sie unfehlbar auf Schloß Hohenthal erscheinen , um seinen edeln Freunden zu danken , und in der Gesellschaft des geliebten Sohnes nach Frankreich zurückreisen . Die Blicke des jungen Grafen ruhten noch ernst auf dem gelesenen Blatte , als St. Julien wieder zu ihm trat , um den Brief zurück zu nehmen . Nicht wahr , fragte er seinen Freund , es kränkt Sie auch , daß wir sobald uns trennen sollen ? Ja wohl , sagte der junge Graf mit einem tiefen Seufzer , und Gott weiß , wie wir uns noch einmal gegenüber stehen müssen . Sie werden doch nicht fremde Dienste nehmen wollen , um gegen uns zu fechten ? fragte St. Julien überrascht . Gewiß nicht , versetzte sein Freund mit bitterem Lächeln . Nun dann ist keine Gefahr vorhanden , sagte St. Julien leichtsinnig , daß wir uns gegenseitig erschlagen müßten , denn Preußen kann nicht mehr wider uns , sondern muß mit uns sein , und auf diesen Fall wären wir ja Freunde und Waffenbrüder . Junger Mann , erwiederte sein Freund , indem er beide Hände auf die Schultern des jungen Franzosen legte , ich wollte , Sie hätten etwas deutsches Blut in den Adern , dann würden Sie ahnen , was noch alles in dem dunkeln Schooße der Zukunft ruht ; doch wozu , fuhr er , sich selbst unterbrechend , fort , sollen wir noch Schreckbilder aus der Ferne herbeirufen , da unsere Trennung an sich betrübend genug ist . Ja wohl , seufzte St. Julien ; mit welchen Schmerzen werde ich von hier scheiden . Indem er dieß sagte , blickte er in die Ferne , und sein Freund bemerkte , indem er ebenfalls die Augen dahin richtete , Emilie und die Gräfin , die durch einen langen Baumgang sich dem Platze näherten , auf welchem die jungen Männer versammelt waren , die sogleich den Damen entgegen gingen . Der Jüngling Gustav wollte sich zurückziehen , aber St. Jülien bemerkte selbst in seinem Schmerze dessen Absicht . Er faßte deßhalb seinen Arm und zwang ihn so , sich ebenfalls den Damen entgegen zu bewegen . Emilie bemerkte den Kummer in den Augen St. Juliens , und ihr ängstlich fragender , theilnehmender Blick wirkte zauberhaft auf den jungen Mann . Die Wolken des Kummers schwanden und das reinste Entzücken leuchtete aus seinen Augen . Die Gräfin war heiter und fragte nach den ersten Begrüßungen lächelnd : Nun , haben Sie Ihren Kapellmeister geneigt gefunden , die ersten Proben zu Ihrem großen Koncert heut Nachmittag zu leiten ? Er schlägt mir hartnäckig allen Beistand ab , erwiederte St. Julien , wenn ihm Dübois nicht die Erlaubniß dazu ertheilt . Ich habe mit Dübois schon darüber gesprochen , sagte die Gräfin gütig ; er sieht es ein , daß es eine Thorheit wäre , wenn man um kläglicher Rücksichten Willen in seinem Hause nicht sein eigner Herr sein wollte . Nun , sagte St. Julien mit einem gutmüthig schadenfrohen Blick auf Gustav , der Sieg wäre also mein , und heut Nachmittag ist trotz Dübois Weisheit die erste Probe . Wenn Sie auch über mich spotten , erwiederte der Jüngling empfindlich , so bleibe ich doch dabei , daß ich nichts gegen Herrn Dübois Rath unternehmen werde . Er ist viel zu gütig gegen mich gewesen , als daß ich ohne Undankbarkeit anders handeln könnte . Sie haben Recht , sagte die Gräfin , indem sie ihm gütig die Hand reichte , die der Jüngling mit großer Ehrerbietigkeit küßte . Ich achte selbst Herrn Dübois so hoch , daß ich nichts thun möchte , was ihn kränken könnte , und ich würde lieber auf ein Vergnügen Verzicht leisten , als ihm einen Kummer verursachen , und Herr St. Julien denkt im Grunde eben so , wie ich . Ja wohl , rief dieser mit inniger Empfindung , ich glaube , ich bin ihm noch mehr Dank schuldig , als unser Freund Gustav , und mich freut es , setzte er lächelnd hinzu , daß er ihm erlaubt , die Würde unseres Kapellmeisters anzunehmen , denn sonst , sehe ich , hätten wir doch wohl darauf Verzicht thun müssen . St. Julien konnte sich nicht entschließen , die schöne Heiterkeit auf Emiliens Stirn durch die Nachricht zu trüben , daß er bald würde scheiden müssen ; auch schienen ihm zwei Monate in diesem Augenblick noch ein langer Zeitraum , in welchem jede Stunde eine neue Art von Freude brächte , so daß er selbst sich den Genuß nicht trüben wollte . Er beschloß aber , dem Grafen den Brief seiner Mutter mitzutheilen , weil nun doch bald auf die Forderung des französischen Kommandanten der Festung * * * von der preußischen Regierung demselben die Weisung zukommen müßte , den bezeichneten Kriegsgefangenen zu stellen . So war also nun der Jüngling Gustav , der als ein armer Knabe auf Schloß Hohenthal angekommen war , zum Erstaunen der Bedienten , erst von ihnen abgesondert , dann wie ein junger Edelmann gekleidet , endlich in den Saal ihrer Herrschaft eingeführt worden , und er nahm Theil an deren Gesellschaft und an ihren Vergnügungen . Die große Kenntniß der Musik , die er vor Allen voraus hatte , wurde nicht bloß St. Julien nützlich , sondern auch den Damen , deren Singübungen er besser zu leiten verstand , und den Bitten der schönen Therese gelang es sogar , daß der junge Graf sich entschloß , die fehlende Baßstimme zu übernehmen ; aber freilich verursachte er bei seinem gänzlichen Mangel an musikalischer Kenntniß dem jungen Kapellmeister die meiste Beschwerde , der gerade eine Ehre darin suchte , daß sein Beschützer sich besonders auszeichnen sollte . So schwanden die schönen Herbsttage dahin unter abwechselnden Spaziergängen , Vorlesungen und musikalischen Uebungen , und der Jüngling Gustav fehlte nie in dem freundlichen Kreise , der nur durch den Prediger , den Arzt und den Obristen vermehrt wurde , denn der Graf hatte sich von aller Gesellschaft zurück gezogen und als Grund offen