Tod zwei starke , harte Arme , mit denen er die Gestorbenen an seinem stählernen Herzen wiegt ? Ist der Tod ein Reiter ? Ein ruheloser Reiter ? Warum brüllt der Tod mit so fürchterlicher Stimme : » Kohlmann , stoß mir das Kienholz in deinen Meiler ! « Jetzt lacht der Tod , als hätte er das Lachen von Malimmes gelernt . Und ein Feuer ist da , dicht vor den Augen , immer tanzt es und gaukelt . Neben dem Feuer flammt ein zweites auf . Und eins von diesen beiden Feuern wird ein brennender Stern , der schön davonfliegt . Immer reitet der Tod . Und immer wieder sind diese beiden Flammen da , und wieder wirbelt eine von ihnen in die schwarze Nacht hinaus . Hinter dem reitenden Tode schreien verzweifelte Menschen . Und wo sie schreien , dort muß das Leben sein , dost ist es so hell , wie brennende Häuser sind . Der Tod wird müde . Er reitet langsam . Nun ist er daheim , in tiefer Finsternis . Eine ferne , ferne Stimme : » Höi , Bäurin , komm her , sei so gut und hilf mir den Buben tragen ! « Es lösen sich Stricke und Ketten , die wie schneidende Schmerzen waren . Da rauscht ein Bach , dessen Wellen wie Eisen klingen . In der Wohnung des Todes gibt es viele Gepanzerte auf schwarzen Rossen . Unter den Kriegsleuten des Todes muß Malimmes sein . Man hört ihn reden . Seine Stimme ist greisenhaft . Und plötzlich kreischt eine andere Stimme in schrillendem Zorn : » Den Törring zerreib ich auf Mus ! Die Chiemseer sollen ihr eigenes Wasser saufen . Gott soll ' s wollen ! « Und dann ist alles eine schwarze Nacht , ein martervolles Schweigen . Kann man sich bewegen in einem Grab ? Leiden auch die Toten noch Schmerzen , unerträgliche Schmerzen in allen Gelenken ? Schmeckt die Erde , die ein Toter im Munde hat , nach Zimmet und gewürztem Wein ? Liegt man im Grab auf linden Decken und Kissen ? Glüht in der Wohnung des Todes ein rotes Kohlenfeuer ? Haust der Tod in einer armen , kleinen Bauernstube mit winzigem Fensterloch , durch das die mager gewordene Sichel des Mondes hereinblickt ? Und wie das seltsam ist , daß die Toten nicht einsam sind ! Immer ist einer da , der sie mit zitterndem Arm umschlungen hält , nach Schweiß und mooriger Erde riecht und einen heißen Atem hat . Ein sanftes . Rütteln an den Schultern des erwachenden Buben . Und eine bettelnde Stimme : » Kennst du mich noch allweil nit ? « » Malimmes ? « Da lachte ein Glücklicher : » Heilige Mutter , hab ich jetzt noch ein Quentl Speck am Leib , so laß ich mir ' s aussieden auf ein Kerzl für dich ! « Malimmes sprang zu dem niederen Herd , auf dem das Kopienfeuer züngelte , und brachte in einer Kupferschale was Dampfendes , das nach Wein und Gewürzen roch . » Geh , tu noch ein Schlückl ! Das mischt dir das müde Blut schön auf . « Der Bub , als er getrunken hatte , sah wirr umher und tastete an seinem Körper herum . » Nichts , Bub , nichts ! Du bist gesund an allen Gliedern . Ein lützel verprellt und übermüdet . Dritthalb Stund so hängen müssen , vor mir , auf dem Sattelknopf - das zerbröselt einem die Knochen . « Noch immer tastete der Bub . Nun schrie er wie ein Menschenkind , dessen Seele verzweifelt : » Mein Helm ? Mein Helm ? « » Ist alles da ! « Ein müdes und leises Lachen . » Seinen Helm hast du , auf seinem Gaul bist du gehangen , in seinem Bett bist du gelegen . Jetzt brauchst du ihn bloß selber noch . « Jul schien nicht zu hören . Immer griffen seine Hände . » Mein Helm ? Mein Helm ? « » So schau doch , da drüben liegt er ! Dein ganzes Wehrzeug hab ich verschmeißen müssen beim Ritt . Bloß dein Eisenhütl hat nit auslassen . Das hat dir so ein Chiemseer Lauskerl aufs Köpfl gedroschen , daß ich mit der Bäuerin ihrer Beißzang das Schirmdach , hab aufzwicken müssen . Aber geh , komm , Bub , tu noch ein Schlückl ! Unter deinem Haardächl nebelt ' s noch allweil ein lützel . « Malimmes hob die Kupferschale an den Mund des Buben . Jul erwachte völlig . » Der Vater ? Was ist mit dem Vater ? « » Tu nit Angst haben ! Der Herzog reitet schon . Vierhundert Harnischer sausen . Wir haben die zweite Morgenstund . Eh ' s wieder nächtet , ist der Vater bei dir . « Da wurde der Bub ruhiger , fiel auf die groben Kissen hin und atmete tief . » Wo bin ich denn ? « » In Raitenhaslach . Da ist Burghausen nit weit . « Die Sinne des Buben schienen wieder zu erlöschen . Oder kam in seiner Erschöpfung der Schlummer ? Malimmes rüttelte ihn heftig an den Schultern . » Nit schlafen ! Tu dich aufrichten ! « Jul versuchte sich aufzuheben und fiel mit übereinander gebissenen Zähnen wieder auf die Kissen hin . » Ich kann nit . « » Wollen mußt du ! Dann geht ' s. « Malimmes faßte den Buben unter den Ellenbogen . Und da konnte Jul sich aufrichten . » Gelt , es geht ? « Malimmes lachte . » Ich bring dich schon wieder zu Kräften . Aber ein lützel gescheit mußt du sein ! Gelt ja ? « Jul nickte unter schweren Atemzügen . » So komm ! « Malimmes wollte das lederne Wams des Buben öffnen . Der wehrte sich erschrocken . » Mensch ! Was tust du mir ? « » Hast nit gesagt , du willst gescheit sein ? Anders kann