immer mehr von dem Zutrauen , das man für ein höheres aber wohlthätiges Wesen fühlt , zu ihr zu fassen . Er will sie bloß ihr selbst , nicht seinem Ungestüm noch seinen Schätzen , zu danken haben ; und dieß ist , wenn ich sie recht beurtheile , gerade das Geheimniß sie zu gewinnen . Sie werden ( wenigstens so lange als ihn der König nicht an seine Hofstatt beruft ) abwechselnd bald zu Ephesus , bald zu Sardes , bald auf den prächtigen Gütern , die er in Lydien hat , leben , und Lais wird einen Zauberkreis von Freuden und Scherzen , Musen und Grazien , um ihn her ziehen , der seine Wohnung in einen Göttersitz verwandeln wird . Arasambes hat alles versucht , mich bei ihm zurückzuhalten : aber Umstände und Pflichten , und ich weiß nicht welches stille aber drängende Sehnen nach der vaterländischen Luft , rufen mich gebieterisch nach Libyen zurück . Doch werde ich , bis zu der Jahreszeit , die der Ueberfahrt die günstigste ist , bei ihm verharren , und wenn ich es irgend bewerkstelligen kann , dich , mein Freund , noch vorher zu Samos sehen . 5. Aristipp an Lais . Ich rathe dir , schönste und mächtigste der Erdentöchter , opfre der Ate10 unverzüglich das Kostbarste was du - entbehren kannst ; denn du bist zu glücklich , als daß deine Freunde deinetwegen ruhig seyn dürften . Nicht , als ob du es für deinen Werth je zu viel seyn könntest : sondern weil es ( wie man sagt ) neidische Mächte gibt , welche nicht wollen , daß die Götter alle Schätze ihres Füllhorns so verschwenderisch auf ein einziges sterbliches Wesen herabschütten . Arasambes ist , nach allem was mir Kleonidas von ihm meldet , deiner würdig , und nach allem was du selbst anzudeuten scheinst , dem Glücke nah ' von dir dafür erkannt zu werden . Deine Weisheit wird dich in dem goldnen Strom , worin du schwimmst , vor Uebermuth bewahren ; deine Edelmüthigkeit wird in einem weiten Kreise Glückseligkeit um dich her verbreiten ; und die Klugheit , die ich dir wünsche , wird den Gedanken an die Zukunft und die ungewisse Flüchtigkeit des Gegenwärtigen nie ganz aus deiner Seele schwinden lassen . Auch erinnerst du dich , wie ich sicher hoffe , mitten unter den glänzenden und rauschenden Freuden , die dich täglich umschwärmen werden , zuweilen eines Freundes , der in seiner Art vielleicht doch einzig ist , und den du immer da , wo du ihn ließest , wieder finden sollst . Denn weder Ort noch Zeit werden je die Gesinnungen schwächen , die dein erster Anblick in ihm anfachte und eine Folge freudebringender Horen , im trauten Umgang unsrer verschwisterten Seelen , zur Reife brachte . Sollte auch eine Zeit kommen , die ihm jeden andern Genuß entzöge , so wird die bloße Erinnerung an Aegina , Korinth und Milet ihm Ersatz für alles seyn , und , so lang er weiß daß du glücklich bist , ihn gegen alles , was seine Ruhe von außen bestürmen könnte , gleichgültig machen . 6. Aristipp an Hippias . Ich höre mit vielem Vergnügen , daß du im Begriff bist das unruhige Samos zu verlassen und in die schöne und reiche , den Frieden und die Künste des Friedens liebende Hauptstadt von Ionien zu ziehen , wo du dich in jeder Hinsicht besser befinden wirst ; es sey daß du einen würdigen Schauplatz für deine Talente , oder nur einen Ort suchest , wo du , so frei und angenehm als vielleicht an keinem andern in der Welt , einer selbst erwählten Gesellschaft von Freunden , den Musen und deinem Genius leben kannst . Was hätte dich auch länger in Samos zurückhalten sollen ? Ueberall , wo die Athener den Meister spielen , ist in die Länge nicht gut wohnen . Ich habe öfters sagen hören , der Athener sey nirgends artig und liebenswürdig als in Athen selbst ; ich für meine Person habe gefunden , daß sie allenthalben die liebenswürdigsten aller Menschen sind , sobald sie eine Ursache haben es seyn zu wollen , und die widerwärtigsten , sobald sie jenes für unnöthig halten . Wenn sie dieß zu Athen weniger zu seyn scheinen , so rührt es vielleicht von einer zwiefachen Täuschung her . In den Inseln sind sie die Wenigern an der Zahl , und ihre Unarten fallen daher um so stärker auf , zumal da sie gewohnt sind , sich gegen ihre Colonien , Schutzverwandten und Unterthanen alles zu erlauben . Zu Athen sind eben dieselben Unarten unter die ganze Masse der Bürger vertheilt , also an den einzelnen weniger auffallend , wie man sich im Lande der Buckligen bald gewöhnen würde lauter Höcker zu sehen . Ueberdieß kommt den Athenern zu gut , daß alles , was ein gebildeter Mensch nur immer zu sehen , zu hören und zu genießen verlangen kann , so vollständig und in einem so seltnen Grade von Vollkommenheit in Athen vereiniget ist , daß ein Fremder , der sich auf einmal in den Mittelpunkt alles Großen , Schönen und Angenehmen versetzt glaubt , den Glanz , den das Ganze von sich wirft , auch auf den Einwohnern widerscheinen sieht , und das , was ihm von ihrer häßlichen Seite in die Augen fällt , um so mehr in einem mildernden Lichte betrachtet , je mehr sie sich anfangs beeifern , ihm nur die schöne und gefällige zu zeigen . Du wirst in den ersten Tagen eine große Aehnlichkeit zwischen den Athenern und Milesiern finden ; sie dient aber nur , die Verschiedenheit desto auffallender zu machen , welche , meines Bedünkens , ganz zum Vortheil der letztern ist . Doch ich will deinem eignen Urtheil nicht vorgreifen , und bin vielmehr begierig , das meinige dadurch entweder bestätiget oder berichtiget zu sehen . Vermuthlich ist dir Xenophons Anabasis11 bereits zu Gesichte gekommen , die seit einiger Zeit so viel von