hart bis zur Grausamkeit -- und ihr kommt doch Keine gleich , Keine ! Leo , ich habe Dein Vorurtheil nie begreifen können . . . . Sei gut gegen sie -- stehe an ihrer Seite – ” “ Bis zum letzten Athemzug ! Bis über den Tod hinaus ! ” unterbrach er sie , kaum fähig , seiner stürmischen Bewegung Herr zu werden . “ Sieh , nun ist Alles gelöst ! Ich weiß es , hältst Du sie in treuer Hut , dann wird meine starke , meine mutige Käthe stets zwischen Dir und allem Ungemach stehen – ” “ Wie eine treue Schwester , die ich ihm von dieser Stunde an sein werde , ” vollendete Käthe mit halberstickter Stimme . Ein geisterhaftes Lächeln irrte um Henriettens Mund -- sie schloß die Augen . Sie sah nicht , daß durch die Glieder der Starken , Mutigen Schauer liefen , als schüttle sie das Fieber -- sie sah nicht , daß sie Brucks dargebotene Rechte mit weggewendetem Gesicht von sich schob , als sei selbst ein Händedruck nicht statthaft . Das Lächeln erlosch , und aus der Brust der Sterbenden rang sich ein röchelnder Laut . “ Grüßet die Großmama ! -- Nun möchte ich Ruhe haben -- schaffe mir Ruhe um jeden Preis , Leo ! ” hauchte sie angstvoll . “ In zehn Minnten wirst Du schlafen , Henriette , sagte er in tiefen , beruhigenden Tönen . Er legte ihre Hand auf die Bettdecke zurück , und sich erhebend schob er feinen Arm sanft und unmerklich unter das Kopfkissen -- so lag sie wie ein Kind an seiner Brust -- seliges Sterben ! Und nach zehn Minuten schlief sie . Die hereinnickenden Weinblätter wehten leise , als streife sanfte Berührung an ihnen hin , und das Rosenlicht draußen , in das zu tauchen die Seele sich gesehnt hatte , erglühte plötzlich wie angefacht zum tiefsten Purpur . Und der kleine , kirre Vogel ließ sich wie immer zum Abendgruß auf dem Fenstersims nieder ; er zwitscherte leise herein , nach dem wachsweißen Mädchengesicht hin -- zum letzten Male , denn nun wurde auch dieser Fensterladen geschlossen , bis -- fremde Hände kamen und Besitz ergriffen vom Hause des Kommerzienrates . Da kam die Präsidentin herein , gebeugt , als habe ihr das so lange nachschleichende Alter nunmehr mit doppelter Wucht einen Stoß in das Genick versetzt . Die weiße Schleierwolke lag wieder um Kinn und Halse ; sie hatte die schwarze Krepphaube fortgeschleudert -- um einen Schurken trauere man nicht , hatte sie gesagt . Sie trat an das Bett , und ein leichter Krampf machte ihre Lippen beben , als sie in das stille Totengesicht sah . “ Ihr ist wohl , sagte sie mit brechender Stimme . “ Sie hat das bessere Theil erwählt ; nun braucht sie nicht in die Verbannung zu gehen -- der dickere , bittere Kampf mit der Armut ist ihr erspart geblieben . ” Flora aber kam und ging wortlos . Die zwei treuen Wächter am Totenbette existierten nicht für sie . Sie küßte die heimgegangene Schwester auf die Stirne , dann schritt sie , den Kopf in den Nacken zurückgeworfen , wieder nach der Thür , durch die sie gekommen . Wohl wurzelte ihr Fuß auf der Schwelle , aber sie wandte weder die Augen , noch den Kopf nach der Richtung , wo der Doktor stand und mit ernster , feierlicher Stimme die Grüße der Toten bestellte . Sie neigte unmerklich das Haupt , zum Zeichen , daß sie den Ausdruck des letzten Gedenkens in Empfang genommen , und ging mit rauschender Schleppe weiter , die Treppe hinab , um drunten Hut und Regenmantel anzulegen und nach dem nächstgelegenen Hotel zu gehen , in welchem sie Zimmer für sich und die Präsidentin gemietet hatte ; unter dem Dach des Verbrechers durfte kein Glied der Familie Mangold mehr schlafen , selbst die Tote nicht . Und als man auch sie nach hereingebrochener Dunkelheit fortgetragen hatte in die große Halle , wo sie Alle im letzten Schmuck und blumenüberschüttet auf das Oeffnen der letzten Pforte warten , da wurde auch in der Bel-Etage die letzte Zimmerthür verschlossen , und der Doktor und Käthe stiegen die Treppe herab . Wie schollen ihre Schritte durch das schweigende , verlassene Haus ! Wie gespenstig schlich der Schein der Lampe , die der Gärtner vor ihnen hertrug , über die einsamen Wände des Treppenhauses und der Korridore , an denen Tag für Tag die Fluten des üppigsten Lebens , die übermütigen Zeugen der goldgleißenden Schwindelepoche hinweggerauscht waren . Die weiche Nachtluft , welche die Fortgehenden umfloß , legte sich wie Balsam auf Käthe ' s heiße , verweinte Augen . Ein sternfunkelnder Himmel breitete sich über den schweigenden Park hin ; man konnte die einzelnen Baumgruppen unterscheiden , und der Teichspiegel glomm schwach herüber , wie mattes Silber durch schwarze Schleiergewebe . Das Sandgeröll wich knirschend unter den Tritten , und von fern her tosten die über das Wehr stürzenden Wasser , aber kein Blatt an den Wipfeln und Büschen regte sich -- es war so lautlos still , wie droben im Sterbezimmer , wo man während der letzten Stunden nur flüsternd das Notwendige beredet hatte . Und deshalb schrak auch Käthe jetzt so zusammen und brach fast in die Kniee , als der Doktor mit seiner Uesen , vollen Stimme das Schweigen unterbrach . Sie hatten gerade das tiefdunkle Laubthor der Allee vor sich , und da blieb er stehen . “ Ich verlasse in wenigen Tagen die Residenz , und so wie ich Sie kenne , werden Sie bis dahin weder zu meiner Tante kommen , noch mir gestatten , die Mühle zu betreten , ” sägte er -- eine unsägliche Beklommenheit und Spannung lag in diesen Tönen . “ Ich muß mir also sagen , daß wir zum letzten Male neben einander gehen -- das heißt , für jetzt – ” “ Für immer ! ” unterbrach sie ihn