Polsterstuhl ausgestreckt , an den Nachwonnen ihres Eindrucks , und hatte eben so wenig eine Bewegung gemacht , aufzustehen , da der Junker Peter Melchior eintrat , als er jetzt , nachdem er gesprochen , ihm ein Zeichen freundlicher Theilnahme gab . Vielmehr hatte er das Ansehen eines Richters , vor dem ein armer Sünder etwa ein Privatbekenntniß ablegte , und statt Trost ihm einzureden , weist der Mann des Gesetzes ihn noch herb zurück . » Das sollte ich Euch gesagt haben , Herr Junker von Krauchwitz ! Und das wagt Ihr noch auszusprechen , nachdem Ihr vorgebt , eben aus meiner Predigt zu kommen ! « » Ihr müßt Euch doch entsinnen , « sagte der Junker , » als Wedigo mir den Antrag that , und ich zu Euch ritt nach Brandenburg und in Eurer Klause Euch die Sache vortrug , und um Euren Rath bat , ob Ihr ' s gerathen hieltet oder nicht , und Ihr den Kopf schütteltet und meintet : es sei eine kitzliche Sache , man wisse nicht , wohin sie ausschlagen möchte , und endlich sagtet Ihr : Zögert mit Eurem Ja und Nein . Ja blickt mich nur verwundert an , so sagtet Ihr zu mir und drücktet mir die Hand , und grade da trat der Chorherr ein , es war der Sydow . Er hat es noch gehört . « Der Dechant strich mit der Hand über das Gesicht : » Der Sydow hat es gehört . Das ist etwas anderes , lieber Junker . Davon also redet Ihr . Der Sydow , richtig ! Nun das ist ein guter Mann . Wenn man ihn nicht fragt , redet er nicht . Setzt Euch doch , Herr von Krauchwitz . Ueber die Tücken Satans , der so oft in unsere Worte einen andern Sinn legt , nämlich daß die Andern etwas anderes verstehen , als wir meinten , können wachsame Christen nicht ernstlich genug sich gegenseitig verständigen . Worte , wie gesagt , hört Einer so , der Andere so , aber Ihr wißt , als Ihr damals mit dem Lindenberg ausrittet - « » Sprecht nicht davon . « Der Junker erblaßte . » Ich kam ja darum nicht , auch nicht darum . « » Dann ist es für uns beide gut , daß wir von dem schweigen , was wir wissen , vor allem aber für Euch « , sagte der Dechant , und fing wieder an , seinen Fuß behaglich über dem Kohlenbecken zu wärmen , das vor ihm stand . » Warum kommt Ihr denn ? « » Dechant ! « sagte der Junker , sein Baret drückend . » Das Haar steht Einem doch zu Berge . « » Kämmt es glatt . « » Die Galgen und Hochgerichte und Stangen draußen wie ein Wald ! Jeden Tag Neue eingefangen , schubweise führt man sie hinaus . Soll man fliehen , soll man bleiben . « » Ich bleibe . « » Wenn ich mich versteckte - « » Lauft Ihr Gefahr , daß man vergäße , Euch zu suchen , « sagte mit einem hochmüthigen Lächeln der Dechant . » Der Adel muß ein ander Kleid anziehen , mein Lieber , das alte taugt nicht mehr . Das ist der beste Rath , den ich Euch als Freund geben kann . Geht zu Eurem Schneider , und fragt nach der neuesten Mode . Wenn ' s Euch auch zuerst unbequem sitzt , Ihr werdet Euch darin zu finden wissen . Ihr seid ein Mann , den man am Ende überall brauchen kann . « - » Ja , lieber Junker , « sprach der künftige Prälat , und legte seine Hand mit der behaglichen Miene eines Gönners Peter Melchior auf die Schulter , » bleibt ; so ich mich recht bedenke , grad Ihr seid jetzt am Flecke . Nun kommt Eure Zeit . Lehrt Eure Zunge Knoten schlingen , Euren Rücken , wie einen Aal biegen . Edelleute wird man bei Hofe immer brauchen , aber nicht im Eisenkleid , keine graden Nacken . Mit denen ist es aus . Der Adel muß in die Schule gehen . Aber tröstet Euch : Was Hänschen nicht lernen wollte , ich meine , diesmal wird es Hans doch lernen . « Peter Melchior ist nicht geflohen und hat sich nicht verborgen . Hier scheiden wir von ihm für dieses Mal . Aber am selben Sonntag Nachmittage ritt ein hoher , stolzer Ritter mit stattlichem Gefolge in Berlin ein . Sein Gesicht war blaß , seine Augen rollten fast zornig von dem , was er gesehen . Es hätte auch Andere erschreckt , die langen Reihen von Galgen , der Kopf auf der Eisenstange über dem Köpnicker Thore , der ihn schon von fern angrinste . Es war Otterstädts Kopf . Ein Karren mit zerrissenen Gliedern peitschte an den Reitern vorüber . Es waren Otterstädt ' s Glieder . Der Graf von Giech trat in glänzender Silberrüstung , als Abgesandter seines Herrn , des Markgrafen Friedrich des Aeltern , vor den Kurfürsten von Brandenburg . Der Vertreter des Oheims sprach zu dem Neffen seines Herrn . In ihm sprach mit der Zorn des großen , freien Edelmanns , vielleicht auch das verwundete Herz des Menschen . Nicht alle Gesandte sprechen so vor einem Fürsten , in dessen Hand noch das Richtschwert zittert . Die Hofleute sahen es mit Schrecken und hörten es doch mit heimlicher Freude . » Mein Herr sende mich , war ich des Glaubens , « so schloß er , » in ein Land des deutschen römischen Reiches christlicher Nation , aber , heiliger Gott , ich glaube jetzt in ein Reich zu treten , wo der Großtürke und seine Bassen Gericht hielt ! « » Beim Kurfürsten von Brandenburg seid Ihr , Herr Graf von Giech , « unterbrach ihn Joachim , » der dies Land hat von Kaiser und Reich , daß er richte nach dem Recht ,