eingebildeten Unterhaltungsgabe ja nur , weil sie ihren teuern Freunden damit die geselligen Stunden verschönern konnte . Wie hätte sie je gedacht , daß man sie