, ganz frei ist er . Sein Advokat hat ein Abolitionsgesuch an den Kaiser eingereicht , das ist heute günstig erledigt worden . « » Unglaublich « , rief Breitner . » Warum wundern Sie sich denn so , Breitner ? « meinte Willy . » Es kann doch auch einmal etwas Vernünftiges geschehen in Österreich . « » Duell ist nie vernünftig « , sagte Skelton , » und daher kann auch eine Begnadigung wegen Duells nicht vernünftig sein . « » Duell , lieber Skelton , ist entweder etwas viel Schlimmeres oder viel Besseres als vernünftig « , erwiderte Willy . » Entweder ein ungeheuerlicher Blödsinn oder eine unerbittliche Notwendigkeit . Entweder ein Verbrechen oder eine erlösende Tat . Vernünftig ist es nicht und braucht es nicht zu sein . In Ausnahmefällen kann man mit der Vernunft überhaupt nichts anfangen . Und daß in einem Fall , wie der , von dem wir grad sprechen , das Duell unvermeidlich war , das werden auch Sie zugeben , Skelton . « » Absolut « , sagte Breitner . » Ich kann mir ein Staatswesen denken « , bemerkte Skelton , » in dem selbst Differenzen solcher Art vor Gericht ausgeglichen würden . « » Solche Differenzen vor Gericht ! O fröhlich ! ... Glauben Sie wirklich , Skelton , daß in einem Fall , wo es sich nicht um Besitz- und Rechtsfragen handelt , sondern wo sich Menschen mit einem ungeheuern Haß gegenüberstehen , glauben Sie wirklich , daß da mit Geld- oder Arreststrafen ein Ausgleich geschaffen werden könnte ? Es hat schon seinen tiefen Sinn , meine Herren , daß Duellverweigerung in solchen Fällen bei allen Leuten , die Temperament , Ehre und Aufrichtigkeit in sich haben , stets als Feigheit gelten wird . Bei den Juden wenigstens « , setzte er hinzu . » Denn bei den Katholiken ist es bekanntlich immer nur die Frömmigkeit , die sie abhält sich zu schlagen . « » Kommt sicher vor « , sagte Breitner schlicht . Georg wünschte zu wissen , wie sich die Sache zwischen Leo Golowski und dem Oberleutnant abgespielt hätte . » Ja richtig « , sagte Willy , » Sie sind ja ein Zugereister . Also der Oberleutnant hat das ganze Jahr hindurch diesen Leo Golowski erheblich kuranzt und zwar ... « » Die Vorgeschichte kenn ich « , unterbrach Georg , » zum Teil aus direkter Quelle . « » Ach so . Also am ersten Oktober war die Vorgeschichte , um bei diesem Ausdruck zu bleiben , zu Ende ; das heißt , Leo Golowski hat das Freiwilligenjahr hinter sich gehabt . Und am zweiten in der Früh hat er sich vor die Kaserne hingestellt und ruhig gewartet , bis der Oberleutnant aus dem Tor gekommen ist . In diesem Moment ist er auf ihn zugetreten , der Oberleutnant greift nach seinem Säbel , Leo Golowski packt ihn aber bei der Hand , läßt sie nicht aus , hält ihm die andere Faust vor die Stirn und damit war das Weitere so ziemlich gegeben . Übrigens wird auch erzählt , daß Leo dem Oberleutnant folgende Worte ins Gesicht geschleudert haben soll ... ich weiß nicht recht , ob ' s wahr ist . « » Welche Worte ? « fragte Georg neugierig . » Gestern , Herr Oberleutnant , sind Sie mehr gewesen als ich , jetzt sind wir vorläufig einmal gleich aber morgen um die Zeit wird wieder einer von uns mehr sein , als der andere . « » Etwas talmudisch « , bemerkte Breitner . » Das müssen Sie freilich am besten beurteilen können , Breitner « , erwiderte Willy und erzählte weiter : » Also am nächsten Morgen in den Auen bei der Donau war das Duell . Dreimaliger Kugelwechsel . Zwanzig Schritte ohne Avance . Wenn resultatlos , Säbel bis zur Kampfunfähigkeit ... Die ersten Schüsse hüben und drüben fehlen , und nach dem zweiten ... nach dem zweiten ist der Golowski richtig bedeutend mehr gewesen als der Oberleutnant denn der war nichts , weniger als nichts ; ein toter Mann . « » Armer Teufel « , sagte Breitner . Willy zuckte die Achseln . » Es ist halt einmal einer an den Unrechten gekommen . Mir tut er auch leid . Aber man muß doch sagen , es stände manches anders in Österreich , wenn alle Juden entsprechenden Falls sich so zu benehmen wüßten wie der Leo Golowski . Leider ... « Skelton lächelte . » Sie wissen Willy , vor mir darf man nichts gegen die Juden sagen , ich liebe sie . Und es täte mir leid , wenn man sich entscheiden wollte die Judenfrage durch eine Reihe von Zweikämpfen zu lösen , denn dann würde am Ende von dieser vortrefflichen Rasse kein einziges männliches Exemplar übrigbleiben . « Am Ende des Gesprächs mußte Skelton zugeben , daß das Duell in Österreich vorläufig nicht abzuschaffen wäre . Aber er erlaubte sich die Frage , ob das gerade für das Duell und nicht vielmehr gegen Österreich spräche , da doch manche andere Länder , er wollte aus Bescheidenheit keines nennen , seit Jahrzehnten den Zweikampf nicht mehr kennten . Und ob er zu weit gehe , wenn er sich gestatte , Österreich , in dem er sich übrigens seit sechs Jahren wahrhaft zu Hause fühle , als das Land der sozialen Unaufrichtigkeiten zu bezeichnen . Hier wie nirgends anderswo gebe es wüsten Streit ohne Spur von Haß und eine Art von zärtlicher Liebe , ohne das Bedürfnis der Treue . Zwischen politischen Gegnern existierten oder entwickelten sich lächerliche persönliche Sympathien ; Parteifreunde hingegen beschimpften , verleumdeten , verrieten einander . Nur bei wenigen fände man ausgesprochene Ansichten über Dinge oder Menschen , jedenfalls seien auch diese wenigen allzuschnell bereit , Einschränkungen zu machen , Ausnahmen gelten zu lassen . Man habe hier beim politischen Kampf geradezu den Eindruck , wie wenn die scheinbar erbittertsten Gegner , während die bösesten Worte hinüber und herüberflögen , einander