, der reiche Engländer nähere sich seinem Kinde mit ehrlicher Liebe , leichter aber hielt er es für Freundlichkeit oder Sitte . Er ward nun täglich stumpfer , und hatte wenig Freude mehr an seinem Geschäfte . Bald aber erhielt sein Glück den heftigsten Stoß , mehrere fehlgeschlagene Operationen und ein großer Banqueroutt machten ihn unzahlbar , - er war in der größten Verzweiflung - und beinahe auf dem Wege , sich sein Leben zu nehmen . Diese Gemütsstimmung empfand Marie schmerzlich : sie hatte schon einige Tage bemerkt , daß er sehr traurig war , ihr auswich , und wenig bei Tische aß . Die Verschlossenheit ihres Vaters gegen sie bei einem sichtbaren Leiden war ihr sehr drückend ; sie hatte es nie erfahren , und konnte nur glauben , sie selbst sei schuld daran , sie müsse ihn sehr gekränkt haben , daß er nicht einmal mit ihr sprechen könne . Wenn sie auch alles überdachte , so konnte sie nichts in ihren Handlungen finden , bis sie endlich vermutete , ihrem Vater mißfalle ihre unbefangene Vertraulichkeit mit Godwi , und er denke Böses von ihr . Dieses bewog sie zu einer Kälte gegen den Engländer , welche er sehr unverständlich fand . Zwei Tage war diese allgemeine Spannung im Hause - , als es endlich zu einer Erklärung kam . Wellner , Godwi und Marie saßen abends zu Tische , alle stumm und traurig . Gegen das Ende konnte Marie es nicht mehr verbergen . Wellner hatte sie sehr wehmütig angesehen , sie konnte ihren Schmerz nicht mehr halten , die Tränen stiegen ihr in die Augen , und sie verließ laut weinend die Stube . Wellner folgte ihr mit den Ausrufungen » Gott , Gott ! du armes Kind ! « in die Nebenstube . Godwi saß nun allein an dem Tische , spielte mit dem Messer , und fühlte jene fatale Ruhe der Selbstverachtung , um die sich schöner Schmerz bewegt - , er sang ohne zu wissen die Worte : God save the king , und setzte mit einem fürchterlichen Bewußtsein die Worte : and damn me , dazu . - Er stand auf , ging schnell nach der Türe , und blieb starr vor ihr stehen , als er Mariens Worte hörte : - » O lieber , lieber Vater , ich liebe ihn nicht , ich liebe Godwi nicht , o denkt nichts Böses von mir - « Er hörte erstaunt folgendes Gespräch , und in seinem Herzen waren viele schmerzliche Anklänge , die wir bald verstehen werden - » Liebe Marie , das ist es nicht , was mich ängstigt ; o wie konnte ich deinem armen Herzen diesen Schmerz lassen ! « » Wir sind sehr unglücklich , lieber Vater , Annonciata ist verloren , Joseph ist verloren , ach und euer Vertrauen ist verloren , ach mein Vater , gebt mein Einziges nicht so hin ! « » Das ist es nicht , Mädchen , das nicht , ( hier hob er hart und kalt die Stimme ) aber ich bin ein Bettler , bald , bald , und du die Tochter eines ehrlosen Bettlers . « - Der Engländer bebte , und ward ruhiger , eine Zeitlang hörte er nicht mehr sprechen , - dann erhob Marie ruhiger die Stimme - » Lieber Vater , nur das , o das ist es nicht , ich verstehe es vielleicht nicht , aber das wird uns nicht unglücklich machen . - Leben , - das bißchen Leben wollen wir gewinnen , und nach uns wird doch niemand kommen , der von uns begehrt ; wir werden allein sein , und lebt nur ruhig , sterbt ruhig , ich will ruhig nach euch sterben . « - Godwi verließ die Stube , und ging nach seinem Zimmer , wo er alles empfand , was ein Mensch leidet , dem das Leben durch innere Fülle und äußeren Überfluß lange so leicht als Tugend und Laster war , und der mit wenigem geretteten Selbstgefühl in die Geschichte einfacher liebender Menschen tritt , ohne doch von diesen eigentlich als ein Wesen anerkannt zu werden , das wirklich teil an ihnen hat . Siebenundzwanzigstes Kapitel Der Godwi , den ich hier nannte , ist unsers Godwis Vater . Ich las diesem vor , was ich schrieb , und er gab mir einige Blätter seines Vaters , die er in der Zeit seines Lebens bei Wellner , und auch an jenem Abend niedergeschrieben hatte : sie könnten eigentlich alle an diesem Abend , geschrieben sein , weil sich an ihm alles sammelte , was er damals empfand . Diese Blätter sind lauter Bruchstücke von Erinnerungen aus seinem Leben , die ihm zu Empfindungen wurden , und die sein Sohn historisch selbst nicht genau kannte . - Ich setze davon das Merkwürdigste hieher , um seine Geschichte aus seinen Empfindungen den Lesern vermutlich zu machen . - Es wird ihnen um so leichter werden , dieses zu tun , als es sehr viele Menschen giebt , denen alles leicht und das Bedürfnis dringend war . Ich lasse diese Fragmente ohngefähr so folgen , wie sie mir in der Zeit gefolgt zu sein scheinen - . » Ich möchte oft lachen und weinen über meine sogenannte Ungeschicklichkeit im Leben , die doch nichts als eine wunderbare Überzeugung bleibt , daß alle Geschicklichkeit lächerlich ist - ich bleibe immer stehen , komme nicht weiter , wenn ich irgend eine Geschicklichkeit erlange , denn ist Geschicklichkeit etwas anders ? als : bei einer Sache länger verweilen zu dürfen , als es schicklich ist . - « » Es zieht mich alles an , aber ich stehe immer im Zweifel , ob ich willkommen bin ; nähere ich mich einer Sache , so möchte ich meine Verlegenheit nicht merken lassen , und mache alle Wissenschaften in mir irren ; wenn ich dann sehe , daß sie sich in mir geirrt , so sage ich etwa , kann ich die Wissenschaft betrügen