Neffe hatte die Thür bereits hinter sich geschlossen . Die Knaben legten ihre Hüte ab und sahen sich fragend an : sollten sie zu Papa hinein , oder sich still auf ihr Zimmer zurückziehen ? » Ich will Papa begrüßen , « entschied Hermann ; » Du kannst hinter gehn . « » Bitte , einen Augenblick , mein lieber Neffe , « sagte der Kommerzienrat weich , denn die sentimentale Stimmung hatte den ganzen Abend vorgehalten , » Du brauchst keine Entschuldigungen für Deinen Besuch und keine Vorreden , ich bin ganz allein und stehe Dir zu Diensten ... Guten Abend , Hermann ! Habt Ihr einen guten Spaziergang gemacht . Wo ist die Mama ? « » Ich bin allein gekommen mit Franz . Mama hat uns unterwegs plötzlich heimgeschickt . Sie ist mit Eugen weiter gegangen , wohin , weiß ich nicht . « » Heimgeschickt ? Allein weitergegangen ? Erzähl ' ! « » Sonst ist nichts zu erzählen . Ich weiß nur , daß Mama den Franz geschlagen hat ; er sei unartig gewesen , sagte sie , und dann hieß sie uns sofort heimgehen . « » Geschlagen ? « fragte der Kommerzienrat gedehnt und mit eurem Gesicht , als habe er falsch verstanden . » Geschlagen sagst Du ? Wirklich geschlagen ? « Der Neffe hatte voll angenehmster Überraschung diese Meldung gehört , sich dann geräuspert und in die Unterredung gemischt : » Erzähl ' nur , Hermann , verschweige nichts ! « » Ich weiß weiter nichts . Übrigens geht das nur Papa und uns an . « » Recht , mein Sohn . Franz soll nachher , hereinkommen ! « » Gewiß , « sagte der Modephotograph , » ich will mich in diese Kindergeschichten auch gar nicht eindrängen , aber sie können die Sache bestens beleuchten helfen , die ich Dir vortragen muß , verehrter Onkel . Ich werde mich kurz fassen . Ich habe nur wenig Zeit ... « Hermann war hinausgegangen mit der festen Miene eines Zeugen , der seine Schuldigkeit gethan . » Geschlagen ? « quackte der Kommerzienrat wiederholt und behielt den Mund offen . » Begreifst Du das , Neffe ? Ich kenne meine Frau nicht mehr . « » Das stimmt . Ich kenne sie um so besser und will sie Dich mit zwei Worten kennen lehren , denn es ist allerhöchste Zeit , daß Du erfährst , Onkel , was die ganze Stadt schon längst weiß und was jetzt die Spatzen von den Dächern der Quaistraße pfeifen . « » Schweig ' ! Keine Verleumdungen , keine Skandalgeschichten ... Davon will ich nichts hören ... « » Skandalgeschichten wohl , aber keine Verleumdungen , nur die pure Wahrheit , Onkel , hab ' ich Dir zu melden . « » Die Wahrheit der Kloake . Wer kennt die nicht ? Dort ist der Spucknapf , wenn Du ein Bedürfnis hast . Ich verstehe vieles nicht an meinem Weibe , aber das ist kein Grund , daß ich sie vom ersten besten begeifern lasse . Das mit dem Franz wird sich aufklären . Hast Du sonst noch Schmerzen ? « Etwas pikiert fuhr der Neffe fort : » Ich hab ' Dich seither für einen Mann von Ehre gehalten - - o , bitte , ich halte Dich noch dafür ! « Die Männer fixierten sich ... Unangemeldet war Gusti hereingetreten , eine Lampe in der Hand . » Was willst Du ? « schrie sie der Kommerzienrat an . » Verzeihung , gnädiger Herr , jene Lampe hat nicht genug Öl , ich will diese dafür hinstellen . « » Scher ' Dich zum Teufel , Du kluge Jungfer ! Ist Dir das Schlüsselloch zum Horchen nicht groß genug ? Hol ' mir den Franz herein ! « Franz erschien . Er strich verlegen mit der Hand durch sein Kraushaar . » Also , wie war ' s ? « Der Knabe wurde bald bleich , bald rot . Daß auch der unbeliebte Vetter da sein mußte ! » Ich , habe zum Spaß deklamiert , auf einem Baum , da hat die Mama zornig nach mir geschlagen mit dem Sonnenschirm ... Dann hat sie mich fortgejagt ... « » Und sie ist mit Eugen weitergegangen ? « » Ja . Hermann hat sie noch mit einem Herrn auf der Brücke stehen sehen . « » Mit was für einem Herrn ? « » Das weiß ich nicht . Hermann hat ihn auch nicht erkannt . Es war zu weit und schon dunkel . « » Geh ' ! « Franz ging . Er fühlte sich erleichtert , daß das Verhör so gut abgelaufen war . Der Neffe : » Arme Kinder ! « » Was soll das heißen ? « » Du wirst mir erlauben , Onkel Kommerzienrat , daß ich mir ein Bild von dem Vorgang mache . Deine Frau hatte , gleichgültig , ob zufällig oder verabredet , in der Dämmerung wieder einmal eine Zusammenkunft mit einem Herrn . Ohne Zweifel mit Drillinger . Um keine verständigen Zeugen zu haben , entledigte sie sich der älteren Knaben , selbst um den Preis einer Mißhandlung . Eine Stiefmutter - und eine Kurtisane ! Es ist dunkle Nacht - und sie ist noch nicht daheim . « Der Kommerzienrat schrie auf und drohte dem Sprecher mit der geballten Faust . Mit kaltem Hohn , unbekümmert um die Drohung , fuhr der Neffe fort : » Ich bin leider nicht so naiv , von der Geliebten eines Drillinger etwas anderes zu erwarten . Du freilich , eine so glückliche Natur ! Es würde Dir nur eine lustige Viertelstunde bereiten , wenn Du sie einmal zusammen im Bett überraschtest , so à la Venus und Mars . Du würdest Dir die pikante Szene vielleicht von Kropfhey oder Schnürle noch malen lassen und in Deiner Gallerie aufhängen ... Andere Leute haben nicht so viel Kunstsinn , dafür etwas mehr Sittlichkeit . Und diese andern Leute