Picus : die Sajonen säuberten die Stelle , hoben die breitesten der Steine zurecht und lehnten links und rechts zwei der viereckigen Platten an den Stamm der Eiche , so daß ein stattlicher Richterstuhl dadurch gebildet ward . Und so hielt , von dem Altar des altitalischen Wald- und Hirtengottes herab , der Gotengraf Gericht . Andere Sajonen warfen einen blauen weitfaltigen Wollmantel mit breitem , weißem Kragen über Hildebrands Schultern , gaben ihm den oben gekrümmten Eschenstab in die Hand und hingen links zu seinen Häupten einen blanken Stahlschild an die Zweige der Eiche . Dann stellten sie sich in zwei Reihen zu seiner Rechten und Linken auf : der Alte schlug mit dem Stab auf den Schild , daß er hell erklang , dann setzte er sich , das Antlitz gegen Osten und sprach : » Ich gebiete Stille , Bann und Frieden ! Ich gebiete Recht und verbiete Unrecht , Hastmut und Scheltwort und Waffenzücken , und alles , was den Dingfrieden kränken mag . Und ich frage hier : ist es an Jahr und Tag , an Weil ' und Stunde , an Ort und Stätte , zu halten ein frei Gericht gotischer Männer ? « Da traten die nächststehenden Goten heran und sprachen im Chor : » Hier ist rechter Ort , unter hohem Himmel , unter rauschender Eiche , hier ist rechte Tageszeit , bei klimmender Sonne , auf schwertgewonnenem gotischem Erdgrund , zu halten ein frei Gericht gotischer Männer . « » Wohlan , « fuhr der alte Hildebrand fort , » wir sind versammelt , zu richten zweierlei Klage : Mordklage wider Gothelindis , die Königin , und schwere Rüge wegen Feigheit und Saumsal in dieser Zeit hoher Gefahr wider Theodahad , unsern König . Ich frage ... - « Da ward seine Rede unterbrochen durch lauten , schallenden Hornruf , der von Westen her näher und näher drang . Dreizehntes Kapitel . Erstaunt sahen die Goten um und erblickten einen Zug von Reitern , welche die Hügel herab gegen die Gerichtsstätte eilten . Die Sonne fiel grell blendend auf die waffenblitzenden Gestalten , daß sie nicht erkenntlich waren , obwohl sie in Eile nahten . Da richtete sich der alte Hildebrand hoch auf in seinem erhöhten Sitz , hielt die Hand vor die falkenscharfen Augen und rief sogleich : » Das sind gotische Waffen ! - Die wallende Fahne trägt als Bild die Wage : - das ist das Hauszeichen des Grafen Witichis ! Und dort ist er selbst ! An der Spitze des Zugs . Und an seiner Linken die hohe Gestalt , das ist der starke Hildebad ! Was führt die Feldherrn zurück ? ihre Scharen sollten schon weit auf dem Weg nach Gallien und Dalmatien sein ! « Ein Brausen von fragenden , staunenden , grüßenden Stimmen erfolgte . Indes waren die Reiter heran und sprangen von den dampfenden Rossen . Mit Jubel empfangen , schritten die Führer , Witichis und Hildebad , durch die Menge den Hügel heran , bis zu Hildebrands Richterstuhl . » Wie ? « rief Hildebad noch atemlos , » ihr sitzt hier und haltet Gericht , wie im tiefsten Frieden : und der Feind , Belisar , ist gelandet ! « » Wir wissen es , « sprach Hildebrand ruhig , » und wollten mit dem König beraten , wie ihm zu wehren sei . « » Mit dem König ! « lachte Hildebad bitter . » Er ist nicht hier , « sagte Witichis umblickend , » das verstärkt unsern Verdacht . Wir kehrten um , weil wir Grund zu schwerem Argwohn erhielten . Aber davon später ! fahrt fort , wo ihr haltet . Alles nach Recht und Ordnung ! still , Freund ! « Und den ungeduldigen Hildebad zurückdrängend , stellte er sich bescheiden zur Linken des Richterstuhles in die Reihe der andern . Nachdem es wieder stiller geworden , fuhr der Alte fort : » Gothelindis , unsre Königin , ist verklagt wegen Mordes an Amalaswintha , der Tochter Theoderichs . Ich frage : sind wir Gericht zu richten solche Klage ? « Der alte Haduswinth , gestützt auf seine lange Keule , trat vor und sprach : » Rot sind die Schnüre dieser Malstätte . Beim Volksgericht ist das Recht über roten Blutfrevel , über warmes Leben und kalten Tod . Wenn ' s anders geübt ward in letzten Zeiten , so war das Gewalt , nicht Recht . Wir sind Gericht , zu richten solche Klage . « » In allem Volk , « fuhr Hildebrand fort , » geht wider Gothelindis schwerer Vorwurf : im stillen Herzen verklagen wir alle sie darob . Wer aber will hier , im offnen Volksgericht , mit lautem Wort , sie dieses Mordes zeihen ? « » Ich ! « sprach eine helle Stimme : und ein schöner , junger Gote , in glänzenden Waffen , trat von rechts vor den Richter , die rechte Hand auf die Brust legend . Ein Murmeln des Wohlgefallens drang durch die Reihen : » Er liebt die schöne Mataswintha ! « - » Er ist der Bruder des Herzogs Guntharis von Tuscien , der Florentia besetzt hält . « - » Er freit um sie ! « - » Als Rächer ihrer Mutter tritt er auf ! « » Ich , Graf Arahad von Asta , des Aramuth Sohn , aus der Wölsungen Edelgeschlecht , « fuhr der junge Gote mit einem anmutigen Erröten fort . » Zwar bin ich nicht versippt mit der Getöteten : allein die Männer ihrer Sippe , Theodahad voran , ihr Vetter und ihr König , erfüllen nicht die Pflicht der Blutrache ; ist er doch selbst des Mordes Helfer und Hehler . So klag ' ich denn , ein freier unbescholtner Gote edeln Stammes , ein Freund der unseligen Fürstin , an Mataswinthens , ihrer Tochter , Statt . Ich klag ' um Mord ! Ich klag ' auf Blut ! « Und unter lautem Beifall