er . O wie zwei Menschen , ähnliche Wesen , einander fremd und ungleich werden , bloß weil eine Gottheit zwischen beiden schwebt und beide anglänzt ! Etwas blieb in ihm unharmonisch und unaufgelöset ; er fühlt ' es so sehr , da die Sommernacht für höhere Entzückungen schimmerte , als er hatte - da der tief im Äther zitternde Abendstern der Sonne durch die Wolkenrosen nachdrang , worunter sie begraben war - da die Ährenfluren dufteten und nicht rauschten , und die zugeschlossenen Auen grünten und nicht glühten - und da die Welt und jede Nachtigall schlief , und da das Leben unten ein stiller Klostergarten war , und nur oben die Sternbilder als silberne Ätherharfen vor Frühlingswinden ferner Erden zu zittern und zu tönen schienen . Er mußte Liane morgen wiedersehen , um sein Herz auszustimmen . Rabette kam unendlich erheitert mit ihrem Freunde vom Berge herauf , beide schienen von Scherzen und Lachen fast ermattet ; denn Roquairol trieb alles , sogar den Scherz , bis zur Pein hinauf . Er hatte den Abendstern , auf den er heute eingeladen , in ein Treib- und Stammhaus lustiger Einfälle und Anspielungen umgebauet . Anfangs wollt ' er nicht schon morgen mitkommen ; aber endlich sagt ' ers zu , da Rabette versicherte , » sie errate den feinen Herrn recht gut , aber er solle doch sie nur sorgen lassen « . Als die Morgenröte aufging , kam Albano mit ihm wieder , aber die Gartentüre am » Herrschaftsgarten « war schon offen und Liane schon in der Laube . Ein Akten-Heft ( so schien es ) lag auf ihrem Schoß und ihre gefalteten Hände daneben , sie blickte mehr sinnend geradehin als betend empor ; doch empfing sie ihren Albano so mild- und fremdlächelnd , wie ein Mensch einen ins Gebet hereintretenden Gast grüßend anlächelt und dann weiterbetet . Der Graf hatte sich bisher immer auf eine Zurückgezogenheit des Empfangs rüsten müssen . Ein Mißverstand , der schnell wiederkommt , wirkt , sooft er auch gehoben sei , immer wieder so irrend und neu wie zum ersten Male . Er fühlte recht stark , daß ihn etwas Festeres als die erste jungfräuliche Blödigkeit , womit ein Mädchen für die blendende Sonne der Liebe immer außer der Morgenröte noch eine Dämmerung und für diese wieder eine erfinden will , im feurigen Verschmelzen ihrer Seelen störe . Er fragte , was sie lese ; sie stockte bedenkend ; ein schnell heranfliegender Gedanke schien ihr Herz zu öffnen ; sie gab ihm das Buch und sagte , es sei ein französisches Manuskript , nämlich geschriebene Gebete - von ihrer Mutter vor mehreren Jahren aufgesetzt - , welche sie mehr rührten als eigne Gedanken ; aber noch immer blickte durch das zartgewebte Gesicht ein Klostergedanke , der ihr Herz zu verlassen suchte . - Was konnte Albano dieser Herzens-Psalmistin vorwerfen , wer kann einer Sängerin Antwort geben ? - Eine Betende steht wie eine Unglückliche auf einer hohen , heiligen Stätte , die unsere Arme nicht erreichen . - - Aber wie schlecht müssen die meisten Gebete sein , da sie - obwohl früher als Reize bezaubernd gleich dem Rosenkranz , der aus wohlriechenden Hölzern gemacht wird - später , im Alter , nur als Flecken und der Reliquie oder dem Totenkopf ähnlich wirken , womit eben der Rosenkranz aufhört ! Ohne auf seine Frage zu warten , sagte sie ihm auf einmal , was sie unter ihrem Gebete gestöret habe ; nämlich die Stelle in diesem : » O mon dieu , fais que je sois toujours vraie et sincère etc. « , da sie doch ihrer lieben Mutter bisher ihre Liebe verschwiegen habe . Sie setzte dazu , sie komme nun bald , und dann werde ihr das verschlossene Herz aufgetan . » Nein , « ( sagt ' er fast zornig ) » du darfst nicht , dein Geheimnis ist auch meines . « - Männer verhärtet oft das in der Prosa , was sie in der Poesie erweicht , z.B. weibliche Frömmigkeit und Offenherzigkeit . Nun haßte niemand mehr als er das Eingreifen der elterlichen Schreib- und Zeige- und Ohrfinger in ein Paar verknüpfte Hände ; nicht daß er etwan vom Minister Kriege oder Nebenwerber befürchtete - er setzte eher offne Arme und Freudenfeste voraus - , sondern weil seinem befreieten und befreienden , großmütigen Geiste nichts peinlicher widerstand als die widrige Erwägung , was nun auf dem Altar der Liebe an das heilige Opferfeuer die Eltern für schmutzigen Torf zur Feuerung nachlegen oder für Töpfe zum Kochen ansetzen könnten - wie leicht dann sogar poetische Eltern sich oft mit den Kindern verwandeln in prosaische oder juristische , der Vater sich ins Regierungs- , die Mutter ins Kammerkollegium - wie wenigstens dann die Hofluft leibeigen mache , so wie nur der poetische Himmels-Äther frei - und welche Perturbationen seinem Hesperus von dem anziehenden Weltkörper , vom alten Minister bevorständen , der bei der Liebe nichts unnützer fand als die Liebe und dem die heiligsten Empfindungen für Standesehen so brauchbar schienen wie für Predigtämter das Hebräische , nämlich mehr im Examen als im Dienste . - So schlimm dacht ' er von seinem Schwiegervater , denn er kannte das Schlimmere nicht . Aber die gute Tochter dachte von ihrer Mutter viel höher als ein Fremder , und ihr Herz widerstrebte schmerzlich dem Schweigen . Sie berief sich auf ihren hereintretenden Bruder . Aber dieser war ganz Albanos Meinung : » Die Weiber « ( setzte er , nicht in der besten Laune , hinzu ) » mögen lieber von als in der Liebe sprechen , die Männer umgekehrt . « - » Nein , « ( sagte Liane entschieden ) » wenn mich meine Mutter fragt , so kann ich nicht unwahr sein . « » Gott ! « ( rief Albano erschrocken aus ) , » wer könnte auch das wünschen ? « Denn auch ihm war freie Wahrheit der offne Helm des Seelenadels ; nur sagte