wissen wie er , selbst bei dieser wohlfeilen Art zu reisen , mit den wenigen Franken auskommen werde , die er von dem durch seinen großmüthigen Befreier ihm vorgestreckten Gelde noch übrig behalten hatte . Er verließ sich dabei auf das Glück , das seit kurzem sich ihm wieder zuwenden zu wollen schien . Es war ihm auch günstig , wenn gleich es ihm zuerst diese Gunst ein wenig unsanft bewies . « » Der Wanderer war noch nicht weit von Toulon auf dem Wege nach Marseille fortgeschritten , als er sich plötzlich in einer als unsicher berüchtigten Gegend von Räubern umringt sah ; ein Schlag auf den Kopf streckte ihn bewußtlos hin , rein ausgeplündert blieb er regungslos liegen , während die Räuber , die ihn für getödtet halten mußten , mit seiner wenigen Habe entflohen . Wahrscheinlich wäre er nie wieder zum Leben erwacht , wenn nicht ein junger deutscher Kaufmann , der zufällig des Weges reisete - - - « » Ihn mitleidig aufgenommen hätte , « fiel hier Anna ein , die so lange mit immer steigender Aufmerksamkeit zugehört hatte . » Dieser Samariter , « fuhr sie fort , ohne durch Meinaus Erstaunen sich stöhren zu lassen , » dieser mitleidige Samariter ließ den Verwundeten fürs erste nach dem nahen Dörfchen Oliulles und dann nach Toulon ins Maltheserkreuz tragen , wo er selbst abgestiegen war . Dort pflegte er seiner mit großer Sorgfalt , bis er selbst nach einigen Tagen wieder abreisen mußte ; bei seiner Abreise übergab er ihn einem sehr angesehenen wackern in Toulon etablirten deutschen Kaufmann , Namens Weiler , in dessen Familie der Arme ebenfalls mit Herzlichkeit aufgenommen und mit der größten Aufmerksamkeit verpflegt wurde , bis er völlig genesen , ausgerüstet mit Geld und Empfehlungen - - - « » Hochwürdige Frau ! « unterbrach Meinau sie jetzt , der sich in seiner Verwunderung nicht länger mäßigen konnte . » Raimund war es ! « rief Anna , helle Freudenthränen im Auge und ohne ihm weiter zum Worte kommen zu lassen . » Raimund Holm , Raimund Bernhard von Leuen ! « Sie eilte jetzt , dessen Brief herbeizuholen , und dem Baron die auf dieses Ereigniß Bezug habende Stelle daraus mitzutheilen . » Nun wahrhaftig , das kommt immer besser ! « rief Meinau jetzt fröhlich aus , als Anna zu lesen aufgehört hatte . » So wäre denn der Roman völlig fertig , nur etwas Liebe muß noch hinein , die findet sich . Der gehörige Edelmuth wird auch am Ende nicht ausbleiben , denn hoffentlich wird doch Klarenau nicht mit dem Erretter seines Lebens einen Proceß anfangen wollen , um diesen um sein rechtmäßig ererbtes Eigenthum zu bringen ; und so wären wir ja mit einemmale aller Furcht vor Streit und Aerger entledigt . « Der Aufenthalt in Kleeborns sehr schönem Landhause , das er während der Sommerzeit mit den Seinen gewöhnlich zu bewohnen pflegte , gewährte den beiden Freundinnen Angelika und Vicktorine wenigstens ein ruhigeres Daseyn , als das Leben in der Stadt ihnen bieten konnte . An jedem schönen Abende wandelten sie Arm in Arm auf der hohen Terrasse vor dem Hause auf und nieder , bis die sinkende Nacht die weite Aussicht über Strom und Land und Meer mit ihrem dunkeln Schleier verhüllte . Sehnsuchtsvoll blickte Vicktorine dem majestätischen Laufe der mächtigen Schiffe nach , wenn sie auf dem prächtigen breiten Strome , der dicht am Garten vorüberfloß , mit geschwellten , von Abendschein gerötheten Seegeln dem lange ersehnten Hafen zueilten . Dann wandte sie seufzend das umdüsterte Auge der dämmernden Ferne zu , wo der Strom dem Meere sich vereint , bis es ' in Thränen überfloß und Himmel und Erde und Meer in eins ihr verschwammen . Angelika betrachtete vor allem gerne den tiefblauen Himmel , wenn an ihm ein Stern nach dem andern auftauchte . Auch ihrer müden Brust entrang sich dann manch leiser Seufzer , und ein trübes Lächeln schwebte um die bleiche Wange und den lieblichen festgeschlossenen Mund , der keiner Klage sich mehr öffnete . Beide Freundinnen suchten die Heimath ihrer Liebe auf , die eine dort oben , im glänzenden geheimnißvollen Reiche , von Tausenden im ewigen Sphärentanz einander umkreisenden fernen Sonnen ; die andere zwar noch auf der grünenden blühenden Erde , aber weit , weit weg , jenseits der immer bewegten Wogen , die , wie der nächtliche Himmel , dem Sterblichen ein Bild der Unendlichkeit sind . Agathe umflatterte zuweilen die Beiden , so wie ein leichter luftiger Schmetterling fröhlich die rothe und die weiße Rose umtanzt , welche die Kunst des Gärtners einem einzigen Stocke entblühen lies . Aber sie wußte doch dabei die zu schonen , welche nicht so glücklich waren als sie selbst , und hüthete sich sorgsam davor , sie durch unzeitig angebrachten Scherz zu verletzen . Ihr Lieblingsplätzchen im Garten war eine kleine Anhöhe , von der sie den Weg übersehen konnte , welchen Horst gewöhnlich kam , wenn er sie besuchen wollte . Mehr als zehnmal des Tages erstieg sie diese , sogar wenn sie wußte daß er heute unmöglich kommen könne , und war er nun da , so schalt sie ihn tapfer aus , denn er fing gewöhnlich an , die Tage und Wochen zu berechnen , die bis zu dem im Herbst angesetzten Hochzeitstage noch vergehen mußten . Die Kleine pflegte bei solchen Gelegenheiten sich gewaltig zu ereifern , was ihr indessen nach ihres Bräutigams Urtheil recht allerliebst stand , der daher auch nie unterließ , sie zum Zorne zu reizen . » Ich habe es Dir schon tausendmal gesagt , « sprach sie einst , » daß das eine ganz alberne und unnütze Rechnung ist . Wie kann ich denn heurathen ohne die Tante und wer kann vorher wissen , wenn die kommen wird . Daß sie mir den Kranz aufsetzt und keine andere , das steht nun einmal fest ; doch wo sie jetzt stecken mag , wissen die Götter . Sie schreibt