ritt am Nachmittage , als er den Bau in allen seinen Theilen besichtigt , nach Richten hinüber . Es war eine sehr quälende Empfindung , mit welcher er das Schloß betrat . Man sagte ihm , daß Besuch im Hause sei ; er ließ sich melden , wurde angenommen , und heiter und zutraulich wie in den besten Tagen kam der Freiherr ihm entgegen . Er hatte ein paar Edelleute bei sich , denen er Herbert als einen sehr verdienten jungen Künstler vorstellte , als den Sohn eines Freundes , an dem er also doppelt Theil nehme . Der Freiherr legte dabei jene bequemen weltmännischen Manieren an den Tag , die ihn so vortrefflich kleideten , aber sie machten auf Herbert nicht mehr den wohlthuenden Eindruck wie sonst , sie beleidigten ihn vielmehr . Er fühlte , daß diese liebenswürdige Herablassung nur eine Schaustellung sei , in welcher der Freiherr sich vor seinen Gästen gefiel , und er sagte sich , daß er ihn selbst mit seiner Freundlichkeit beleidige , da er , indem er sich es erlaube , ihn nach seiner jedesmaligen Neigung zu behandeln , das Rechtsverhältniß zwischen ihnen aufhebe , nach welchem jeder rechtschaffene Mensch von den Personen , mit denen er verkehrt , vor allen Dingen die ihm gebührende gleichmäßige Behandlung zu verlangen habe . Der Freiherr führte Herbert darauf in sein Arbeits-Cabinet , das Geschäftliche wurde mit gewohnter Leichtigkeit behandelt , es war auch gelegentlich von dem Baue des Pavillons oder Tempels wieder die Rede , und Herbert , der jetzt eben so viel Scheu davor trug , der Baronin zu begegnen , als er in früheren Tagen Verlangen gehegt , sie in dieses Zimmer treten zu sehen , wußte den Gang der Verhandlungen noch zu beschleunigen . Mehrmals glaubte er jenes Rauschen eines seidenen Kleides zu vernehmen , welches ihm sonst das Herz bewegt hatte . Aber Niemand erschien ; und als er auf des Freiherrn Worte , daß er ihn morgen wiederzusehen hoffe , daß er ihn morgen zur Mittagstafel erwarte , nothwendige Geschäfte vorgab , die ihn in der nächsten Frühe abzureisen nöthigten , nahm Jener das an , ohne ihm für den gegenwärtigen Tag eine Einladung zu machen , und entließ ihn freundlich , aber eilig . Es ward Herbert erst wieder frei ums Herz , als er das Portal des Schlosses hinter sich hatte und als er , durch den kalten , windigen Nachmittag den wohlbekannten Weg nach Rothenfeld zurückreitend , die Rauchsäule aus dem breiten Schornstein des Amthauses über die dasselbe umgebenden Bäume emporwirbeln sah . Die Sonne war im Untergehen , als er den Hof erreichte . Einer der Knechte nahm ihm das Pferd ab . Als er zu ebener Erde in die bereits geheizte Stube trat , fand er sie leer . Er setzte sich an das Fenster , in welches die helle Gluth des Abendrothes hineinstrahlte . Draußen fuhr ein vierspänniger Wagen , mit einem gewaltigen Eichenstamme beladen , langsam in den Hof , während die letzten Schläge der Dreschenden auf der Tenne verklangen , und die Krähen in wählerisch kreisendem Fluge ihr Nachtquartier auf den Dächern der Scheunen und Ställe aufsuchten . Er sah , wie man die Pferde von dem Wagen abspannte , wie man sie in die Ställe führte , wie die Thüren der Scheunen geschlossen wurden , wie die Arbeiter einer nach dem andern sich entfernten und wie die Gluth und Farbenpracht des Himmels erloschen , und in die Dämmerung versanken . Das milde Zwielicht , die Wärme des Zimmers , das bekannte Ticken der alten Uhr , das vom Flur hereintönte , waren ihm äußerst angenehm . Er wußte , daß seines Bleibens auch hier nicht sei , aber er fühlte seinen aufgeregten Sinn von dieser Umgebung , in welcher Alles von der ruhigen Dauer eingewohnter Zustände Kunde gab , angenehm besänftigt . Was denken Sie ? fragte ihn Eva , als sie , das große Schlüsselbund am Gürtel , in das Zimmer trat und in der Nähe des Ofens die Hände gegen einander rieb , die ihr beim Schaffen in Küche und Kammer kalt geworden waren . Ich denke , wie heimisch ich hier bin ! Heimisch ? wiederholte sie ; und das fällt Ihnen heute ein , da Sie eben so lange von uns fort gewesen sind ? Ja , eben deßhalb , denn es ist mir , als sei ich endlich wieder nach Hause gekommen ! Ich bin so gern hier ! Er sagte das ohne jede Galanterie , und sie nahm es eben so einfach auf , ohne sich in ihrer häuslichen Thätigkeit stören zu lassen . Sie langte einen Fruchtkorb aus dem großen Glasschranke herunter , füllte ihn mit den frischduftenden Aepfeln und Pflaumen , welche eine Magd ihr zutrug , zündete darauf die Lichter an und setzte sich Herbert gegenüber an das Fenster . Sind Sie mit meinem Bruder zufrieden ? fragte sie nach einer Weile . Er hat arbeiten lassen , so viel er irgend konnte , und mir scheint auch , als wäre man im Innern mit dem Baue tüchtig vorwärts gekommen . Waren Sie dort , liebe Eva ? Ja , alle Tage , versetzte sie , und ich habe den Bruder recht darum gequält , daß er hübsch viel Leute anstellen sollte , fügte sie hinzu ; aber Sie glauben gar nicht , wie er von allen Ecken und Enden geplagt wird . Sie gönnen ihm jetzt keine Stunde Ruhe , und es wäre bald nöthig , daß er und ich Alles mit eigenen Händen thäten . Denn wo ein Knecht oder eine Magd nur irgend anstellig ist , da werden sie jetzt zur Aushülfe aufs Schloß und zu den neuen Anlagen in den Treibhäusern befohlen , und alles Andere mag sehen , wie es fertig wird . Auch nach Ihnen haben sie in den letzten Wochen schon einige Male gefragt ! Der Freiherr wußte ja , bedeutete der Architekt , daß ich vor Ende dieses Monates nicht zu kommen brauchte