ersparen können , mein lieber Wilderich ! ich will Ihre Vergebung als ein Wahrzeichen betrachten , daß keine Rachegeister aus diesem trüben Wirrsal sich gegen mich erheben . Wiedersehen können wir uns nur unter einer Bedingung , die ich nicht aussprechen darf « .... - - » Weil ich sie nicht erfüllen kann ! warf er ein . Auf diesen Brief , meine Gräfin , werden Sie schon eine Fabel zu bauen wissen , welche Ihre Tochter auf dasjenige vorbereitet was unvermeidlich ist . Unsre Trennung ist es auch - drum sei der Abschied kurz ! ich fühle daß ich matt werde . « Ein krampfhaftes Zittern flog um seine Lippen , und seine Augenlider sanken müde und krank über die trüben Augen herab . Ich dachte mit Entsetzen an die Möglichkeit daß er vor Erschöpfung vielleicht nicht mehr mein Zimmer verlassen oder auf dem Wege zum Gasthof ohnmächtig werden könne . » Kommen Sie , mein armes liebes krankes Kind , sagte ich und nahm seinen Arm ; ich bringe Sie zur Ruhe . « Mit unnachahmlicher Innigkeit des Ausdrucks und der Bewegung warf er einen langen Blick durch das ganze Zimmer , grüßte es mit der Hand und sagte : » Lebewol du liebes unvergeßliches Haus ! « Dann ergriff er das Bild und ließ sich von mir über den Altan , die Freitreppe hinab und auf den Weg zum Gasthof führen . » Schlafen Sie ein Paar Stunden , bat ich ihn unterweges . Sie sind noch angegriffen von Ihrer Badecur und die Nerven furchtbar erschüttert . Nicht blos den Festen des Lebens - wie ich Ihnen nach Baden schrieb - auch dessen Kämpfen und Schlachten muß man mit dem Panzer einer stählernen Gesundheit entgegen gehen . Wenn Sie mich wirklich lieben , so machen Sie mir Ehre und sein Sie stark . « » Ich werde es sein ! entgegnete er . Ich werde schlafen und morgen über den Rosenlaui-Gletscher nach Meyringen gehen . Das war der Weg der mich vor dreiviertel Jahr in dies geliebte Thal zur » guten Frau von Grindelwald « brachte , und beim Rosenlaui hatte ich meinen letzten seligen Tag . Mit diesen Bildern und Erinnerungen kehr ' ich heim nach Wildeshausen . Dann weiter in ' s Leben .... wie Gott will ! « Ueberwältigt von heimlich nagendem Gram sagte ich : » Es wird ein mühseliges Leben sein , mein Wilderich . Solche diamantene Herzen wie das Ihre schafft Gott nicht umsonst . Klar , rein , fest und schroff wie der Diamant , muß es in schwerer Arbeit sich selbst und Andere schleifen . Verbrennen kann der Diamant - nicht schmelzen wie der Rubin , der dann Glanz und Feuer verliert und trübe wird . Es giebt auch Rubinherzen , Kind ! aber ein diamantenes ist höher . Denk ' daran . « Meine Seele zitterte in der Erinnerung an Fidelis . - - So kamen wir zur Thür des Gasthofs . Wilderich pochte und bis Jemand von Innen öfnete , sagt ' ich : » Lebwol ! lebwol ! « - küßte flüchtig seine Lippen und lief rasch von dannen . Es dämmerte schon ; der Morgenwind löste die nächtlichen Gewitterwolken in einen starken Regen auf , der mich durchnäßte und erquickte . Ich trug ein weißes Musselinkleid , keinen Hut , keinen Shawl ; mein Haar hing aufgelöst über meine Schultern herab . So kehrte ich heim , stieg die Freitreppe hinan , ging langsam über den Altan in den Salon und sank unter einer plötzlichen Erstarrung meines Herzens bewußtlos zu Boden , als Benvenuta mir freudig mit der Frage entgegen trat : » Nicht wahr , er ist gekommen ? « - - - Mein altes Herzübel , das sich in dem verhältnißmäßig ruhigen Zustand des letzten Jahres beschwichtigt hatte , brach mit neuer Gewalt herein . Und doch mußte ich , kaum zu mir selbst gekommen , meiner Tochter Red ' und Antwort stehen ! - Leugnen war vergeblich ! Sie hatte seine Stimme gehört und es fehlte ein Bild vom Rosenlaui ! - Der Brief auf dem Schreibtisch befremdete sie freilich : war Wilderich hier , wozu der Brief ? - Ich half mir mit einer Unwahrheit und sagte : » Sein Inhalt ist so wichtig daß er ihn selbst bringen - und für ihn so peinlich daß er denselben nicht mündlich mittheilen wollte . Wider Erwarten traf er mich .... und sagte mir Alles ! - aber ich behielt dennoch den Brief - Deinetwegen ! « » Meinetwegen ? « stammelte sie erblassend , erbrach und las ihn aufmerksam , faltete ihn dann zusammen und sagte leise : » Er liebt mich nicht ! « Ich hatte nicht den Muth sie des Gegentheils zu versichern . Ich schwieg und zitterte wie eine Verbrecherin welche Entdeckung fürchtet . Es war mir lieb , daß jede Gemüthsbewegung mich paralysirte ; so litt ich weniger ; d.h. mehr physisch . Benvenuta schwieg auch . Sie sprach nicht mehr von Wilderich , sie fragte nie nach ihm . Es war als sei er gar niemals da gewesen ! Und nicht blos gegen mich beobachtete sie diese Zurückhaltung , sondern auch gegen Gabriele , welche ich gebeten hatte mit möglichst linder Hand die Wunde ihres Herzens zu sondiren . Nach einiger Zeit sagte mir Gabriele ihre Bemühungen wären umsonst , und fügte hinzu : » Es kommt mir vor als fände ich in ihr nicht sowol eine Wunde , als ein Grab . « » Und über dem Grabe wachsen Blumen , « sagte ich mit Zuversicht zu meinen Erfahrungen . Das war ein trauriger Sommer ! Ich , fast immer leidend ; Gabriele in Trauer um ihre Mutter ; Benvenuta still und ernst , vor der Zeit eingeweiht in das große Geheimniß des Schmerzes . Nichts interessirte sie ; sie sprach keinen Wunsch und keine Hofnung aus . Es war ihr gleichgültig ob wir zum Winter nach Italien oder nach Engelau gingen oder in der Cottage