sehen ; es hieß , sie habe einen Bräutigam in der Fremde und werde bald heiraten . Toni war wieder nach Berlin zurückgekehrt , nachdem sie den Ort durch ihr Auftreten in Aufregung versetzt hatte . Nun blieb noch Karl . Der schien allerdings die schiefe Ebene ganz von selbst hinabzugleiten . An den reißenden Fortschritten , die Karls Verlotterung machte , hatte das edle Paar , Vater und Sohn Kaschel , seine helle Freude . Richard Kaschel hatte außerdem noch einen besonderen Grund , sich für Karl zu interessieren . In Halbenau wurde trotz der Armut seiner Bewohner viel und verhältnismäßig hoch gespielt . Ein nach dem Hofe hinaus gelegenes Hinterzimmer im Kretscham bot willkommene Gelegenheit zu jeder Art lichtscheuem Treiben . Dort flogen die bunten Blätter oft ganze Nächte hindurch . Es war bekannt , daß ein Halbenauer Bauer dort Haus und Hof und alles Hab und Gut im Laufe weniger Jahre verspielt hatte . Richard Kaschel gehörte zu der Spielerzunft . Der Vater wußte um das Treiben des Sohnes Bescheid . Er hatte versucht , ihn abzuhalten vom Spiel . Aber das Bürschchen , das dem Alten längst über den Kopf gewachsen war , hatte geantwortet : Der Vater habe ja seine Kümmelpulle ; da möge er ihm gefälligst die Karten lassen . Eines Abends , als Karl in den Kretscham kam , setzte sich Richard wie gewöhnlich zu dem Vetter an den Tisch . Nachdem Karl bereits sein zweites Fläschchen Korn geleert , fragte ihn Richard , ob er Lust habe , ein Viertel Schwein zu gewinnen . Karl begriff zunächst nicht , was jener damit meine . Der Vetter erklärte ihm , im Hinterzimmer säßen zwei fremde Herren , die Lust hätten , ein Spielchen zu machen . Der eine habe eine Gans mitgebracht , der andere ein Paar Magenwürste , er selbst , Richard , wolle ein Viertel von dem eben geschlachteten Schweine setzen ; es fehle ihnen aber der vierte Mann . Wenn Karl nichts anderes bei sich habe , könne er auch Geld setzen ; die Herren würden das schon erlauben . Dann schilderte er die Herrlichkeiten , die man gewinnen könne , ließ Speckseiten und Würste vor den Sinnen des bereits Halbberauschten aufmarschieren . Karl hatte beim Militär hin und wieder Karten in Händen gehabt , seitdem nicht mehr . Aber Richard versprach zu helfen ; sie zwei wollten die beiden anderen tüchtig ausnehmen , raunte er dem Vetter ins Ohr . Der Gedanke an den fetten Einsatz erschien verlockend . Karl taumelte ins Hinterzimmer . Die beiden Fremden saßen bereits da . Über dem ganzen Zimmer , das von einer Hängelampe beleuchtet wurde , schwebte es wie bläulicher Dunst . Karl wußte , daß er betrunken sei . Aber er befand sich in jenem Stadium des Rausches , wo alles selbstverständlich erscheint , wo alle Bedenken leicht wie Rauch verfliegen . » Du wirst diesen Kerlen mal zeigen ! Du wirst ihnen mal zeigen ... « dachte er bei sich . Dann saß er am Tisch , die Faust voll Karten ; das war der Schellenkönig und das die rote Zehne - O , er kannte sie noch ganz genau , die Karten , wußte auch ihre Namen ! - Ihm gegenüber der Fremde hatte einen schwarzen Bart , in den sich auf der einen Gesichtsseite ein dunkelrotes Muttermal verlief . Karl wurde ganz zerstreut durch dieses Abzeichen ; er mußte unausgesetzt darauf starren . » Karle , du bist am Ausspielen ! « mahnte der Vetter . » Gegen solche Karten ist nicht aufzukommen , « sagte der andere Fremde , ein kleiner , bartloser Mann , dessen Kopf wie mit Mehlstaub bestreut erschien . » Das ist also ein Müller ! « dachte Karl . Aber als der Mann seinen Kopf ins Licht vorbeugte , sah man , daß sein Haar von Natur so grau sei . » Herr Büttner hat die Partie gewonnen , « hieß es . Richard zeigte eine Magenwurst vor , die hatte Karl gewonnen . Der lachte vor Vergnügen über das ganze Gesicht . Er hatte es ja gleich gesagt , daß er die Kerle reinlegen würde . » Jetzt woll ' n mer um de Knöppe spielen ! « rief Richard . Der mit dem Muttermale griff in die Tasche und legte eine Handvoll Silber auf den Tisch . Ein gleiches tat der Graukopf . » Ich bin auch versehen , « erklärte Richard Kaschel und klopfte protzig auf seine Tasche . Karl brachte das Ledertäschchen mit dem Stahlbügel hervor . Er lächelte verächtlich . Jetzt sollten die Fremden mal sehen , was er für ein Kerl war ! Mit ungeschickten Fingern holte er die einzelnen Goldstücke heraus . Es waren noch fünfzig Mark ; das übrige war vergeudet . » Noch ' nen Nordhäuser vorher ! « sagte Richard , » den gebe ich . « Er holte aus dem Wandschranke eine Flasche hervor , schenkte die Gläser voll und stellte die Flasche auf den Tisch . Das Spiel begann von neuem . » Der guckt durch a Astloch ! « sagte jemand . Karl lachte über die Bemerkung , weil er die anderen lachen sah . Diesmal hatte er verloren . » Immer glei bezahlen ! Da gibt ' s nich lange Qualen ! « meinte der Gewinner . Fünf Mark , hieß es , habe Karl auszuzahlen . Richard wechselte ihm ein Goldstück gegen Silbergeld ein . Nachdem Karl mehrere Male hintereinander verloren hatte , kam eine Art Besinnung über ihn . Er erhob sich , wollte nichts von weiterem Spielen wissen . Aber Richard ließ ihn nicht fort . » Die lachen iber dich , wenn de weglefst . Bleib ack hier , Karle ! Ich werd ' d ' r schon helfen . Diesmal schmier ' n mer se an ; paß a mal uff ! « Karl ließ sich bereden und blieb . » Noch einen Nordhäuser , meine Herren ? « fragte Richard . »