hatte eine Ausrede flink bei der Hand . Ein paar Reden wurden gewechselt , und mit einer scheuen Frage nach Lieserls Befinden brachte der Andres selbst das Gespräch auf den Weg , um den es der Zaunerin zu tun war . » Geh , du ! Fragen kannst auch noch ! « schmollte sie , als wäre sie dem Andres aus irgendeiner Ursache bitterbös und könnte ihm doch nicht gram sein . Diese dunkle Einleitung brachte den jungen Pointner aus seiner ohnehin recht zweifelhaften Ruhe . » Du ? Was machst denn für Augen ? « » So ? Merkst es ? Wann ich dich net so gern hätt , möcht ich dir am liebsten d ' Ohrwascheln aus ' m Kopf reißen vor lauter Zorn ! Ja , dir ! Mein Madl so schikanieren ! Da hört sich doch alles auf ! « Dem Andres versagte vor Verblüffung die Sprache . Seine klobigen Fäuste zitterten , mit offenem Mund und großen Augen starrte er die Zaunerin an , und Röte und Blässe wechselten auf seinem ungeschlachten Gesicht . » Wie ? Was denn ? Ich hab dem Lieserl kein unguts Wörtl net geben ! Soviel dürsten tut mich nach dem Lieserl ! Allweil lachen mich d ' Leut drum aus ! Und ' s Lieserl is soviel unfreundlich . Allweil sagt ' s mir , daß ihr keiner auf der Welt so zwider wär wie ich . « Andres strich mit den Händen übers Haar und seufzte schwer . » Du ? Zwider ? Dem Lieserl ? « Die Zaunerin stellte den Korb zu Boden und schlug die Hände über dem Kopf zusammen . » Bist denn du mit Blindheit gschlagen ? Da muß ich schon aussi mit der Sprach ! « Nun ging es weiter wie ein klapperndes Mühlwerk . Ohne sich eine Kunstpause zu vergönnen , spielte die Zaunerin ihre strohdumme Komödie zu Ende . Jeder andere wäre stutzig geworden . Aber der Pointner-Andres war blind , trotz seiner scharfen Augen . Er war gewiß kein großes Geisteskind , aber auch nicht dumm - nur eben verliebter als für ihn gesund war . Um die heißen Kohlen in seinem Herzen zur Flamme anzublasen , hätte es gar nicht dieses langen Märchens von der unverstandenen Liebe bedurft , von Lieserls bleichen Wangen und ihren schlaflosen Nächten , von den heißen Tränen , bei denen die Zaunerin ihr armes Kind überraschte , von Lieserls Beichte am Mutterherzen und von ihrem verzeihlichen Groll über den Pointner-Andres , » der halt gar net Ernst macht « . Hätte die Zaunerin statt dieses langen Schwindels nur kurzweg gesagt : » Komm , Andres ! Zum Lieserl ! « - sie hätte die gleiche Wirkung ebenso sicher erzielt , nur um vieles rascher . Der baumschwere Mensch zitterte an allen Gliedern , seine Augen glänzten , und so lange Schritte machte er , daß ihm die Zaunerin kaum zu folgen vermochte . Und wie er den Kopf trug , wie seine schwere Gestalt sich reckte ! Weniger hoffnungsfreudig war das Antlitz der siegreichen Mutter anzusehen ; unruhig huschte ihr Blick nach allen Seiten , und als die Straße erreicht war , guckte sie scheu in die Seebachschlucht hinunter , aus deren Schattentiefe dünne Wasserdünste sich emporkräuselten in die sonnige Morgenluft . Die Beklemmung , von der die Zaunerin befallen war , schien sich einigermaßen zu lösen , als sie vor dem Pointner-Andres das Staketentürchen öffnete . Mit wichtigtuender Geheimniskrämerei führte sie den Burschen ins Haus und ließ ihn in die Stube treten , deren Dielen frisch gescheuert waren und noch feuchte Flecken hatten . Während Andres mit unbehilflicher Verlegenheit immer seine klobigen Hände abstaubte und auf dem Sofa Platz nahm , stolperte das mütterliche Schicksal über die Stiege hinauf . Beim Eintritt in Lieserls Stübchen nickte die Zaunerin befriedigt vor sich hin , als sie die Kammer geordnet und das Mädel auf einem Sessel sitzen sah , zwar blaß wie eine geknickte Lilie , doch zierlich frisiert und mit Sorgfalt gekleidet . » Gut geht ' s , Herzerl ! Er is schon da . « Lieserl schluckte , und ihr farbloses Gesicht verzerrte sich , als hätte man ihr eine gallenbittere Medizin gereicht . » Na , Mutter ! Net um alles in der Welt ! Ich geh net nunter in d ' Stuben ! « Über dieses Hindernis kam die Zaunerin flink hinüber . » So wart a bißl , ich hol ihn auffi ! « Drunten auf der Stubenschwelle brauchte sie nur mit dem Finger zu winken , und der Andres kam . Als er den Flur des oberen Stockes erreichte , sah der im elterlichen Haus an strenge Ordnung gewöhnte Bursch auf den Dielen das Leibchen liegen , für das die Zaunerin kein Auge hatte . Er hob es auf und legte es über das Stiegengeländer . Auf dem Boden blieb ein matter bräunlicher Fleck zurück , als hätte durch lange Zeit ein rostiges Eisen auf dem Brett gelegen . Die Zaunerin klinkte inzwischen die Tür auf und tuschelte schelmisch in das Stübchen : » Lieserl ! Schau , wer da is ! « Kichernd ließ sie den Burschen über die Schwelle . Mit verstörtem Gesicht stand Lieserl an die Mauer gelehnt . » Aber Mutter ! « stotterte sie und schlug den Arm über die Augen . » No also , jetzt red ! « sagte die Zaunerin zum jungen Pointner . Doch Andres stand wie angewurzelt und wußte nicht , was er sagen sollte . » Wenn dir ' s Glück die Red verschlagt , « meinte die Zaunerin , » so mach halt kurzen Prozeß und gib ihr a Bussel , a richtigs ! « Sie versetzte dem Andres einen Puff in den Rücken , und um dem schwerfälligen Freier diesen » kurzen Prozeß « zu erleichtern , ließ sie ihn mit der Braut allein . Draußen an der Tür blieb sie stehen und wollte das Ohr an die Bretter drücken . Da hörte sie das