Sache einen harmloseren Anstrich und läßt an ein zufälliges Zusammentreffen glauben . Du machst der Mutter deines ehemaligen Zöglings einen Besuch , Emil , und stellst ihr Gretchen als deine Frau vor ; das ist glaublich für die Dienerschaft , Die Damen wissen , um was es sich handelt . Ich selbst reite nach der Grenzförsterei und warte , wie verabredet , in der Nähe derselben mit den Pferden . – Und nun laß dir das übrige von deinem Manne auseinandersetzen , mein Kind ! Ich habe keine Zeit mehr . « Damit ging er , und Gretchen setzte sich wieder auf das Sofa , um die Mitteilungen ihres Gatten entgegenzunehmen , sehr befriedigt darüber , daß man sie endlich auch wie eine Polin behandelte und an der Verschwörung teilnehmen ließ . – Es war Abend oder vielmehr Nacht geworden . Auf dem Gutshof schlief schon alles , und auch im Schlosse hatte man die Dienerschaft möglichst früh zu Bett geschickt . Im oberen Stockwerk waren noch einige Fenster hell ; der grüne Salon und die beiden anstoßenden Gemächer waren erleuchtet , und in einem der letzteren stand der Theetisch , den man hatte herrichten lassen , um den Dienern keinen Anlaß zur Verwunderung zu geben . Das Abendessen blieb natürlich eine bloße Form . Weder die Fürstin noch Wanda waren zu bewegen , auch nur das Geringste zu sich zu nehmen , und jetzt wurde auch Professor Fabian rebellisch und weigerte sich , Thee zu trinken . Er behauptete , auch nicht einen Tropfen davon hinunterbringen zu können , wie ihn seine Frau auch von der Notwendigkeit einer Stärkung zu überzeugen suchte . Sie hatte ihn halb mit Gewalt an den Theetisch gebracht und hielt ihm dort eine leise , aber eindringliche Strafpredigt . » Aengstige dich nicht so , Emil ! Du wirst mir sonst noch krank vor Aufregung , wie die beiden Damen da drinnen . Gräfin Wanda sieht aus wie eine Leiche , und vor dem Gesicht der Fürstin könnte ich mich beinahe fürchten . Dabei spricht keine von ihnen ein Wort . Ich halte es nicht länger aus , diese stumme Todesangst mit anzusehen , und auch ihnen ist es eine Erleichterung , wenn sie einmal ohne Zeugen sind . Wir wollen sie auf eine halbe Stunde allein lassen . « Fabian stimmte bei , schob aber die ihm aufgenötigte Theetasse weit von sich . » Ich begreife gar nicht , weshalb ihr euch alle so verzweifelt anstellt , « fuhr Gretchen fort . » Wenn Herr Nordeck erklärt hat , daß er noch vor Mitternacht mit dem Grafen hier sein werde , so ist er hier , und wenn sie an der Grenze ein ganzes Regiment aufgestellt hatten , um ihn einzufangen . Der setzt alles durch . Es muß doch etwas an dem Aberglauben seiner Wiliczaer sein , die ihn für kugelfest halten . Da ist er wieder mitten durch Gefahren gegangen , bei deren bloßer Erzählung sich uns schon das Haar sträubt , und keine einzige berührt ihn auch nur . Er wird auch glücklich die Grenze passieren . « » Das gebe Gott ! « seufzte Fabian . » Wenn nur dieser Hubert nicht gerade heute in W. wäre ! Er würde Waldemar und den Grafen in jeder Verkleidung erkennen , wenn er ihnen begegnete ! « » Hubert hat sein Leben lang nur Dummheiten gemacht , « sagte Gretchen verächtlich , » Er wird in der letzten Woche seiner Amtsthätigkeit nicht noch etwas Kluges anstiften . Das wäre wider seine Natur . Aber in einem hat er doch recht . Kann man wohl den Fuß in dieses Wilicza setzen , ohne gleich wieder mitten in einer Verschwörung zu sein ? Das muß wohl hier so in der Luft liegen , denn sonst begreife ich nicht , wie wir Deutsche uns sämtlich zwingen lassen , zu Gunsten dieser Polen zu konspirieren , Herr Nordeck , Papa , sogar wir beide . Nun , hoffentlich ist dies das letzte Komplott , das in Wilicza angestiftet wird . « Die Fürstin und Wanda waren in dem anstoßenden Salon zurückgeblieben . Hier wie in sämtlichen Zimmern der ersteren war nichts verändert worden , seit sie dieselben vor einem Jahre verlassen hatte . Dennoch hatten die Räume den Anstrich des Oeden , Unbewohnten ; man fühlte , daß die Herrin ihnen so lange fern geblieben war . Im tiefen Schatten saß die Fürstin , unbeweglich und starr vor sich hin blickend . Es war derselbe Platz , an dem sie an jenem Morgen gesessen hatte , als Leos unseliges Kommen die furchtbare Katastrophe auf ihn und die Seinigen herabrief . Die Mutter rang schwer mit den Erinnerungen , die von allen Seiten auf sie einstürmten , als sie wieder den Ort betrat , der für sie so verhängnisvoll geworden war . Was war aus jenen stolzen Plänen , aus jenen Hoffnungen und Entwürfen geworden , die einst hier ihren Mittelpunkt fanden ! Sie lagen alle in Trümmern . Bronislaws Rettung war noch das einzige , was man dem Schicksal abringen konnte , aber diese Rettung war erst zur Hälfte vollbracht , und vielleicht in diesem Augenblick bezahlten er und Waldemar den Versuch , sie zu vollenden , mit dem Leben . Wanda stand in der Nische des großen Mittelfensters und blickte so angestrengt hinaus , als könnten ihre Augen die Dunkelheit durchdringen , die draußen herrschte . Sie hatte das Fenster geöffnet , aber sie fühlte es nicht , daß die Nachtluft scharf hereindrang , wußte nicht , daß sie zusammenschauerte unter dem kalten Hauch . Für die Gräfin Morynska hatte diese Stunde keine Erinnerung an die Vergangenheit mit ihren gescheiterten Plänen und Hoffnungen . Für sie drängte sich alles zusammen in dem einzigen Gedanken der Erwartung , der Todesangst . Sie zitterte ja nicht mehr für den Vater allein , es galt jetzt auch Waldemar , und das Herz behauptete trotz alledem seine Rechte – es galt zumeist ihm . Es war eine kühle