unten sehr breit war und nach oben immer enger wurde . Demgemäß waren auch die Gebäude und Höfe unten sehr breit und wurden dann um so schmäler , je höher sie stiegen . Die Seiten der Höfe wurden von den beiden Wänden der Felsenspalte gebildet , und an allen diesen Seiten führten tief eingehauene Pfade rechts und links nach dem Walde empor , auf dessen Wiesen der kostbare Pferdebestand des berühmten Medizinmannes weidete . Im untersten , größten Hofe stiegen wir ab . Tatellah-Satah führte uns in das Haus , mich , das Herzle und den » jungen Adler « . Niemand durfte uns folgen . Er leitete uns über Stufen zur Etage empor , nach einem ziemlich großen und ziemlich hohen Raume , in dessen Mitte eine von sechs ungeheuren Grizzlybären getragene Platte stand . Auf ihr lagen wohl über ein Dutzend Friedenspfeifen mit allem Zubehör . Hier wurden die gewöhnlichen Gäste empfangen ; uns aber führte er weiter , durch eine ganze Reihe der verschiedensten Räume , bis wir an einen ledernen , köstlich gegerbten und bemalten Vorhang gelangten , den er mit der Aufforderung zurückschlug : » Tretet ein , und setzet euch nieder ; ich kehre schnell zurück . « Wir taten es und sahen gleich mit dem ersten Blicke , daß wir uns in einem kleinen , mit großer Liebe behüteten Heiligtume befanden . Zwei mit Glas verschlossene Luken spendeten helles Licht . Das Ganze war als Zelt eingerichtet , doch nicht als Kriegs- sondern als Friedenszelt , dessen Bahnen abwechselnd aus höchst seltenen weißen Biber- und weißen Präriehuhnfellen bestanden . Vier schlohweiße Büffelfelle lagen am Boden , derart arrangiert , daß sie weiche Sitze bildeten , während die Köpfe mit den starken Hörnern als Ellbogen- und Rückenstütze dienten . Zwischen ihnen trugen vier Jaguarköpfe eine große , polierte Schale , die aus dem heiligen Pfeifenton des Nordens geschnitten war . Auf ihr lag ein Kalumet . Es war nicht groß , nicht kostspielig , sondern weit eher klein und ganz gewöhnlich . Es zog durch nichts , durch gar nichts den Blick auf sich , und doch erkannte ich es sofort als die wertvollste und unschätzbarste Friedenspfeife , die es hier gab und überhaupt geben konnte . » Winnetous Pfeife ! « rief ich aus . » Die Pfeife , die er trug , als ich ihn kennen lernte ! Welch eine Ueberraschung , welche Freude ! « » Irrst du dich nicht vielleicht ? « fragte das Herzle . » Unmöglich ! « » So muß ich sie betrachten . « Sie wollte hintreten und zugreifen . » Halt ! « bat ich . » Rühre ja nichts an ! Ich sehe , hier ist ein heiliger Ort ; den haben selbst Freunde , wie wir sind , heilig zu halten ! « Ich führte sie zu den Fenstern . Wir hatten die Ebene mit ihren Zelten und Blockhäusern unter uns liegen . Es schienen soeben wichtige Personen angekommen zu sein ; das ersahen wir aus der Bewegung , die es gab . Wir fanden aber keine Zeit zur Beobachtung , denn Tatellah-Satah kam jetzt . Er hatte den Mantel abgelegt , und nun sahen wir , was für ein Gewand er darunter getragen hatte , nämlich einen ganz gewöhnlichen indianischen Anzug von weichgegerbtem , naturfarbenem Leder , ohne eine Spur von verschönender Stickerei oder sonstigem Schmuck . Er nahm zunächst das Herzle bei der Hand und führte sie dahin , wo sie sich setzen sollte . Sein Sitz war ihr gegenüber . Ihm zur Rechten war mein Platz und zur Linken der des » jungen Adlers « . Der alte Pappermann war unten bei den Pferden geblieben . Tatellah-Satah setzte sich zunächst nicht . Er blieb stehen und sprach : » Mein Herz ist tief bewegt , und meine Seele kämpft mit dem Leide vergangener Zeiten . Als zum letzten Male hier an dieser Stelle das Kalumet geraucht wurde , war es ein Rauch des Abschiedes . Hier , wo jetzt unsere weiße Schwester sitzt , saß Nscho-tschi , die schönste Tochter der Apatschen , die Hoffnung unseres Stammes ; hier wo jetzt Old Shatterhand sitzt , saß Winnetou , mein Liebling , den keiner so kannte , wie ich ; hier , an Stelle des jungen Adlers , saß Intschu-tschuna , der kluge und tapfere Vater dieser beiden . Sie waren gekommen , um Abschied von mir zu nehmen . Nscho-tschi wollte nach dem Osten , in die Städte der Bleichgesichter , um ein Bleichgesicht zu werden . Im Innern meines Auges standen Tränen . Die Trägerin aller unserer Wünsche und Hoffnungen verließ uns weil ihre Liebe uns nicht mehr gehörte . Es war ein trüber Tag ; draußen heulte der Sturm , und in meiner Seele war es dunkel . Sie gingen . Nscho-tschi kehrte nicht zurück . Sie wurde mit ihrem Vater ermordet . Nur Winnetou kam . Ich haderte mit ihm . Ich zürnte dem , um dessentwillen die Tochter unseres Stammes sich von uns gewendet hatte . Da legte Winnetou sein Kalumet in diese Schale und schwor , daß er diese Pfeife nicht eher wieder berühren werde , als bis ich erlaube , daß sein Bruder Shatterhand sich hier zu uns setze und den Gruß des Friedens mit uns rauche . Er war noch oft , noch oft bei mir . Er wohnte und übte und arbeitete monatelang am Mount Winnetou , nie aber hat er dieses Zelt wieder betreten , und nie hat es ein anderer betreten dürfen . Nur sein Schwur saß hier und wartete , wartete lange , lange Zeit . Winnetou starb . Er starb am Herzen Old Shatterhands . Ich zürnte mehr als vorher . Mir schien , als sei die Zukunft der Apatschen mit ihm gestorben . Ich war der Bewahrer der Medizinen . Ich ahnte die Geschichte und die Geheimnisse unserer Rasse . Ich hatte diese Rasse vom Untergange , vom Tode retten wollen . Ihre Seele sollte erwachen ,