mit aufgeworfenen Fichtenstämmen . Während etliche Leute , darunter das Soldatenweib , schrien , lachten und einander umhalseten , als wären sie voll und toll , schluchzeten andere und rangen die Hände , die dritten aber starrten düster oder bekundeten Abscheu . Was hat ' s denn ? fragte ich . Da umringten mich etliche Schreiberhauer und , ganz außer sich , redeten sie auf mich ein : Der Teufel ist los ! Das fremde Gesindel begeht eine Teufelsmette ! Fort von hier ! - Eine Teufelsmette ? fragte ich . Was tun sie denn ? Was ist geschehn ? - Da kam die grauenvolle Antwort : Das Feuer frißt zween Menschenleiber - lebendige Menschen werden hier dem Teufel geopfert . Berthulde , die Hexe , hat vom Felsen zum Volke geredet , man solle den Lichtvater versöhnen , durch das kostbarste Opfer solle man ihn bestimmen , daß er die Pest stille und die Burg uneinnehmbar mache . Dann ist diese putzkellerische Lichtbraut in die Flammen gesprungen . « Schwer atmend , hielt der Oheim inne . Ich war zuerst wie versteinert , dann riß mich Entsetzen empor , und ich raunte heiser : » Verbrannt ? « - Starren Blickes nickte der Oheim und fügte dumpf hinzu : » Das Kindlein mit ihr . « - » Wie denn ? Ein Kindlein ? Was für ein Kindlein ? « Der Oheim wollte nicht mit der Sprache heraus , so daß ich schon besorgte , jetzo werde das Allerschrecklichste kommen . Dann aber zuckte er die Achseln und gab seufzend den Bescheid : » Es war halt ein Opferkind , so nannten es die Leute . Wem es gehörte , was weiß ich ? Ein fremdes Kind , das sie auf ihrer Reise aufgelesen haben mag , die Teufelsbraut ! Laß uns nicht weiter davon reden , frag auch den Zetteritz nicht danach . Ruhe tut uns allen not , Ruhe ! Nun du alles erfahren , schlafe und werde bald gesund . Ich will dem Zetteritz beim Graben helfen . « Wie Tobias gegangen war , schlug ich die Hände vor mein Antlitz und flehte zum Menschensohn in meiner Tiefe , daß er mir Kraft gebe in dieser Bitternis . Rief meines Vaters Geist herbei und beriet mit ihm , wie ich es denn nun anfangen solle , dem düstern Felsen meines Herzens seinen Abendburgschatz abzugewinnen . Erschöpft von der Seelenfolter , die mir diese Stunde beigebracht , sank ich endlich in Schlummer . Vom leisen Eintreten des Oheims erwacht , spürte ich an meiner Erquickung , daß ich sattsam geschlafen hatte . » Gib mir zu trinken und zu essen , Oheim « , sprach ich . » Auch verlangt mich , ans Sonnenlicht zu kommen . Ich glaube wohl , ich kann alleine gehn . « Erhub mich also und trat zur Grottentür hinaus ins Freie . Ach sieh , da war keine Balkenklause mehr , am Boden lag Asche und halbverbranntes Holz . Der Anblick schnitt mir ins Herz . Dann aber hing mein Blick an der Sonne , die ob dem bläulichen Tann im goldklaren Abendhimmel glühte . Getrost ! Es gab noch eine Sonne ! - Zetteritz war herbeigekommen und saß nebst dem Oheim bei mir im Beerenkraut . Nachdem ich mich an der Bergwelt erquickt hatte , ließ ich das Auge über die Stätte der grausigen Heimsuchung schweifen . Vom Festgetümmel und dem darauffolgenden Kampfe waren Rasen und Kraut niedergestampft . Des Burgwalles Umzäunung , die aus zugespitzten Pfählen bestund , klaffte hier und dort auseinander . Ein Aschenhaufen bezeichnete die Stätte des Opferfeuers . In Steinwurfes Weite war ein offenes Grab . » Wer soll da begraben werden ? « fragte ich , und der Oheim antwortete : » Dreßler ; sein Leichnam liegt im Walde . Ich glaube , es wird dir lieb sein , wenn du sein Grab in der Nähe hast . Den andern Gefallenen haben wir ein Massengrab im Walde bereitet . Neben Dreßlers Grube siehest du einen kleinen Hügel , drunter liegt , was ich vom Opferkindlein übrig fand . « Erschaudernd schwieg ich . Dann sorgte ich mich um die Schreiberhauer und fragte : » Wie ist die Lage im Dorfe ? Ist es von der Pest heimgesucht ? « - » Außer dem einen Pestfall , « versetzte der Oheim , » von dem ich berichtet , weiß ich nur noch von einem zweiten . Am Tage nach der Johannisfeier war ' s , als Colloredos Volk den Wachstein erstürmt und uns oben umzingelt hatte , da erlag ein zweiter Soldat der Seuche . Um den Leichnam zu entfernen und zugleich die Belagerer zu schrecken , haben wir ihn in eine Ochsenhaut gehüllt und den Abhang hinuntergerollt , hier , wo die Bäume niedergeschlagen sind . Den Feinden vor die Füße ist der schlimme Gast gelangt . Haben sich aber nicht abschrecken , sondern zu unverzüglichem Sturme reizen lassen und , wiewohl wir uns das erstemal gehalten haben , ist im erneuten Sturm die Feste genommen . Was aber das Dorf betrifft , so weiß ich nichts von Pesterkrankung daselbst . « - » Und wie behilft man sich im Dorfe nach der Plünderung ? Hat man Proviant bewahrt ? « - » Ich fürchte , « versetzte der Oheim , » mancher leidet Not , da unser Vorrat , den ich nach dem Roten Floß geschafft , vom Feinde hinweggeführt ist und die Plünderer den Hütten alles erreichbare Gut geraubt haben . « - » Aber Tobias ! « sprach ich vorwurfsvoll , » da müssen wir ohne Verzug helfen ! « Zu Zetteritz gewandt , fuhr ich fort : » Mit Tobias hab ich zu ratschlagen und bitte dich , für ein Weilchen uns allein zu lassen . « Zetteritz ging , und ich redete hastig auf den Oheim ein : » Geh sogleich ins Dorf und gib den Leuten Gold , laß sie ins Böhmische reisen , Vieh und Korn zu