gestanden habe ? « fragte er . » Ich thue , was ich will ! « » Du fürchtest dich ! « » Laß dich nicht auslachen , unerfahrener Junge ! Ich werde sogar selbst zählen ! Also : Eins - - - - zwei - - - ! « Da nahm Kara sein Gewehr nicht langsam und bedächtig auf , um nach Beduinen- oder überhaupt gewöhnlicher Weise zu schießen , sondern er bediente sich der schnellen Tempi der amerikanischen Westmänner , die er nach meiner Anleitung eingeübt hatte . Das Schießen auf diese Art scheint schwerer zu sein , ist es aber nicht ; es erfordert allerdings eine nur durch lange Ausdauer zu erreichende Fertigkeit , bietet dafür aber eine um so größere Treffsicherheit . Er warf , als der Ben Khalid » Eins ! « sagte , das Gewehr empor , hatte es bei » Zwei ! « im Anschlage , und bei » Drei ! « krachte , ganz genau nach dem höhnischen Kommando , der Schuß , so daß das Wort gar nicht zu hören war . Fast in demselben Augenblicke warf der Ben Khalid beide Arme hoch in die Luft , taumelte einmal hin und einmal her und stürzte dann zur Erde , von welcher er sich nicht mehr erheben konnte . Kara hatte ihn wirklich durch beide Kniee getroffen ; es war ein Meisterschuß gewesen ! Für einige Augenblicke war alles still ; darum hörte man die lauten , stolzen Worte des Siegers : » Der unerfahrene Junge hat sein Wort gehalten . Es fließt das Blut ; folglich ist dieser Kampf zu Ende . Der Besiegte gehört nun mir ; aber ich schenke ihm die zweite und die dritte Kugel und mit ihnen das Leben . Kara Ben Halef ist ein Krieger , aber kein Mörder ! « Hierauf drehte er sich um und kam mit ernstem und doch freudestrahlendem Gesicht auf uns zugegangen . Drüben waren alle Beni Khalid aufgesprungen ; sie rannten zu dem Verwundeten . Diese hinderte von Stimmen vollführten einen wahren Höllenlärm , um den wir uns aber nicht kümmerten . Halef drückte seinen Sohn an das Herz und küßte ihn wohl zehnmal auf die Wangen . Als er sich vor der Mutter niederbeugte , legte diese ihm die Hand wie segnend auf das junge Haupt und sagte in überquellender Zärtlichkeit : » Ich wußte , daß du siegen und auch nicht verwundet würdest . Mein Sohn , du hast alle , alle unsere Hoffnungen so schön erfüllt . Deine Eltern und der ganze Stamm der Haddedihn sind stolz auf dich ! Allah behüte und beschirme deine Wege ! « Ich drückte ihm nur still die Hand und nickte ihm anerkennend zu . Da sah er mir so ernst in die Augen und sagte : » Sihdi , weißt du , was ich dachte , als ich dort stand und auf seine erste Kugel wartete ? « » Nun ? « fragte ich . » Ich hatte keine Sorge um mich , nicht die geringste ; aber ich wußte , daß nicht ich es war , der dort stand , sondern der ganze Stamm meiner lieben , lieben Haddedihn . Und als ich dreimal nicht getroffen worden war und ihn in meine Hand gegeben wußte , da hatte ich die feste Ueberzeugung , daß von meinen drei Kugeln zwei überflüssig seien , weil gleich die erste ihre Schuldigkeit thun werde . Mein Schuß hat diesen Beni Khalid die Frage entgegengekracht : Wenn bei den Haddedihn schon die Knaben so sicher treffen , wie erst müssen da wohl die Männer schießen ! « » Du bist von dieser Stunde kein Knabe mehr , mein braver Kara Ben Halef . Ich will es jetzt sein , der auf den unerfahrenen Jungen die richtige Antwort giebt : Du hast von jetzt an das Recht , an allen unsern Beratungen teilzunehmen . Ich gebe es dir als dein Lehrer und als der treuste Freund des Stammes , der stets bereit ist , sein Leben für euch einzusetzen ! « Er trat in freudigem Schrecke einen Schritt zurück und fragte fast stammelnd : » Ist das wahr , Effendi , wirklich wahr ? « » Ja . Und ich hoffe , daß die Dschemmah , die Versammlung der Aeltesten , es bestätigen wird ! « Da ergriff er meine beiden Hände , drückte sie an sein Herz und küßte sie dann . Sein Vater nahm sie ihm und sagte dann , die Augen voll schneller Thränen , zu mir : » Natürlich wird die Dschemmah jedes deiner Worte bestätigen , Sihdi ! Du bist nicht nur unser Freund , sondern du gehörst unserm Stamm und er gehört dir ! Du bist der Herr und Besitzer aller unserer Herzen . Ich bin der Scheik , und doch bist auch du unser Scheik , wenn auch in anderer Weise . Für den Rang , den du bei uns einnimmst , ist das rechte Wort noch nicht erfunden worden ; aber du darfst auch ohne dieses Wort sicher sein , daß die Ehrenstelle , die es bezeichnen würde , dir für die ganze Zeit des Lebens Anspruch auf unsern Gehorsam und auf unsere Liebe giebt . Du hast diese Stunde zu einer Stunde der Freude , des größten Stolzes für mich gemacht . Ich werde von ihr noch sprechen und erzählen , wenn mir die Zunge des Alters zu andern Erzählungen zu schwer geworden ist ! « Hanneh dankte mir auch , und zwar in echter Frauenweise : » Ich bitte dich , Effendi , sag ' deiner Emmeh , der Bewohnerin deines Zeltes , von mir , daß sie dich stets recht herzlich , recht wahr und innig lieben soll ! Du bist ein unerschöpflicher Spender der Liebe ; ihr Quell , der in dir liegt , kann zwar nie versiegen , aber trotz seiner Fülle soll er doch auch nehmen dürfen und empfangen , was er giebt . Sage ihr also das , und füg