, tapfere Frau da Alles leiden müssen ! So viele Deiner Lieben begraben ... und jene Schreckenstage auf den böhmischen Schlachtfeldern - « » Ich bedauere nicht , die dortigen Greuel gesehen zu haben - wenigstens kann ich nunmehr mit der ganzen Kraft meiner Seele an Deinen Bestrebungen teilnehmen . « » Wir müssen Deinen - unseren Rudolf dazu erziehen , diese Bestrebungen weiter durchzuführen ; in seiner Zeit wird vielleicht ein sichtbares Ziel am Horizont aufsteigen - in unserer schwerlich . - Wie die Leute auf den Straßen lärmen - die bejubeln doch wieder das neue Jahr , trotz der Leiden , welche ihnen das - ebenso eingejubelte - alte gebracht . O diese vergeßlichen Menschen ! « Schilt sie nicht zu sehr ob dieser Vergeßlichkeit , Friedrich . Mir fängt auch schon an , das vergangene Leid wie traumhaft aus dem Gedächtnis zu entflattern und was ich gegenwärtig empfinde , ist das Glück der Gegenwart , das Glück , Dich zu haben , Einziger ! Ich glaube auch - wir wollen zwar nicht von der Zukunft sprechen - aber ich glaube , wir haben eine schöne Zukunft vor uns ... Einig , liebend , selbständig , reich - wie viel herrliche Genüsse kann uns das Leben noch bieten : wir werden reisen , die Welt kennen lernen , die so schöne Welt ... Schön , solange Frieden herrscht , und der kann jetzt viele , viele Jahre ausdauern ... Sollte doch wieder Krieg ausbrechen , so bist Du nicht mehr daran beteiligt ... auch Rudolf ist nicht bedroht , da er nicht Soldat werden soll « ... » Wenn aber , wie Minister Allerdings berichtet , jeder Mensch wehrpflichtig sein wird - « » Ach , Unsinn . - Was ich also sagen wollte : wir reisen , wir ziehen uns in Rudolf einen Mustermenschen auf , wir verfolgen unser edles Ziel der Friedenspropaganda , und wir - wir lieben uns ! « » O Du mein holdes Weib ! « ... Er zog mich an sich und küßte mich auf den Mund . Es war das erste Mal , nach all der Trennungs- , Schreckens- und Trauerzeit , daß sich der milden Zärtlichkeit seiner Liebkosungen wieder eine Flamme beimischte - eine Flamme , die mich mit süßer Glut umloderte . Vergessen war Krieg , Cholera , Allerseelen in dieser seligen Sylvesternacht und - - unser am 1. Oktober 1867 geborenes Töchterchen haben wir Sylvia getauft . Der Fasching desselben Jahres brachte wieder Bälle und Vergnügungen aller Art. Natürlich nicht für uns - meine Trauer hielt mich von allen solchen Dingen fern . Was mich aber wunderte , war , daß nicht die ganze Gesellschaft solchen rauschenden Treiben entsagte . Es mußte doch beinah in jeder Familie ein Verlustfall vorgekommen sein ; aber , wie es scheint , man setzte sich darüber hinaus . Zwar blieben einige Häuser geschlossen , namentlich in der Aristokratie , aber an Tanzgelegenheiten fehlte es der Jugend nicht und natürlich waren die beliebtesten Tänzer Diejenigen , welche von den italienischen oder böhmischen Schlachtfeldern heimgekehrt ; und am meisten gefeiert wurden die Marineoffiziere - namentlich die Mitkämpfer bei Lissa . In Tegethoff , den jugendlichen Admiral ( wie nach dem Feldzug von Schleswig-Holstein in den schönen General Gablenz ) war die halbe Damenwelt verliebt . » Custozza « und » Lissa « , das waren überhaupt die beiden Trümpfe , welche in jedem Gespräch über den abgelaufenen Krieg ausgespielt wurden . Daneben Zündnadelgewehr und Landwehr - zwei Institutionen , welche schleunigst eingeführt werden sollten und künftige Siege waren uns verbürgt . Siege - wann und gegen wen ? Darüber sprach man sich nicht aus ; aber der Revanchegedanke , der jede verlorene Partie - wenn es auch nur eine Kartenpartie ist - zu begleiten pflegt , der schwebte über allen Kundgebungen der Politiker . Wenn wir auch selber nicht wieder gegen Preußen losziehen würden , vielleicht würden es Andere auf sich nehmen , uns zu rächen . Allem Anschein nach wollte Frankreich mit unseren Überwindern anbinden und da könnte ihnen so manches heimgezahlt werden - das Ding hatte in diplomatischen Kreisen sogar schon einen Namen ; » La revanche de Sadowa « . So teilte uns Minister Allerdings befriedigt mit . Es war zu Anfang des Frühjahrs , daß wieder so ein gewisser » schwarzer Punkt « am Horizont aufstieg - eine sogenannte » Frage « . Auch die Nachrichten von französischen Rüstungen verschafften den Konjektural-Politikern das so beliebte » Krieg in Sicht « . Die Frage hieß diesmal die Luxemburger . Luxemburg ? Was war denn das wieder so weltwichtiges ? Da mußte ich erst wieder Studien anstellen , wie einst über Schleswig-Holstein . Mir war der Name eigentlich nur aus Suppés » Flotte Burschen « geläufig , worin bekanntlich ein » Graf von Luxemburg sein ganzes Geld verputzt , putzt , putzt ... « Das Ergebnis meiner Forschungen war folgendes : Luxemburg gehörte nach den Verträgen von 1814 und 1816 ( ah , da haben wir ' s : Verträge - da läßt sich schon ein Völkerprozeß daraus ableiten - eine hübsche Einrichtung , diese Verträge ) - gehörte laut Vertrag dem König der Niederlande und zugleich dem deutschen Bunde . Preußen hatte in der Hauptstadt das Besatzungsrecht . Nun hatte aber Preußen im Juni 1866 seine Teilnahme am alten Bund gekündigt , wie sollte es jetzt mit dem Besatzungsrecht gehalten werden ? Da war sie , die Frage . Der prager Frieden hatte ja ein neues System in Deutschland eingesetzt und mit diesem war die Zusammengehörigkeit mit Luxemburg aufgehoben - warum behielten dann die Preußen ihr Besatzungsrecht ? » Allerdings « - das war verwickelt und konnte am vorteilhaftesten und gerechtesten durch Abschlachtung neuer Hunderttausende geschlichtet werden - das muß doch jeder » einsichtige « Politiker zugeben . Dem holländischen Volke hat niemals etwas an dem Besitz des Großherzogtums gelegen ; auch dem König Wilhelm III. lag nichts daran , und er hätte es gern für eine Summe in seine Privatkasse