wollt ihr wieder Händel anstiften ! « - Anton hielt ihn und sagte : er könne so harte Zucht nicht zugeben ; darauf führte der Wirt mürrisch die beiden Frauen fort . Anton sah jetzt seine Retterin , das kleine Mädchen , freundlich an und fragte sie : » Wie heißt du ? « - » Susanna , Herr ! « - » Wohl denn , Susanna , sei die keusche Susanna , so bleibe ich bei dir ! « - » Ihr seid sehr gütig , lieber Herr « , antwortete sie , » aber ich bin ein armer Aschenprödel und habe nur eine ärmliche Streu . « - » Mir einerlei , ich bin müde und möchte bald Ruhe haben ! « - Susanna führte ihn unter eine Treppe , wo ihre Schlafkammer aufgeschlagen war ; sie brachte ihm eine kleine Blechlampe , wobei er das Strohlager erkannte , von einem reinlichen , aber zerrissenen Leintuche bedeckt ; eine gemeine gewürfelte wollene Pferdedecke diente zum Kopfkissen , eine andre zur Decke ; sie zeigte ihm ein Kruzifix zum Beten und ging dann fort , um noch die Teller in der Küche abzuwaschen . Anton verwunderte sich wohl über das schwarzgelockte Mädchen , das so viel für ihn getan und so gar nichts von ihm zu verlangen schien , dem er aus Dankbarkeit nichts hätte abschlagen können ; dann löschte er die Lampe aus und schlief , gegen seinen Willen , schnell ein . Der Hunger weckte ihn Morgens frühe ; er hatte Abends mehr getrunken als gegessen , doch strahlte ihm schon der Lampenschein in die Augen , ungeachtet sie mit einer Schürze verhangen war . Susanne lag vor dem Kruzifixe und betete den Rosenkranz dann stand sie auf , die zierlichste Gestalt im Übergange zur weiblichen Fülle , aber noch unbeendigt und schlank . Es war jene goldene Mädchenzeit , wo sie in doppelter Gestalt zu leben scheinen , in der künftigen und in der gegenwärtigen ; aber ihr ganzes Wesen hat eine Freiheit von dem Bedürfnisse und einen Reiz , daß sie mit großer Überlegenheit alle beherrschen , daß sie jede Huldigung anerkennen , aber keine erwidern mögen . O wenn ihr nicht selbst Engel wärt in dem Alter , ihr Mädchen , so würden euch alle Engel schützen , und für alles Gute , was ihr in dem Alter unbewußt tut , könnt ihr nachher lange sündigen . Nachdem sie mit großer Scheu vor dem Schlafenden sich angezogen hatte , trat sie leise zu ihm , öffnete mit wunderbar leichter Hand den Verband seines Fingers , nahm ihn ab , küßte ihn und legte ihn in eine kleine blecherne Kapsel , die sie sich an einem Schnürchen um den Hals hing . Anton konnte es jetzt nicht lassen , nach seinem Finger zu sehen ; er fürchtete , daß nach der Abnahme des Verbandes er sich die Kleider vollbluten würde ; ihm war aber , als erwachte er aus einem Traume , wo er einen guten Freund verloren , der nun lebend vor seinem Bette stand , als er den abgehauenen gesund und unversehrt , bis auf einen schmalen , roten Strich , der quer durch wie ein Feuermal lief , an seiner Hand sah . Jetzt glaubte er erst , daß er träume ; er bewegte ihn des Versuches wegen , und er war seinem Willen folgsam wie sonst ; auch fühlte er damit die Spitzen des Strohs , wo an jener Seite das Bettlaken sich zurückgezogen hatte . Sie schien seine Bewegung nicht zu bemerken , sondern war eben mit der beschwerlichen Arbeit beschäftigt , einige Steine des gepflasterten Bodens auszuheben ; sie kam endlich damit zu Stande , öffnete einen Kasten , der dort vergraben , und holte einen männlichen gelben Wams , Pluderhosen , ein rotes Barett und einen Gurt mit dem Messer heraus ; das zog sie alles an und erschien dem Lauernden plötzlich in einen schönen Edelknaben verwandelt . Länger konnte er seine Verwunderung nicht bergen , er richtete sich auf und sprach : » Hast du dich verwandelt , Wundermädchen , bist du Susanne nicht mehr , hast du mich auch verwandelt , bin ich ein Mädchen geworden ? « - Sie kniete sich bescheiden nieder und bat ihn um Verzeihung , daß sie ihm nicht früher ihren Plan mitgeteilt hatte , ehe die Ausführung schon so weit gediehen . » Ich bin in diesem Hause geboren und auferzogen ; ich kann nicht länger hier verweilen ; seit der Geschichte gestern abend würde ich die Neugierde aller auf mich ziehen , ich würde als ein Opfer böser Lust fallen , wie ich so viele fallen gesehen ; nehmt mich fort , gnädiger Herr ! niemand wird mich in dieser Tracht vermuten ; ich gehe Euch nach wie ein Bube aus dem Trosse , der Euch abholen soll ; gestern verspracht Ihr mir so viel zum Danke , seht , jetzt fordere ich das einzige von Euch . « » Alles , liebes Kind , will ich dir gewähren ; was brauchst du der Verkleidung , sei es mit Gewalt oder Güte , ich schaffe dich aus diesem Hause der Schande heraus . « » Und was sollte dann aus mir werden , wer nähme mich hier in seine Dienste , hier kennt mich jedermann , von allen Kindern bin ich ausgeschimpft worden , wenn ich einkaufte am Markte ; ich muß fort von hier , von der Stadt , von dem Lande ; ich ziehe mit Eurem Fähnlein als Troßbube ; zu diesem Gebrauche habe ich mir die Kreuzer erspart , die mir zum Lohne und als Trinkgeld hier gegeben sind . Ein Edelknabe verkaufte mir diese Tracht , der aus einer unsinnigen Leidenschaft zu einer Frau unseres Hauses sich hier , in Mädchenkleidern versteckt , aufhielt . « » Wie hieß der Knabe , wo ist er geblieben ? « » Kurt hieß er , aus Pforzheim ; er ließ sich in nächtlicher Weile mit der geliebten