blieb Hans nichts übrig , als sich im Namen der Base Schlotterbeck und des Oheims Grünebaum zu bedanken . Die Sache hatte nichts Lächerliches und Possenhaftes an sich ; - der Kandidat Unwirrsch sprach seinen Dank für die Ehre mit Tränen in den Augen aus . » Na , Sie rücken sehr auf Ihrem Stuhle , junger Mann « , sagte der einarmige Hauptmann von der Wütenden Neiße . » Es wäre auch unrecht , Sie hier festhalten zu wollen ; machen Sie , daß Sie fortkommen , und gehen Sie nach Grunzenow . Der Mensch kann gesund von manchem Schlachtfeld marschieren , und wenn er ein gut , treu Angedenken für die behält , welche darauf verfaulen müssen , so wird ' s ihm niemand übelnehmen , wenn er daneben an das kommende Quartier denkt , ob ' s trocken , behaglich und wohlverproviantiert sein wird . Bestes Glück für die Zukunft , Herr Kandidate , marschieren Sie auf Grunzenow und grüßen Sie die beiden alten Kameraden , Schwerenöter und Neuntöter dort : wir wären alleweile noch auf dem Zweig ; aber der Kamerad Öchsler sei weggeblasen worden und wir hätten ihm vorgestern das Geleit gegeben . « Um den Tisch ging Hans , und jeder Neuntöter schüttelte ihm die Hand . Lämmert gab ihm das Geleit bis zur Haustür , nachdem er ihm eigenhändig in den Überrock geholfen hatte . » Es ist mich eine kuriose Ehre , Herr Pastore « , sagte er . » Ich werde mich freuen , Sie bei Kräften und bei besserer Witterung wiederzusehen . Meine gehorsamste Empfehlung an den Herrn Leutnant und den Herrn Oberst . « Auch dem Herrn Wirt zum Grünen Baum drückte Hans die Hand und merkte erst zu Hause , welch ein schwerer Gegenstand ihm unterwegs fortwährend gegen die Schenkel geschlagen hatte . Eine wohlverpichte Flasche alten Rums war ' s , gewickelt in einen Bogen weißen Papiers mit dem Vermerk von Lämmerts Hand : Zur Erquicklichkeit und Tröstung unterwegens ! Nach Grunzenow ! Nach Grunzenow ! Alle Ermattung war verschwunden , alle Steifheit aus den Gliedern gewichen . Mit weiten Schritten durchmaß Hans Unwirrsch beim Schimmer der schwebenden Kugel sein Gemach und überlegte . Der Gedanke , mit dem Leutnant Rudolf Götz über das Fränzchen und über das Haus des Geheimen Rates zu reden , stand so hell in seiner Seele , daß alles übrige davor mehr oder weniger in die Dunkelheit zurückwich . Ja , das war das Rechte : Nach Grunzenow , nach Grunzenow zu dem Leutnant Rudolf ! Dort war Rat und Hülfe ; von dort aus mußten sich alle diese Wirrnisse lösen . So leicht ums Herz wie in dieser Stunde war ' s dem Hungerpastor lange nicht gewesen ! Noch an demselben Abend wurde die taube Wirtin von der neuen Reise in Kenntnis gesetzt , und sie legte eine schickliche Verwunderung darob an den Tag . Hans Unwirrsch suchte von neuem sein Reisegepäck zusammen , und am folgenden Tage um Mittag folgte er bereits dem Rufe des Leutnants Rudolf Götz , nachdem er noch einen vergeblichen Versuch gemacht hatte , den Geheimen Rat Theodor Götz zu sprechen . Schnöde wurde er von Jean , dem Bedienten , abgewiesen , unter dem Vorgeben , der Herr sei nicht zu Hause . Die Karte , die er zurückließ , gelangte ebenfalls nicht an den Ort ihrer Bestimmung , Jean steckte sie aus alter Anhänglichkeit an den frühern Hauslehrer an den Spiegel in seiner eigenen Kammer , wo sie neben einer Pfauenfeder sechs neben schönen Liedern , gedruckt in diesem Jahr , und einem Billetdoux der Köchin ein verfehltes Dasein fristete . Nordostwärts lag diesmal der Weg des Kandidaten Unwirrsch , und mit welcher Hast sich auch die Räder des Dampfwagens drehen mochten , sie rissen den hungrigen Hans doch nicht schnell genug vorwärts . Er sehnte sich allzusehr nach Grunzenow und dem alten gichtbrüchigen » Bettelleutnant « , der dort dem Oberst von Bullau » auf der Tasche lag « . Seiner diesmaligen Reisegesellschaft wußte er sich später in keiner Weise zu entsinnen ; nur das wußte er , daß sich die Leute mit dem Titi und dem Klapperschlangenkasten nicht darunter befanden und daß er den mürrischen Herrn von damals fast herbeiwünschte als Dämpfer seiner Aufregung . Was hatte er alles dem Leutnant zu berichten ? Was konnte der Leutnant zu diesem und jenem sagen ? Wie mochte der Leutnant über sein Verhalten im Hause des Geheimen Rates denken ? Und dazwischen fuhren dann wieder die Gedanken an die beiden Särge und Gräber zu Neustadt , an den schweren Schlüssel , den er auf dem Kirchhof in der Hand gehalten hatte , an das alte Haus in der Kröppelstraße das nun einem andern gehörte , trotzdem daß er darin geboren und daß seine ganze Verwandtschaft darin gestorben war . Wahrlich , die Gedanken wirbelten schneller im Kreis , als sich die Räder um ihre Achse drehen konnten . Weder Kälte noch Hunger fühlte Hans auf dieser Fahrt , und die erquickliche und tröstliche Flasche des wackern Wirtes zum Grünen Baum hatte er in der Grinsegasse vergessen , ohne mehr an sie zu denken als an das Manuskript des Buches vom Hunger . Wohl aber dachte er viel an jenen Abend im Posthorn zu Windheim , wo er den Leutnant Götz und das Fränzchen zum erstenmal in seinem Leben sah . Dann auch an die betrübten Tage in Kohlenau und jenen Tag , an dem er im Fichtengehölz saß , auf das gute Glück wartete und den Herrn Leutnant um die Waldecke traben sah . An jene Wanderung nach der großen Stadt dachte er , jene Wanderung , während welcher er zuerst ausführlich die Geschichte der drei Bruder Götz und des Fränzchens vernahm . Als die neue Nacht kam und die vor den Fenstern des Wagens vorübergleitende Landschaft sich den Blicken entzog , dachte er an jenen Hügel , auf dem er mit dem Leutnant Rudolf stand und bänglich hinabsah auf das feurige Leuchten und