. Der Strandvogt , ein wetterbrauner , tüchtiger Kapitän von der holländischen Marine , ließ ein großes , mit zehn Malaien bemanntes Boot auslaufen , um uns Hilfe zu bringen und uns zugleich als Lotsen zu dienen . Es gab noch einen harten Kampf mit den empörten Wellen , der Junge wurde über Bord gespült und konnte erst nach lange Anstrengung wieder aufgefischt werden , aber dennoch brachten uns die braven Seeleute schließlich wohlbehalten ans Ufer . - Ich sage dir , es war wie im Paradies , Bob , als wir endlich festen Boden unter unseren Füßen fühlten , als wir warme Speise bekamen und uns zum Schlaf so bequem wie möglich ausstrecken durften . Die schlechten hölzernen Häuser , die halbwilden Malaien , die harten Schlafstellen aus Seegras und Wolldecken , alles erschien uns wunderbar , berauschte uns förmlich . Wir tanzten und jubelten wie Kinder am Weihnachtsabend . Der Strandvogt behielt uns acht Tage lang in seinem gastfreundlichen Hause , dann ließ er unser Boot ausrüsten und mit Lebensmitteln versorgen , und nach einem herzlichen , dankerfüllten Abschied ging es wieder auf die Reise , um längs der Küste über mehrere kleine Fischerdörfer nach dem bedeutenderen Hafen von Padang zu kommen . Vorher jedoch hatten wir noch eine Szene zu bestehen , die uns allen ins Herz schnitt . Die alte Dame war durch das erlebte schreckliche Unglück vollkommen stumpfsinnig geworden , sie ließ sich aus dem Boot und in das Haus des Strandvogtes tragen , ohne von ihrer Umgebung irgendwelche Notiz zu nehmen , doch als wir an Bord gingen und ich sie sorgfältig an ihren gewohnten Platz setzen wollte , da schien eine Erinnerung des Überstandenen in dem gestörten Gehirn wieder aufzuleben . Sie sträubte sich wie in Todesangst , klammerte sich mit beiden Händen an die Türpfosten und zitterte wie ein erschrecktes Kind . Wir konnten es kaum mit ansehen , mußten aber doch freundliche Gewalt brauchen , denn in Plangei gab es weder zu Wasser noch zu Lande ein Beförderungsmittel nach anderen Hafenplätzen , während Roland trotzdem verpflichtet war , die beiden geretteten Passagiere des verbrannten Schiffes an das Bremer Konsulat abzuliefern und zu Protokoll zu geben , was im Boot geschehen war , seit es das untergehende Schiff verlassen hatte . Von den drei kleinen Booten , die mit uns zugleich abstießen , hatten wir , wie ich zu erzählen vergaß , nie etwas wiedergesehen . « Robert hatte der Schilderung des Alten gespannt zugehört . » Und ihr erfuhrt auch später nichts , Mongo ? « fragte er teilnehmend bei den letzten Worten . » Doch ! « nickte der Neger . » Ein aus der Sundastraße kommendes Schiff hat die vier treibenden , gekenterten Boote aufgefischt und eingeliefert . Sie trugen alle den Namen Susanna , erwiesen sich also dadurch als die zu der verbrannten Bark gehörigen kleinen Rettungsboote , - aber von den Insassen war keiner am Leben geblieben . Gottes Wege sind unerforschlich , Bob . So viele junge Menschen gingen mit dem Schiff in wenigen Stunden unter , und zwei Menschen , die dem Tode schon verfallen waren , kamen mit dem Leben davon . Wir brachten die geistesgestörte alte Frau und den kranken Mann wohlbehalten nach Padang , wo sie der Konsul in Empfang nahm und mit dem nächsten Dampfer nach Hause schickte . Wir Seeleute erhielten die Heuer ausbezahlt , man , sammelte für uns und tat alles Mögliche , um uns die Leiden dieser schrecklichen Reise vergessen zu lassen , dennoch aber wird mir jede Einzelheit der Fahrt ewig im Gedächtnis bleiben . Was wir während dieser Wochen ertrugen , das spottet aller Schilderung und läßt sich furchtbarer nicht denken . « Robert zog seine Decke über die Schultern herauf . » Ich glaube es dir , Mongo « , nickte er . » Die Tatlosigkeit , die enge Gefangenschaft auf so kleinem Raum muß ganz entsetzlich gewesen sein . Ich wäre gewiß - - « » Nun ? « fragte nach einer Pause der Alte . » Nichts , Mongo . Gute Nacht ! « » Gute Nacht , mein Junge . « Die beiden schliefen Seite an Seite unter den warmen Rentierfellen , bis am nächsten Morgen das gewohnte Zeichen , eine Art Kuhhorn , mit seinen melancholischen Brummtönen zur Weiterreise mahnte . Und wieder ging es über Berge und Täler , mit jedem neuen Sonnentag entfaltete sich alles ringsumher zum Erwachen , zum Leben . Der Boden verlor die Felsbildung , der Wind hörte auf , Kälte und Regen mit sich zu führen , überall begann es zu grünen und zu blühen , und der Baumbestand nahm immer mehr zu . Es gab jetzt schon Kiefern , Birken und schlanke Tannen , sogar einige kleine Eichen , es wurde wärmer , und dann kam endlich der Tag , an dem man bei dem großen Lappenlager am Fuße des Kilpis angelangt war . Der Maalself stürzte von einem hohen , stumpfen Kegel mit donnerndem Rauschen in sein steinernes Bett herab , die Abhänge des himmelhohen Felsens erhoben sich kantig und zackig fast bis zu den Wolken empor , und hohe Bäume ragten im Schmuck des jungen Grün aus dem tiefen Tal herauf . Hier war jeder Meter Boden fruchtbarstes Ackerland , hier gab es weite Rasenflächen , und überall weideten Rentiere , deren ausgedehnten Futterplatz man sorgfältig eingefriedet hatte . In der Nähe des Wasserfalles , an einer besonders geschützten Stelle , lagen die Wohngebäude , die Stall-und Arbeitsräume der Lappen , alles nur riesige Zelte , mit vier Stämmen in der Erde befestigt und durch Pflöcke gehalten , aber mit geteertem oder geöltem Segeltuch bespannt und gut eingerichtet . Während bei dem wandernden Stamm überall die bitterste , trostlose Armut zutage trat , herrschte hier bei den reicheren Verwandten offensichtlicher Wohlstand , der sich besonders in der Kleidung ausprägte . Statt der rohen , ungeschlachten Säcke aus Fellen trugen diese Hirten und Hirtinnen die Tracht der weißen Kolonisten , nämlich die