Widerhall , keine Sorge um mich , wenn Dir ' s nicht wie gesunder Menschenverstand vorkommt , man ahmt ja wohl den Vogel im Busch nach oder den Wind zum Vergnügen oder das Wild im Wald . - Der Weiß hat mir ein botanisch Buch gegeben , wie er sah , daß ich so viel Freud hab an Pflanzen , ich hab mir die Moose heraus gesucht , weil man die unterm Schnee noch finden kann , ich hab eine Lupe , ich betrachte sie , ich entdeck eine Welt , alles läuft und stürmt durch , wie durch einen Forst , es fehlt nur der Jagdhörnerschall , das Hundgebell und der Schuß ; so könnt man denken , man wär auf einer königlichen Jagd ; ich hab noch das Pläsier , von oben herab wie Gott vom Himmel da hinein zu sehen ; wenn ich ' s dem Weiß vorerzähl , wie mir alles vorkommt , das hört er an wie ' s Evangelium , es erquickt ihn , die Lügen und Fabeln meiner Einbildung zu hören , er sagt : » Wenn ich nicht im Pflug gehen müßt , so schwätzt ich den ganzen Tag mit Ihnen . « - Das ist gut für mich , sonst wär mir ' s zu viel . Samstag Der gestrige Abend war ein gedulderprobender , es war wieder Dämmerungsstunde , erfüllt mit allerlei Gaben der Muse . Schäfer , der ein feiner und geistreicher Mann ist , hörte mit zu ; Savigny ist gar liebenswürdig mit seinen Freunden und Bekannten , die höchste Güte leuchtet aus ihm , so befindet sich alles kindlich wohl und heiter um ihn her . Es wurden Gedichte vorgelesen vom Autor ; das ist schwierig für den Leser und für den Hörer , da sind zwei Fragen : wo kommen die Gedichte her , und wo wollen sie hin ? Die meisten behaupten ihre Abkunft aus dem Feuergeist der Liebe und behaupten ihr Recht , ins Herz einzukehren . - Ich saß in der Ecke und hörte ein lang Gedicht mit den Ohren , die Seele sehnte sich hinaus in den Schnee , in die sternenhallende Luft ; die Sterne haben einen Ton , einen sprechenden Laut , der viel vernehmlicher ist in klarer Winternacht wie im Sommer ; - vernehmlich , nicht hörbar , wie denn alles in der Natur vernehmlich ist , wenn ' s auch die äußeren Sinne nicht gewahr werden . Ich dachte mich hinaus in alle Welt während dem Rollen auf der Verse-Chaussee ; meinem Nachbar mochte es wohl auch schwer auf dem Herzen liegen , denn er seufzte mehrmals und holte endlich sein Taschenbuch , worin er mit dem Bleistift was einkritzelte , - ich nahm ' s ihm aus der Hand und probierte Verse zu machen im Takt des Lesenden , das Gelesene schoß Worte zu , wie eine Fabrik , wo einer dem andern in die Hand arbeitet , und so setz ich Dir ' s der Kuriosität halber hin . Der Dichter las nämlich klagende Gespräche im Minneliederstil zwischen zwei Liebenden , die nicht zu Rande kommen können mit ihrer Sehnsucht , in Frühlings- und Sommerzeiten . Es waren nicht des Maien wilde Blüten , Violen süß und Rosen überall , In grüner Lind die freie Nachtigall , Die mich vor Sehnsuchtschmerzen sollten hüten . Ich klage nicht die lichte Sommerzeiten , Den kühlen Abend nach dem heißen Tag ; - Der meiner Träume Sinn verstehen mag , Der wolle ihnen Störung nicht bereiten . Nicht , daß sich bald das grüne Laub will neigen , In dem der Vöglein muntre Schar sich wiegt , Daß Sonnenschein und Blumenglanz verfliegt , Macht , daß mein Herz sich sehnt und meine Freuden schweigen . Der rauhe Winter nicht , der alle Lust bezwinget , Die lust ' gen Gauen überdeckt mit Schnee , Mir seufzt die Langeweil im Herzen Ach und Weh , Die mit dem Dichter stöhnt und in den Versen klinget . Montag Nun kam gestern ein Brief von Clemente an mich mit feierlichen Mahnungen , doch mein Leben nicht zu verscherzen , so innig , so herzlich , als wär ich eine Blumenknospe , die auf seinem Stamm wüchse , und der Stamm treibt sorglich alle Kräfte dahin , daß sie sich auftue , aber die Knospe ist so fest , daß nicht Regen und nicht Sonnenschein sie weckt - was kann ich da ? - Der Christian straft mich mit Worten , es sei kein Ernst in mir , und wenn ich wollte nach Italien reisen , so sollt ich Winckelmanns Kunstgeschichte studieren und Italienisch lernen , das hab ich probiert , aber die Kunstgeschicht , wie sollt ich mit der mich abgeben , wenn ich dran denk , daß ich nach Italien reisen sollt . Ei , laß doch alles mit Augen sehen , und wenn ich trunken bin vor Seligkeit , daß dort andre Bäume , andre Blumen und Früchte sind , wenn ein schönerer Himmel über mir wogt , wenn Menschen , Knaben , Jünglinge , die mir verwandter sind im Blut , in der Faulheit , als die kalten deutschen fleißigen Brotstudenten , mir begegnen auf der Straß , mich sanft grüßen , umkehren , mich noch einmal grüßen , feuriger , - ei werd ich da noch das geringste vom Winckelmann , von der alten Geschichte wissen ? Wenn rings die Schönheit der Erde aufwallt , da wär ich wohl der närrische Pedant dazu ? - Mit Dir , Günderode , möcht ich Arm in Arm dahinschlendern , kommst Du heut nicht , so kommst Du morgen , alle Zeit füllt sich ja so himmlisch , was sollen wir sorgen , wo wir hinkommen ? - Sturm und Gewitter schreibt in die Brust Unvergängliches wie der heitre Tag ; jeder Weg führt zu geheimen Reizen der Natur , warum sollen wir nicht , wenn ' s uns lockt , folgen dem strebenden Herzen , den Gestalten , dem Glanz