antwortete sie , indem sie sich erhob . » Mein Schicksal ist wohl entschieden , aber der Himmel zeigt sich wenigstens darin der Geknickten gnädig , daß er ihr eine Stütze sendet , an welcher sie dem Kloster oder sonst einer verborgnen Freistätte entgegenwanken kann . « Viertes Kapitel Die Errichtung und Ausstattung des großen , den Kunstsammlungen des Staats gewidmeten Baues beschäftigte damals in hohem Grade die Gemüter . Schon überdeckte die Wände das Dach , Maler und Vergolder waren im Inneren tätig , man mußte nun daran denken , wie der aufgespeicherte Vorrat einzuordnen sei . Von allen Orten und Seiten her hatten diese Schätze sich zusammengefunden ; es war die Absicht der Herrschenden , daß die durch glorreiche Kriegstaten wiedererrungne Macht sich im mannigfaltigsten Besitze abspiegeln sollte . Nur über das Wie ? herrschte einige Verlegenheit . Nach der Weise früherer Zeiten auf das Geratewohl die vorhandnen Bilder aufhängen zu lassen , und nur dafür zu sorgen , daß jedes wertvolle Werk ein ziemliches Licht erhalte , war der Klarheit des Bewußtseins , womit in dieser großen Stadt alles betrieben wurde , durchaus zuwider . Es sollte , wie man sich hier auszudrucken pflegte , eine Idee im neuen Nationalmuseum herrschen , die Geschichte der Kunst sollte aus der Sammlung hervorleuchten , und zwar nicht eine Kunstgeschichte , wie sie herkömmlich falsch bisher überliefert worden , sondern die gereinigte , welche die neusten archäologischen Forschungen geschaffen haben . Hier zeigte sich nun aber , daß die Bestrebungen scharfsinniger Geister denn doch nur erst bis zum Zweifel geführt hatten . Die Zeitfolge , das Verhältnis der Schulen war angefochten worden . Ungewiß erschienen die Zeichen der Meister . Warnend hatten die Kenner auf die ausgebildete Technik so mancher geschickten Kopisten aufmerksam gemacht . Kurz diejenigen , welchen die Sorge des Geschäfts anvertraut worden war , trieben in einem Meere von Bedenken und Einwürfen um . Man wollte sicher zu Werke gehn , und sein Gewissen vor der Schande bewahren , einen Cinquecentisten übersehen oder irrtümlich angenommen zu haben , und über diesem kritischen Bestreben gelangten die Werkleute nicht zum Einschlagen der Nägel . Das Schlimmste war , daß , da Laien und Frauen eifrig mit einzureden begannen , und eine siegreich durchgeführte Meinung die Aussicht auf eine wohlausgestattete Pfründe bei der neuen Anstalt gab , die Leidenschaften sich mit in das Spiel mischten . Bald stritten die Kenner persönlich und feindselig gegeneinander , und man beobachtete in dieser Angelegenheit nicht immer die Urbanität , wozu die schönen Künste führen sollen . Eine andre Schwierigkeit entsprang aus der Beschaffenheit der vorhandnen Sachen . Man hatte vieles , aber unter diesem Vielen , was zum größeren Teile ganz gut war , gab es keine eigentlichen Haupt- und Glanzbilder ; es fehlten die Fürsten der Säle , um welche sich das übrige gruppieren ließ , solche Werke , welche einer Sammlung erst die rechte Haltung geben . Nimmt man nun dazu , daß eine bedeutende Partei , welche die Kunst vom ideellen Gesichtspunkte betrachtete , gegen die Aufnahme des Genres und der Landschaft sich erklärte , während andre , realistisch gesinnt , sich ebenso entschieden dafür aussprachen , so wird man einen Begriff von dem Chaos haben , in welches die beste und hochherzigste Gesinnung der Waltenden eine Menge verständiger Männer und Frauen gestürzt hatte . Was Madame Meyer betraf , so versetzte sie dieser Streit , so oft er bei ihr anzuklingen begann , in die übelste Lage . Sie hatte sich über die früheste Periode der Kunst so ziemlich unterrichtet , und da ihr hier und in Beziehung auf ihre Sammlungen keine unhöfliche Gegenrede der künstlerischen Freunde beschwerlich fiel , so wußte sie , wenn die Betrachtung sich in jenen Regionen verhielt , ein auslangendes Gespräch zu führen . Aber sobald man die erwähnten Streitpunkte aufregte , fühlte sie sich ganz verlassen , und indem sie als Sachverständige doch mitzureden die Pflicht empfand , gleichwohl eigentlich nichts beizubringen imstande war , kam nichts ihrer Verlegenheit gleich . Diese wurde ihr um so häufiger bereitet , als grade die gelehrtesten und hartnäckigsten Kämpfe sich nicht selten auf den Teppichen ihrer Zimmer entspannen . Welchen Stoff dieser Bilderstreit den lustigen Köpfen der Stadt , die allem ihre Einfälle anzuheften pflegen , gegeben , läßt sich denken . Ein Spottvogel äußerte , die Gemälde würden nicht eher hangen , als bis die Gelehrten hingen ; und ein andrer versetzte auf die Frage , wann die große Galerie zustande kommen werde : » Nach dem Dreißigjährigen Kriege . « Plötzlich erschien inmitten dieser Bewegungen ein fremder Handelsmann , welcher durch Gunst des Geschicks in Italien , Flandern und Deutschland die seltensten Stücke zusammengebracht hatte . Er kramte seine Sachen aus , und stellte sie in dem hellen Saale eines großen Gasthofs den Schaulustigen zur Betrachtung auf . Nicht leicht hatte man einen bestimmten Abschnitt der Kunstgeschichte in so stetiger Folge überschaut , als hier . Die Sammlung umfaßte den Zeitraum vom dunkelsten Altertume vor Cimabue bis auf Raphaels Jugend ; allem Späteren hatte der Besitzer Neigung und Geldbeutel versagt . Hier taten einem unter allem dem Gold , Lack , und bunten Farbengetümmel im eigentlichen Sinne des Worts die Augen weh . Niemand konnte einem so zusammenstimmenden Ganzen seine Achtung versagen , ohne daß gleichwohl der Gedanke entstand , diese Anhäufung von Inkunabeln werde einer in umfassenderem Sinne zu behandelnden Sammlung von erheblichem Nutzen sein . Madame Meyer geriet bei dem Anblicke der glänzenden Tafeln fast außer sich und der junge Dichter teilte ihr Entzücken . In seinen Produkten erschienen seitdem noch mehr Bronnen und Wonnen , Lichtstrahlen und Waldesnächte , Engelsköpfe und Tauben des Heiligen Geistes . Sie aber vernachlässigte über diesen Genuß fast eine Zeitlang ihre Freunde und den musikalischen Gottesdienst in der künstlichen Kapelle . Es war wunderbar anzuhören , auf welche Weise der Handelsmann in die enthusiastischen Reden dieser beiden Begeisterten einstimmte . Er hatte , von klugen , mit dem Geiste der Zeit vertrauten Männern unterstützt , das