Eine der Letzten eines untergegangenen Stammes gerettet und sogar für ein freundliches Loos im Bereich der Civilisation aufbewahrt zu haben . Dich sie die Tochter eines Weißen sei , wie deren viele bei den verschiedenen Stämmen eingebürgert als Jäger und Fallensteller lebten , bezweifelte ich nicht ; ihr Aeußeres verrieth ja zu deutlich ihre Abstammung . Außerdem trug sie ein Zeichen , welches unstreitig den Zweck hatte , ihre Verwandtschaft auszuweisen , dem Vater aber , im Falle einer Trennung , die Mittel an die Hand zu geben , sein Kind , selbst nach vielen Jahren , wieder zu erkennen . Anders vermochte ich mir wenigstens das rothe Herz nicht zu enträthseln , welches auf ihrer Schulter eintätowirt war , und in dessen Mitte ich noch die etwas verwischten Spuren eines blauen Kreuzes und die nicht mehr zu entziffernden Linien zweier oder mehrerer in einander verschlungenen Buchstaben zu entdecken glaubte . Natürlich legte ich auf diesen Umstand , der bei Trappern , wie bei den rauhen Seeleuten oft nur in einer augenblicklichen Laune , seinen Ursprung hat , einen geringen Werth und freute mich , daß ihre indianischen Verwandten nicht auf die absonderliche Idee gekommen waren , ihr Gesicht , wie so vielfach bei den Eingeborenen geschieht , durch unauslöschliche Linien und Figuren zu entstelle « . – Den Namen ihres Vaters kannte sie nicht ; sie wußte nur , daß man seiner zuweilen als eines Medicinmannes oder Zauberers gedacht und ihn mit dem allgemeinen , von den Seitengewehren der Weißen abgeleiteten Namen , » Waschitscho « oder langes Messer bezeichnet hatte . Sie selbst war Schanhatta genannt worden , ein Wort , welches sie mir nicht zu deuten wußte , weßhalb ich dasselbe als nicht der Mandanensprache entnommen betrachtete . – » Beschäftigt mit der doppelten Aufgabe : durch Jagd und Tauschhandel etwas mehr , als zu unserm nothdürftigen Unterhalt erforderlich war , zu erwerben , ferner meine freundliche Schanhatta so viel , wie eben bei jeglichem Mangel an Hülfsmitteln möglich , zu unterweisen und zu belehren , verstrichen mir die Tage schneller als je , seit ich meine Heimath verlassen hatte . Wir gingen hinauf bis zum Jellow-Stone-Fluß ; wir zogen den Missouri wieder hinunter bis weit an den verödeten Dörfern , der Mandanen-Indianer vorbei , und als ich dann endlich in einem abgeschiedenen District , von welchem ich wußte , daß er während des Winters weder von weißen noch von rothhäutigen Jägern besucht wurde , zum Schutz gegen Kälte und Schneestürme , von Erde und Baumstämmen eine höhlenartige Hütte errichtete , da erschien es mir , als ob die Sommer- und Herbstmonate ebenso viele Wochen gewesen wären . Mit ausreichenden Schreibmaterialien hatte ich mich versehen ; ich sah daher dem strengen Winter , wenn auch aus andern Gründen , doch mit jener Ruhe entgegen , mit welcher ich wohl im fernen Heimathlande den ersten Schneefall beobachtete und dabei des warmen Ofens , der langen , behaglichen Abende und der Vergnügungen , auf dem Eise und in glänzend erleuchteten Hallen gedachte . Die Mittel , meine Erinnerungen aus dem ersten Abschnitt meines Lebens niederschreiben zu können , waren eine große Wohlthat für mich , doch nicht minder der genußreich waren die Stunden , welche ich damit zu welchem ich sie bestimmt hatte , gleichsam vorzubereiten und für einen höheren Grad der Civilisation immer empfänglicher zu machen . So verstrichen mir denn auch die Wintermonate im Fluge , und nur daran berechnete , ich die Länge der Zeit , daß mein Manuscript , trotz der andern Arbeiten , welchen ich nothgedrungen obliegen muhte , einen beträchtlichem Umfang erreicht hatte , und daß in der kleinen , der Wildniß entnommenen Indianerin eine so auffallende Veränderung vor sich gegangen war . Am meisten bemerkte ich diese Veränderung , als ich beim ersten Erwachen des Frühlings mich zum Aufbruch rüstete und Schanhatta mir beim Verpacken des gewonnenen Pelzwerkes und beim Satteln der Pferde hülfreiche Hand leistete . Beinah ein Jahr hatte sie nunmehr schon unter meinem Schutz verlebt und sich in diesem Zeitraum nicht nur geistig auf überraschende Weise entwickelt , sondern auch größer , stärker und schöner war sie geworden , so daß ich immer häufiger und mit wirklichem Bedauern daran dachte , sie bald verlieren zu müssen . Doch mein Wohlwollen für das dankbare Kind erwies sich bei derartigen gelegentlichen Betrachtungen als stärker , wie meine Eigenliebe ; außerdem konnte ich ja nicht wissen , ob es mir nicht beschieden sei , dereinst im gebrechlichen Alter in ihrem Hause eine zweite Heimath , zu finden , wo dann der Anblick zufriedener Menschen , deren Glück ich ursprünglich begründet , einen freundlichen Schimmer über den Abend meines Lebens werfen würde . Mit solchen Gedanken beschäftigte ich mich vorzugsweise , als wir , unsere vier schwer bepackten Pferde vor uns her treibend , am Missouri stromaufwärts der nächsten Pelztauscher-Station zuzogen , und Schanhatta in ihrer kindlichen , aber sinnigen Art mich auf Dieses oder Jenes aufmerksam machte und sich über Alles , was ihr fremdartig oder unerklärlich er schien , Belehrung erbat . 2. Capitel . Eine neue Bekanntschaft Zweites Capitel . Eine neue Bekanntschaft . Acht Wochen waren seit unserm Aufbruch verstrichen ; meine Jagdbeute hatte ich theils zu Geld gemacht , theils für Stoffe , Kleidungsstücke , Munition und die für den Sommer erforderlichen Lebensbedürfnisse hingegeben , und so wohlgemuth zogen wir durch die romantische , den obern Missouri charakterisirende Wildniß dahin , als ob in unfern Herzen derselbe Sonnenschein gewohnt hätte , der vom Himmel auf die im heitersten Grün prangende Landschaft niederlachte . Ich hatte den Lauf eines Nebenflüßchens zu meiner Richtung gewählt , und unbekümmert darum , wo oder wann ich den Missouri wieder zu Gesicht bekommen würde , dachte ich an weiter nichts , als daß ich , vom Glück begünstigt , wieder in Reviere gelangt sei , in welchen wir nicht nur gegen jede Noth gesichert waren , sondern auch Gelegenheit fanden , innerhalb kurzer Zeit unsere vier Pferde mit einem tüchtigen Vorrath von getrockneten