mit dem Fuße zurück und machte sich los : » Für diese freche Bande kann ein sittsames Mädchen bitten ? Mußt Du nicht bei ihren schlechten Liedern erröthen ? - Draußen führen sie eine wahnsinnige Posse auf und Du willst mit Deinem Vater auch Comödie spielen - geh ' und besinne Dich ! Ich hätte Dir mehr weibliches Zartgefühl zugetraut . « » Vater , « rief sie außer sich , » ich erröthe nicht mehr über die grobe Gemeinheit schlechter Worte , als darüber , daß es solche verwilderte Menschen noch giebt - und über uns , die wir Schuld sind an dieser Entsittlichung . Vater - hast Du schon um militairische Hülfe gebeten ? « » Ja - sie kann schon diese Nacht kommen , wenn sie nicht langsam sind . « Sie wollte zur Thüre hinaus . » Wo willst Du hin ? « rief er und hielt sie fest . » Ich will es den Leuten sagen , daß sie ruhig werden , ehe man auf ihre Verzweiflung mit Waffen antwortet . « » Das fehlte noch ! « schrie Felchner vor Unmuth blaß und bebend , während seine kleinen Augen unheimlich funkelten . » Das fehlte noch , daß auch mein Kind gegen mich rebellirte ! - Geh ' hinauf in Deine Stube ! « Er führte sie bis an die Treppe ; sie ging schweigend hinauf von Friedericken gefolgt . Wie er hörte , daß Beide oben waren , lief er selbst nach , schloß sie leise ein , zog den Schlüssel ab und steckte ihn zu sich . IX. Ein Plan » Wird der Retter ihm erscheinen ? Bricht er dann das Joch entzwei ? « K. Beck . Am Morgen nach dem Waldowschen Fest kam Gustav Thalheim nach Hohenthal , um Abschied zu nehmen . Am Abend wollte er abreisen . Die Gräfin Mutter war unwohl von der Gesellschaft und nicht zu sprechen , der Graf war auf die Jagd gegangen , und so empfing Elisabeth Thalheim allein . Sie sah sehr blaß aus und ihre Augen waren matt wie von einer durchwachten Nacht und von Thränen . Sie trat ihm freundlich entgegen und sprach ihre Freude darüber aus , daß er noch ein Mal komme , um Abschied zu nehmen . Aber auch bei ihrem Lächeln entging es ihm nicht , daß sie im Innersten schmerzlichst bewegt war . Um ihm das eigne Weh im Herzen zu verbergen und es bei sich selbst nicht quälender aufkommen zu lassen , begann sie von Fremden zu sprechen - und zwar von Paulinen . » Seitdem ich weiß , was Liebe ist , « begann sie mit einem unterdrückten Seufzer , » kann mich Paulinens Schicksal auf das Tiefste bekümmern - was auch ihr Loos sein mag : glücklich wird sie niemals werden können ! « » Und fühlt sie das selbst schon , oder sprechen Sie nur aus der Erfahrung theilnehmender Freundschaft ? « » Ich habe sie plötzlich besser selbst verstehen lernen , als sie sich versteht - weil ich zum Bewußtsein der Liebe gekommen bin - sie ist ' s vielleicht noch nicht . « » So wissen Sie Alles - und bestätigen die Ahnungen meines Bruders ? « » Ja - ich habe es errathen . - Und was wird ihr Loos sein ? « » Sich dem Herkommen zu fügen - und die grauen Haare eines zärtlichen Vaters zu ehren . « » Eines Tyrannen , dem sie eben deshalb gehorcht , weil sie ihn weder achtet noch liebt - und er ihr doch das Leben gegeben hat . Und was hat Pauline mit dem andern Tyrannen - mit dem Herkommen zu thun ? Sie lebt hier still und abgeschlossen von der Welt , sie hat keinen Umgang mit ihr - die Leute wissen nur , daß der reiche Felchner ein Töchterlein hat - das wieder einen Reichen freien muß ! - Und so soll ihr Leben ein lächerliches Opfer sein , für gar Nichts gebracht , während , wenn sie ihrem Herzen folgte , sie Hunderte beglücken könnte ? « » Elisabeth - bevor die Erde kein Paradies ist , sind die Gefühle unsrer Herzen nicht immer zu verwirklichen . Prüfen Sie die Sache besser . Pauline giebt vielleicht einem Fabrikherrn , den sie achtet , die Hand und läßt es die Aufgabe ihres Lebens sein , indem sie ihn zur Milde und Menschenliebe stimmt , Einrichtungen zu verwirklichen , welche auch Tausende beglücken , oder wenigstens ihr Loos verbessern . « » Und Ihr Bruder ? « » Mein Bruder ist ein armer Arbeiter - und für einen solchen ist es schon eine Genugthuung , wenn das Weib , das er vor Allen hochstellte , ihr Leben dem Wohl seiner Kameraden weiht . « » Sie sind Brüder - ich habe mich gefragt : Wenn Sie um Paulinen geworben , wenn sie ihren Vater mit Bitten bestürmt hätte - vielleicht würde er sich haben erweichen lassen , denn er will sie im Grunde doch nur glücklich machen - aber auf seine Weise - aber Ihr Bruder ist ein armer Arbeiter - ist sein Sclave - er muß aufhören das zu sein ! « » Was meinen Sie ? ! « » Befreien Sie ihn aus dieser unwürdigen Lage , « sie stand auf und gab ihm ein versiegeltes Papier unter seiner Adresse . » Hier ist Geld , unnütz für mich , nützlich für ihn , wovon er leben kann , bis er eine andre Stellung sich erworben . Ich habe die Bücher gelesen , die er geschrieben - er hat Talente , die ihm weiter helfen können - dann kommt er vielleicht in Jahren wieder wie Sie - Pauline ist ihm treu geblieben - Felchner vielleicht todt - dem bescheidnen Mann , der mit der Feder sein Brod verdient , darf sie ihre Hand reichen vor den Augen der Welt - nur dem armen Proletarier nicht - und dann , o , dann wird aus den