Hand nicht von der der Griechin , wehmütiger Dank durchwogte sein ausgestürmt Herz . Da schmiegte sich ihre Wange an die seine , auf seinen Lippen zitterte ein Kuß , eine Träne perlte drauf nieder . Sanft wand sich Praxedis von ihm . » Vergesset nicht « , sprach sie , » daß Ihr noch eine Geschichte schuldig seid . Mög ' Euch Gott bald wieder zu diesem Gartenplatz geleiten , daß wir sie aus Eurem Munde vernehmen . « Jetzt ließ sich Ekkehard nieder ; noch einmal winkte er mit der Hand , dann schwand er aus ihren Augen . Die Stille der Nacht unterbrach ein Dröhnen und Klingen am Gefelse , die Griechin schaute hinab : eine Felsplatte hatte sich losgelöst und stürzte schmetternd zu Tal , eine zweite folgte langsameren Falles , oben auf der zweiten saß Ekkehard und lenkte sie wie ein Reiter sein Roß , so ging ' s den schiefen Verghang hinunter ins Dunkel der Nacht ... Fahr wohl ! Sie bekreuzte sich und ging zurück , lächelnd in aller Betrübnis . Der Klosterbruder schlief noch immer . Im Vorbeigehen sah Praxedis den Aschenkorb im Hofe stehen , den griff sie , schlich in Ekkehards Verlies und schüttete ihn inmitten des Gemaches aus , als wäre das alles , was von des Gefangenen sterblichem Teil übriggeblieben . » Warum schnarchst du so stark , Hochachtbarer ? « sprach sie und enteilte . Zweiundzwanzigstes Kapitel . Auf dem Wildkirchlein . Jetzund , vielteurer Leser , umgürte deine Lenden , greif ' zum Wanderstab und fahr ' mit uns zu Berge . Aus den Niederungen des Bodensees zieht unsere Geschichte ins helvetische Alpenland hinüber : dort ragt der hohe Säntis vergnüglich in die Himmelsbläue , wenn er just ' nicht vorzieht , die Nebelkappe ums Haupt zu hüllen , und schaut lächelnd in die Tiefen , wo der Menschen Städte zu eines Ameisenhaufens Größe zusammenschrumpfen ; und um ihn steht eine Landsgemeinde stolzer Gesellen versammelt von gleichem Schrot und Korn , die recken ihre kahlen Scheitel einander entgegen und blasen sich Nebelwolken zu , ein Rauschen und Sausen zieht durch ihre Schlüfte , und was sie über menschliches Dichten und Treiben sich zuflüstern , klang vor tausend Jahren schon ziemlich verächtlich und hat sich seither nicht um vieles gebessert . Ohngefähr zehn Tage , nachdem die Mönche der Reichenau im Hohentwieler Burgturm an Stelle eines Gefangenen ein Häufchen Asche vorgefunden und viel Verhandlung gepflogen hatten , ob ihn in böser Mitternacht der Teufel bewältigt und zu Asche verbrannt , oder ob er entwichen sei , schritt ein Mann längs dem weißgrünschäumenden Sitterbach über sprießende Matten und Felsgestein bergaufwärts . Er trug einen Mantel aus Wolfsfell über ein mönchisch Gewand , eine lederne Tasche , umgeschlagen , in der Rechten einen Speer . Oftmals stieß er die eherne Spitze ins Erdreich und stemmte sich am Schaft , die Waffe als Bergstock nutzend . Rings um ihn stille tiefe Einsamkeit . Langgestreckte Nebelstreifen lagen über dem wilden Tal , wo die Sitter dem Seealpsee entspringt , aber hoch drüber weg schauten grimmige Steinwände , von spärlichem Grün umsäumt , himmelan . Die Berghalden , wo jetzt in schindelumhüllten Hütten ein fröhlich Hirtenvolk zahlreich nistet , waren damals zumeist öde und spärlich bewohnt ; nur fern in der Niederung des Tals stund die Zelle des Abts von Sankt Gallen und wenig Behausungen dabei . Nach der blutigen Feldschlacht bei Zülpich war eine kleine Schar freiheitsliebender alemannischer Männer , die dem Franken ihren Nacken zu beugen nimmer erlernen mochten , in diese Einöde gezogen251 ; in zerstreuten Ansiedelungen saßen ihre Nachkommen und trieben in Sommerszeit ihre Herden zur Alp , kräftig verständige Bergbewohner , die unangetastet vom Lärm der Welt ein einfach freies Leben genossen und den folgenden Geschlechtern vererbten . Steiler und rauher ward der Pfad , den der Mann einschlug . Jetzt stund er unter senkrecht aufstarrender Felswand ; ein schwerer Wassertropfen war aus dem Kalkgestein auf sein Haupt niedergetrauft , da schaute er prüfend empor , ob der grauenhafte Überhang noch anhalte mit dem Einsturz , bis er vorüber . Aber Felswände vermögen länger im schiefen Zustand zu verharren als das , was Menschenhände bauen ; es stürzte nichts herab als ein zweiter Tropfen . Mit der Linken am Gestein sich anlehnend , schritt der Mann vorwärts . Immer schmäler ward der Steig , der schwarze Abgrund zur Seite rückte näher , schwindelnde Tiefe gähnte herauf ... jetzt schwand auch die letzte Spur eines Pfades . Zwei mächtige Fichtenstämme waren als Brücke über den Abgrund gelegt . » Es muß sein ! « sprach der Mann und schritt unverzagt drüber . Er atmete hoch auf , wie er drüben wieder Boden unter den Füßen verspürte , und machte Halt , um sich den grausigen Platz zu betrachten . Es war ein schmaler Felsvorsprung , über und unter ihm senkrechte gelbgraue Steinwand , in der Tiefe , kaum sichtbar , ein Silberstreif im Grün des Tales , der Waldbach Sitter , und scheu versteckt im Tannendunkel der meerfarbige Spiegel des Seealpsee . Genüber gepanzert und gewappnet die Schar der Bergesriesen - die Feder will zu fröhlichem Sang aufjodeln , da sie ihre Namen schreiben soll : der langgestreckte rätselvolle Kamor , die gewaltigen Mauern der Boghartenfirst und Sigels Alp und Maarwiese , auf deren Zinnen wie Moos auf den Dächern würziger Graswuchs grünt , dann der Hüter des Seegeheimnisses , der » alte Mann « mit runzelgefurchter Steinstirn und weißumschneitem Haupt , des hohen Säntis Kanzler und Busenfreund . » Ihr Berge des Herrn , benedeiet den Herrn ! « sprach der Wandersmann , ergriffen von der Wucht des Eindrucks . Viel hundert Bergschwalben flatterten aus den Spalten des Gesteins . Ihr Flug soll gute Vorbedeutung sein . Er tat etliche Schritte vorwärts . Da war die Felswand mächtig zerklüftet , eine doppelte Höhle tat sich auf , aus rohem Schaft zusammengefügt stand ein schmucklos Kreuz dabei , Tannenstämme an der einen Höhlenwand zum Blockhaus geschichtet und nach