so wie es eben vorkam . Wie groß war daher meine Verwunderung und mein Vergnügen , als ich nach einigen Wochen bemerkte , daß die Fülle des Beutels noch nicht abgenommen hatte , sondern daß er noch so rund und strotzend war wie anfangs . Ich wollte mich dieser schönen Eigenschaft näher versichern , setzte mich hin zu zählen , merkte mir die Summe genau und fing nun an , mit meiner Gesellschaft lustig zu leben wie vorher . Da fehlte es nicht an Land- und Wasserfahrten , an Tanz , Gesang und andern Vergnügungen . Nun bedurfte es aber keiner großen Aufmerksamkeit , um gewahr zu werden , daß der Beutel wirklich abnahm , eben als wenn ich ihm durch mein verwünschtes Zählen die Tugend , unzählbar zu sein , entwendet hätte . Indessen war das Freudenleben einmal im Gange , ich konnte nicht zurück , und doch war ich mit meiner Barschaft bald am Ende . Ich verwünschte meine Lage , schalt auf meine Freundin , die mich so in Versuchung geführt hatte , nahm es ihr übel auf , daß sie sich nicht wieder sehen lassen , sagte mich im Ärger von allen Pflichten gegen sie los und nahm mir vor , das Kästchen zu öffnen , ob vielleicht in demselben einige Hülfe zu finden sei . Denn war es gleich nicht schwer genug , um Geld zu enthalten , so konnten doch Juwelen darin sein , und auch diese wären mir sehr willkommen gewesen . Ich war im Begriff , den Vorsatz auszuführen , doch verschob ich ihn auf die Nacht , um die Operation recht ruhig vorzunehmen , und eilte zu einem Bankett , das eben angesagt war . Da ging es denn wieder hoch her , und wir waren durch Wein und Trompetenschall mächtig aufgeregt , als mir der unangenehme Streich passierte , daß beim Nachtische ein älterer Freund meiner liebsten Schönheit , von Reisen kommend , unvermutet hereintrat , sich zu ihr setzte und ohne große Umstände seine alten Rechte geltend zu machen suchte . Daraus entstand nun bald Unwille , Hader und Streit ; wir zogen vom Leder , und ich ward mit mehreren Wunden halbtot nach Hause getragen . Der Chirurgus hatte mich verbunden und verlassen , es war schon tief in der Nacht , mein Wärter eingeschlafen ; die Tür des Seitenzimmers ging auf , meine geheimnisvolle Freundin trat herein und setzte sich zu mir ans Bette . Sie fragte nach meinem Befinden ; ich antwortete nicht , denn ich war matt und verdrießlich . Sie fuhr fort mit vielem Anteil zu sprechen , rieb mir die Schläfe mit einem gewissen Balsam , so daß ich mich geschwind und entschieden gestärkt fühlte , so gestärkt , daß ich mich erzürnen und sie ausschelten konnte . In einer heftigen Rede warf ich alle Schuld meines Unglücks auf sie , auf die Leidenschaft , die sie mir eingeflößt , auf ihr Erscheinen , ihr Verschwinden , auf die Langeweile , auf die Sehnsucht , die ich empfinden mußte . Ich ward immer heftiger und heftiger , als wenn mich ein Fieber anfiele , und ich schwur ihr zuletzt , daß , wenn sie nicht die Meinige sein , mir diesmal nicht angehören und sich mit mir verbinden wolle , so verlange ich nicht länger zu leben ; worauf ich entschiedene Antwort forderte . Als sie zaudernd mit einer Erklärung zurückhielt geriet ich ganz außer mir , riß den doppelten und dreifachen Verband von den Wunden , mit der entschiedenen Absicht , mich zu verbluten . Aber wie erstaunte ich , als ich meine Wunden alle geheilt , meinen Körper schmuck und glänzend und sie in meinen Armen fand . Nun waren wir das glücklichste Paar von der Welt . Wir baten einander wechselseitig um Verzeihung und wußten selbst nicht recht warum . Sie versprach nun , mit mir weiterzureisen , und bald saßen wir nebeneinander im Wagen , das Kästchen gegen uns über , am Platze der dritten Person . Ich hatte desselben niemals gegen sie erwähnt ; auch jetzt fiel mir ' s nicht ein , davon zu reden , ob es uns gleich vor den Augen stand und wir durch eine stillschweigende Übereinkunft beide dafür sorgten , wie es etwa die Gelegenheit geben mochte ; nur daß ich es immer in und aus dem Wagen hob und mich wie vormals mit dem Verschluß der Türen beschäftigte . Solange noch etwas im Beutel war , hatte ich immer fortbezahlt ; als es mit meiner Barschaft zu Ende ging , ließ ich sie es merken . - » Dafür ist leicht Rat geschafft « , sagte sie und deutete auf ein Paar kleine Taschen , oben an der Seite des Wagens angebracht , die ich früher wohl bemerkt aber nicht gebraucht hatte . Sie griff in die eine und zog einige Goldstücke heraus , sowie aus der andern einige Silbermünzen , und zeigte mir dadurch die Möglichkeit , jeden Aufwand , wie es uns beliebte , fortzusetzen . So reisten wir von Stadt zu Stadt , von Land zu Land , waren unter uns und mit andern froh , und ich dachte nicht daran , daß sie mich wieder verlassen könnte , um so weniger , als sie sich seit einiger Zeit entschieden guter Hoffnung befand , wodurch unsere Heiterkeit und unsere Liebe nur noch vermehrt wurde . Aber eines Morgens fand ich sie leider nicht mehr , und weil mir der Aufenthalt ohne sie verdrießlich war , machte ich mich mit meinem Kästchen wieder auf den Weg , versuchte die Kraft der beiden Taschen und fand sie noch immer bewährt . Die Reise ging glücklich vonstatten , und wenn ich bisher über mein Abenteuer weiter nicht nachdenken mögen , weil ich eine ganz natürliche Entwickelung der wundersamen Begebenheiten erwartete , so ereignete sich doch gegenwärtig etwas , wodurch ich in Erstaunen , in Sorgen , ja in Furcht gesetzt wurde . Weil ich , um von der Stelle zu kommen ,