nun seine gnädige Aufmerksamkeit ausschließlich der Marquise Danville zu . Richmond allein näherte sich der Lady Maria . Als er sie anredete , bebte seine Stimme , und als Maria ihre schwermüthigen Augen , von der seelenvollen Stimme ergriffen , zu ihm aufschlug , da strahlte ihr eine solche Fülle des Gefühls aus seinen Zügen entgegen , daß augenblicklich das verschwundene warme Leben in ihren Busen zurückkehrte , und ihre Züge den bezaubernden Ausdruck wieder annahmen , der ihnen so eigen war . Richmond konnte diese von ihm bewirkte Veränderung nicht verkennen , und er gab sich dem verführerischen Vergnügen hin , an dem Geiste dieses schönen Wesens sich zu erfreuen . Sie hatten beide ziemlich die Welt um sich her vergessen , und Richmond gewahrte zu spät , daß die Augen seiner Mutter in starrer Prüfung auf ihm ruhten . Er hörte nicht mehr , was Maria ihm sagte , noch ein Mal blickte er sie an , als wollte er den Ausdruck ihrer Züge mit sich hinweg nehmen , dann verließ er sie mit der kalten Höflichkeit , die er seit lange allein für ihr Verhältniß passend erachtet hatte . Maria versank aufs Neue in die Apathie , aus der sie nur augenblicklich gerissen schien , und als Lord Membrocke sich ihr mit Zuversicht näherte und sie um eine Unterredung bat , neigte sie bejahend ihr Haupt mit einer Ergebung , als könne keine Gewalt der Erde mehr das drohende Schwert von ihrem Haupte abwenden . Was ich jetzt von Euch noch zu hören habe , macht es kurz , Mylord ! sprach Lady Melville , als sie in einer halb offenen Säulenhalle , die der Lord zu seiner Audienz erbeten hatte , ihn sich ihr nahen sah . Sie hatte alle ihr noch mögliche Kraft und Besonnenheit hervorgerufen , um sich durch nichts überraschen oder verführen zu lassen , und hoffte noch immer , er werde die ihm . über sie verliehenen Rechte nicht genügend beweisen können . Lord Membrocke fand es leicht , den bescheidenen Mann zu spielen , da er im nächsten Augenblicke seinen Triumph feiern konnte , und indem er ihr ehrerbietig einen Sessel zuschob , blieb er in gemessener Entfernung vor ihr stehen . Mylady , hob er an , meine Worte sollen Euch nicht länger belästigen . Ich bin nur der Ueberbringer eines Schreibens , das wahrscheinlich beredter zu Euch sprechen wird , und ich bin blos hier , um zu hören , was Ihr , nachdem Ihr den Inhalt kennt , mir zu befehlen haben werdet . Mit diesen Worten entfaltete er langsam vor den ihn scharf beobachtenden Augen der Lady ein Portefeuille , aus dem er den verhängnißvollen Brief hervorzog . Leichenblässe und hohe Glut wechselten in den Zügen Maria ' s , als er ihn ehrerbietig . hinhielt . Sie griff darnach , als sie ihn aber gefaßt hatte und die ewig theuern Züge der Handschrift dieses geliebten Oheims zu erkennen glaubte , als diese Ueberzeugung noch durch den Anblick des Abdrucks seines Siegelringes verstärkt ward , unterlag sie ihren mächtig sie überraschenden Empfindungen , und mit einem Strom von Thränen sank sie in den Sessel zurück . Ach , sie hätte sich verachtet , wäre noch ein Zweifel in ihrem unschuldigen Herzen geblieben ; und ehe sie noch den Inhalt kannte , war sie schon entschlossen , jede Bedenklichkeit zu unterdrücken und Alles zu befolgen , was ihr darin aufgegeben würde . Mit der kindlichsten Ehrfurcht las sie nun die liebevollen Worte , die so viel Schmerz und so viel Liebe und Vertrauen zu ihr ausdrückten ; sie preßte sie endlich an ihre Brust , hob die in Thränen schwimmenden Augen wie zu einem kurzen Gebete zum Himmel und erhob sich dann völlig entschlossen von ihrem Sessel . Ich bin jetzt überzeugt , daß mein Oheim mich selbst zu sich beruft , daß er selbst meine Verschwiegenheit gegen meine Wohlthäter verlangt , daß mir kein anderes Mittel übrig bleibt , die Befehle meines einzigen mir gebliebenen Verwandten zu erfüllen , als - Euch zu folgen und heimlich zu folgen . Sie sprach diese Worte mit einem Widerstreben , daß sie trotz der Absicht , den Vertrauten ihres Oheims nicht mehr zu beleidigen , doch nicht zu unterdrücken vermochte . Ich war dieses Eurer so würdigen Entschlusses gewiß , erwiederte Membrocke , und habe daher Alles zu meiner Abreise vorbereiten lassen . Ich werde , wenn es Euch also gefällt , morgen Mittag öffentlich abreisen , am Abend zurückkehren , und Euch mit einem raschen Pferde und sicheren Gefolge am nördlichen Ausgang des Parkes erwarten . Ihr müßt Euch dahin begeben , so bald Ihr Alles in Ruhe wißt ; denn uns bleibt in dieser ersten Nacht ein bedeutender Weg zurück zu legen , um uns vor den gewiß erfolgenden Nachstellungen verbergen zu können . Er hatte sich beeilt , Alles , was nöthig war und sie in seinen Einzelheiten erschrecken mußte , in diesen Augenblicken der ersten Ueberraschung vor ihr auszusprechen . Sie stand sprachlos vor ihm und er hätte noch lange sprechen können , ohne daß sie ihn unterbrochen hätte ; denn sie schauderte , während er seinen Plan vor ihr entwarf , über die schreckliche Lage , in die sie sich durch diesen Entschluß versetzte . Ihre kindliche Liebe , ihr Pflichtgefühl , alles , was einen Augenblick früher sie über jede Rücksicht erhoben hatte , reichte nicht mehr zu , wenn sie nun zugleich der Vertraulichkeit und Gewalt gedachte , die sie diesem Manne einräumte , und des schmählichen Verdachtes , den sie in dem Kreise ihrer bisherigen Beschützer über sich zurück ließ . Die theuern Gestalten in all ihrer ernsten Tugend gingen mahnend an ihr vorüber . Ach , wie schwer war es , auf ihre Achtung zu verzichten ! Wie erschwerte es die Trennung von ihnen , die auch ohne diese Zugabe ihr Herz zu zerreißen drohte , so grausam ! Sie erwog die Möglichkeit , sich rechtfertigen zu können , sie wollte