kaufen . Wir wollen jetzo aus der Höhle das benötigte Gold holen . « - » Das brauchen wir nicht « , entgegnete der Oheim ; » ich habe viele Münzen bei mir . « - » Gib sie hin , ans Werk ! « Bevor der Oheim ging , rief er Zetteritz zurück und empfahl ihm , mir Speise und Trank zu holen . Dann setzte er sein Pistol in Schußbereitschaft und entfernte sich in der Richtung zum Hohen Stein . Zetteritz kam nun aus der Grotte mit einem Laibe Brot und einem Kruge . » Habe zwar schon bessern Trunk getan , « sprach er lächelnd , » doch man gewöhnt sich an euern herben Beerenwein . « Er reichte mir den Krug , und ich erquickte mich . Darauf so tat er mir Bescheid : » Auf treue Brüderschaft ! « Beisammen saßen wir und ließen auch das Brot uns munden . Wie das Mahl beendet war , verglomm die Sonne hinter den Iserbergen , und zugleich kam von der andern Seite ein Summen geschwommen , sanft wie ein Vogel auf reglosen Schwingen . Es war das Abendgeläut der fernen Dorfkirche . Zetteritz faltete die Hände und versank in Gebet . Wie er nach einer Weile aufseufzete , sah ich sein Auge feucht . Durch eine Bewegung seines Kopfes wies er auf den Abendstern , so zart am erblichenen Himmel schimmerte , und sprach leise : » Weißt du , an wen der Stern mich erinnert ? An Thekla ! Ich redete einmal mit ihr vom Abendstern . « Wie Zetteritz sinnend verstummte , bat ich ihn , weiterzuerzählen . » Aus Theklas Briefe hast du , mein Bruder Johannes , wohl bereits entnommen , daß ich oft in Thekla gedrungen bin , sie solle mein Weib werden . Dich hielten wir ja für tot , und heiß war meine Liebe zu ihr . Weil ich nun ein anhänglicher Sohn der heiligen Kirche bin , so hätte ich gern Thekla in ihren Schoß zurückgebracht . Da haben wir zuweilen mitsammen über den Glauben geredet , und von der Gottesmutter hab ich ihr gesprochen . Sintemalen ich nun als Kind von meiner guten Amme vernommen , auf dem Abendstern wohne die Gottesmutter , so ist mir solches in den Sinn kommen , wie ich einmal mit Thekla diesen Stern betrachtet habe ; und ich habe es ihr gesagt . Da hat sie die Frage getan , wie ich zur Gottesmutter bete , worauf ich ihr mein Ave vorgesprochen habe . Seitdem nun mahnet mich der Abendstern an Thekla , und ich bete dann zur Gottesmutter . So war ' s im Feldlager , und so ist es jetzo hier . « - » Willst du nicht auch mich dein Ave lehren ? « fragte ich weich . Da faltete Zetteritz abermals die Hände : » Gegrüßet seist du , Maria ! Bist voller Gnaden , der Herr ist mit dir , gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes , Amen ! « Verlegen lächelnd wie ein Scholar , der unzulänglich gelernt hat , fügte er hinzu : » Wie es der Priester spricht , lautet das Ave wohl etwas anders ; ich hab ' s vergessen , ich halte mich an das , was ich kann und gewohnt bin . Die Gottesmutter , denk ich , wird es auch so gelten lassen . Sie ist voller Gnaden . Das hab ich in mancher Feldschlacht erfahren , mein Schlachtgebet war stets dies Ave . « - » Ein schön Gebet « , erwiderte ich und überdachte die Worte . Da ergriff Zetteritz meine Hand und drückte sie : » Versuche du doch auch einmal , zur Gottesmutter zu beten ! Ich kann nicht reden wie ein Pfaff , doch glaube mir : nur in der wahren Kirche findest du den Stab und Halt , ohne den deine Seele in die Irre schweift . Haben dich diese Unglückstage nicht belehrt , daß du Gefahr läufst , gänzlich vom Himmel abzukommen ? Hast ja nicht bloß den katholischen Glauben , sondern auch noch den evangelischen verloren . Dieweilen es unmöglich , daß der Mensch auf nichts stehe , so bleibet dem Ungläubigen , in Ermangelung kirchlichen Beistandes , nichts übrig , als selber sich ein Bildnis vom Göttlichen zu machen . Aber ach , dabei ist er auf seinen Eigenwillen angewiesen , und wunderlich webt seine Willkür , bis er sich schließlich gänzlich in Ketzerei verstrickt und in seinem Götzendienste gar auf den Teufel fällt . Laß dich warnen , Johannes , durch den Frevel , der an dieser Stätte sich ereignet hat . Die Saat des Heidentums hat ihre Giftfrucht getrieben . Wende dich ab von der Bahn , die zur Teufelsmette führt . Bete zur Gottesmutter ! « Er war bei diesen Worten ein Eiferer worden , doch seine Treuherzigkeit rührte mich , und ich antwortete : » Habe Dank , du meinst es gut , und still für mich will ich deine Rede prüfen , zumal mir wundersam friedevoll zumute beim Schauen des Abendsternes und bei deiner Mahnung an Thekla und die Gottesmutter . Ach , Bruder , hole mir meine Harfe ! Es drängt mich , mein schweres Herz im Gesange zu erleichtern . « Gern erfüllte er den Wunsch , ich stimmte die Saiten und griff träumerisch leise Akkorde . Den Worten vom Himmelreiche sann ich nach , die meines Vaters Geist zu mir gesprochen : Inwendig ist das Himmelreich . Ist dem so , muß alles , was frommer Glaube heilig hält , im innern Himmelreiche wohnen . Nicht auf dem Abendstern , im Menschenherzen hat die Gottesmutter ihr Heim , und hier auch suche die gebenedeiete Frucht ihres makellosen Leibes . Ja , Menschenkind , so deine Seele nicht selbst Maria wird , kannst du den Heiland nicht empfahen . In dir muß der Gottessohn geboren werden ... Und zum Klange ward dies Sinnen , heimlich fügten sich die Worte und vermählten sich mit einer