mit der Welt wahrhaft zu versöhnen . » Was kann Dir denn das helfen , wenn ein Mensch Dich absolvirt , « sagte sie eifrig - » weißt Du nicht , daß Keiner ohne Fehl vor Ihm befunden ist ? Warum thust Du nicht nach Gottes Geboten , der eben durch seine Offenbarung in Christo Dir sagt , Du sollst Ihn anbeten im Geiste ; denn er ist ein Geist ! Du bist getödtet durch Deine Priester , die sich zwischen Dich und den Geist Gottes drängen ; denn das Fleisch - das heißt , ihr fleischlich Wort - tödtet ! Der Geist allein macht lebendig ! Siehst Du nun wohl ein , welche Sünde es ist , die Andacht aus den Händen zu geben und träge zuzusehen , was Dir Andere zurecht machen und Dir davon überlassen nach ihrer sündigen , menschlichen Einsicht ? Ja , das sollte uns schon gefallen , wenn es so leicht abgethan wäre ! Wir aber , wir Protestanten , die wir nach der Lehre Christi leben müssen , wie die Evangelien sie lehren , wir wissen , daß es keine andere Rechtfertigung vor Gott giebt , als im Glauben an unsern Heiland , durch den wir alsdann die Kraft empfangen , die Sünde von uns abzuhalten und der Vergebung theilhaft zu werden , die er Allen verheißen , die an seine Versöhnungskraft glauben . Wie kannst Du Dir also weiß machen lassen , ein Priester , der so gottlos ist , sich für den auszugeben , der Gottes Gewalt an Dir erfüllen könnte , also ein Gott selbst sein müßte , könnte Dir sagen : Deine Sünde sei Dir vergeben ! « Dann erzählte sie ihm von Ihrem Vater , wie demüthig er vor Gott gewesen und Alles an ihn verwiesen habe - und von der Scheu vor sich selbst , die allein zu ihm führe . Während dem malte Lesüeur seine Lehrerin - und kaum hatte er einen Entwurf beendigt , so begann er schon den zweiten . Hundert Mal glaubte er sie malen zu können , immer neu , immer sie selbst und das größte Wunder , das ihm vorgekommen . - Dann las sie ihm mit ihrer Engelstimme die Evangelien vor , die er nie gehört , und vor deren heiligem Geiste er den ersten Schauer der Andacht fühlen lernte , der bis dahin seinem Leben fremd geblieben war . Beide führten so ein lebhaft angeregtes Leben ; - in Fennimor aber tauchte eine Ahnung der verderbten Welt auf , die ihr bis dahin fremd geblieben war , und sie mußte viel nachdenken ; denn sie wollte das , was sie nicht mehr läugnen konnte , doch gern in Ordnung bringen , um Gottes Welt zu retten , wie sie dachte , damit auch das Böse seinen Platz bekäme zu irgend einem guten Zwecke , da dies doch nothwendig sein müsse , wenn man auch zuerst so sehr darüber erschrecke und erstaune . Oft nahm sie Lesüeur in Rath , der seine längst verloren gegangene und vergessene Unschuldsseele mit heißer Sehnsucht um ihretwillen wieder suchte ; und wenn er hörte , wie scharfsichtig , wie tief denkend das Kind bloß aus Liebe zu Gott sich bestrebte , die Angelegenheiten der Erde zu ordnen und zu erklären - hätte er sie zum lauten Predigen in der Wüste des Lebens auffordern mögen . Denn Offenbarungen des Höchsten schienen ihm ihre Worte , und hätte er nicht ihren strengen , aufrichtigen Tadel gefürchtet , auf seinen Knieen hätte er ihr zuhören mögen . - Dagegen dachte Fennimor , wie herrlich ihr Leonin sein müsse , von der bösen Welt umgeben , die er ertrüge um Gottes Willen , und um die schöne heilige Welt , der er zugehörte , dort zu zeigen und zu schützen vor der fremden . » Aber mir wäre es lieber , « dachte sie , » ich bliebe daraus weg , und mit Leonin käme die schöne edle Mutter , der liebe alte Vater und Louise hieher zu uns ; denn wir sollen doch keine Versuchung aufsuchen - also , was thun sie dort , wenn sie es hier besser haben können . Die hat auch Gott nicht zum Streite dorthin berufen , denen er zwei Stellen auf Erden gegeben , wo die eine ihm so viel näher ist ! Nur , wenn Leonin es will , daß ich ihm folge , darf ich hier fort - freiwillig muß ich nicht gehen - dann aber ist es wieder Gottes Gebot , weil Leonin mein Mann ist ! « Wie erstaunte Lesüeur über die sichere Berechtigung , die sie zu ihren Verhältnissen fühlte , da er der untrüglichsten Ueberzeugung war , wie keines der Rechte , die sie ruhig zu besitzen glaubte , in der Welt eine Geltung haben würde , welche sie mit Recht zu berühren fürchtete . » Gott , « rief er oft , wenn er allein war , die Hände ringend - » wenn Leonin sie auch verließe , wenn sie auch an ihm den Anhalt verlöre und den Glauben - wie nur zu gewiß die Eltern gar nicht für sie existiren ! « Auf diesem Wege fand sich nach und nach eine natürliche Annäherung zwischen ihm und Emmy Gray . Beide hofften Manches von einander zu erfahren , und die Sorge um Fennimor erhob dies gegenseitige Forschen zu etwas Edlerem , als Neugierde . Emmy Gray lockte bald aus Lesüeur heraus , was ihre argwöhnische Seele schon voraussetzte , und was ihm unter so entgegenkommenden Fragen unmöglich ward , zu verbergen . Von da an hielt sie den Abgott ihres Herzens für verloren , und der Welt nur noch bitterer grollend , schien sie sich bald der einzige sichere Anhaltspunkt für Fennimor . Sie erfaßte diese Ueberzeugung mit einer Energie und einer Belebung ihres Geistes , die ihrer besonderen Befähigung trotz des Mangels der Bildung zuzurechnen war ; und wenn ihre Gemüthsart nur finster und herrschsüchtig sein konnte , trat sie doch , von