ich nit helfen . Da mußt du den Kittel wegtun lassen . Und alles . « In Scham und Erschöpfung zitternd , sah Jul den Söldner mit flehenden Augen an . Malimmes sagte ruhig : » Bist doch ein Bub ! Nit ? Da mußt du auch tun können wie ein Mannsbild . Und hab nit Sorg ! Es ist niemand im Haus . Der Bauer und sein Bub haben mit dem Herzog fort müssen . Und die Bäurin hab ich nach Burghausen geschickt . Du brauchst doch einen neuen Küraß . Nit ? « Zitternd klammerte Jul am Hals die Lappen des Lederwamses übereinander . » Geh , wirst dich doch nit scheuen vor mir ? Ich bin dein Blutgesell und Zeltkamerad . Das ist heiliger als ein Bruder . Komm , Gesell , tu dir helfen lassen ! Oder morgen bist du so starr wie ein Stückl Holz . Und mußt liegenbleiben und kannst nit mitreiten , wenn der Bauer kommt . « Ein mühsamer Atemzug . » Tu dich umdrehen . « » Ich geh zum Brunnen um Wasser . Aber tu nit umfallen ! Jetzt mußt du aufrecht bleiben . « Malimmes nahm einen hölzernen Zuber , der neben dem müden Herdfeuerchen stand , und verließ die Stube . Als er nach einer Weile wiederkam , war auf dem Herd keine Flamme mehr . Und Jul stand mit geschlossenen Augen da , in den Mantel des Söldners gewickelt . » Komm , laß aus ! « Malimmes faßte den Mantel . Von den paar Kohlen , die auf dem Herd noch glühten , und von dem schwachen Mondlicht , das durch die Fensterlöcher hereinflimmerte , war eine matte Helle in dem schwülen Raum . Malimmes sagte leise : » Was für ein feiner Bub du bist ! « Dann goß er das kalte Wasser über den schlanken , schauernden Körper hin und begann mit einem nassen Tuch die Arme , den Rücken und die Beine zu schlagen . Er wickelte das Tuch um seine Faust und rieb , bis die Haut an allen Gelenken zu glühen begann . » Paß auf jetzt ! Das wird dir ein lützel weh tun . Aber es hilft . So hab ich auf dem Schwarzeneck dem Bauer geholfen . Weißt du ' s nimmer ? « Er nahm des Buben Kinn in seine Linke , drückte ihm den Kopf in den Nacken und führte mit der Schneide der rechten Hand drei feste Schläge gegen eine Stelle des Rückgrats . Jul drohte niederzubrechen . Aber Malimmes hielt ihn aufrecht . » So ! Jetzt mach ein paar feste Schrittlen ! - Also ? Wie geht ' s ? « » Viel besser . « » Gelt ja ? « Ein glückliches Lachen . Und Malimmes wickelte seinen Mantel um den Buben , hüllte ihn noch fest in eine Pferdekotze , hob den Zitternden auf seine Arme , trug ihn zum Lager hin und legte ihn achtsam auf die Kissen . » So , lieber Gesell ! Jetzt schlaf ! Gut Nacht ! Wenn ' s Tag ist , komm ich wieder . « Draußen vor der Türe stieß er seinen schweren Dolch als Riegel in den Pfosten . Auf der Hausschwelle stand eine Laterne . Die nahm er und ging in die Scheune , um nach den Gäulen zu sehen . Wie müde Hunde lagen sie im Stroh , ließen die Bäuche auf und nieder gehen und streckten die starren Beine von sich . Dicke Blutkrusten standen auf ihren Fleischwunden . Und der Burghausener Falbe , der eine zärtliche Seele hatte , lag mit verdrehter Kehle auf dem Hals des Ingolstädters . Wie ein Schlafwandler legte Malimmes den Gäulen das Futter vor die Schnauzen hin . Die Tiere rührten sich nicht . Sie ließen nur ein bißchen die vorgequollenen Augen rollen , als er einen dicken Strohbusch nahm und davonging . Den trug er in den Hausflur und warf ihn vor der Stubentür auf den Lehmboden . Und wollte noch eine Garbe holen , um besser zu liegen . Bevor er die Scheune erreichte , mußte er sich gegen die Mauer lehnen . Die Nacht unter der kleinen Sichel des Mondes war aschengrau . Irgendwo ein rotglostender Feuerschein . Und verschwommene Stimmen in der Ferne . » Die schlafen auch nit ! « Mit tappenden Schritten , die Fäuste gegen seine schmerzenden Lenden pressend , ging Malimmes zur Scheune . Als er mit der Laterne und dem Strohbündel wieder herauskam , fing sein gebeugter Körper zu taumeln an . » Höia , guck ! « Seine Zunge war schwer ; doch seine Stimme hatte noch heiteren Klang . » Ich kenn mich aus . In einem Keller bin ich und hab gesoffen . Ich schlechter Kerl ! Jetzt komm ich an die Luft - « Er ließ das Stroh und die Laterne fallen und wollte zum Brunnen , wollte den Kopf in kaltes Wasser stecken . Auf halbem Wege stürzte er lautlos über den Rasen hin . Der Morgen begann zu dämmern . Vom Tal der Salzach näherte sich ein dumpfes Pochen und Knattern , ein lärmendes Stimmengewirr . Im Erwachen des Tages , dessen östlicher Himmel übergössen war vom Feuerblut der kommenden Sonne , zog an dem einsamen Bauernhaus ein langer Zug von Spießknechten vorüber , mit schweren Hauptbüchsen , mit gaukelnden Antwerken und Sturmkatzen , mit einer fast endlosen Zeile von Troßkarren . Hinter dem singenden Schwärm der Heerweiber kam als letztes Schwänzlein dieses Kriegsungeheuers noch der hohe Blachenwagen des Feldschers angefahren und hielt vor dem Gehöft . Es stieg eine alte Bäuerin aus , der man einen klirrenden Pack herunterreichte . Munter schwatzte das Weiblein noch mit einem , der unter der Blache hockte . Dann lud es den Pack auf den Rücken und ging zum Haus . Neben dem Brunnen sah die Bäuerin den Malimmes im Grase liegen . Sie warf den Pack zu Boden , erkannte an dem Bewußtlosen eine Spur von Leben und rannte schreiend