Huld . Das Andere aber ist etwas so Eigentümliches , daß es dich wahrscheinlich befremden wird . Ich bin nicht ermüdet , bedarf also nicht der Erholung von dem heutigen Ritte und halte es darum für das Beste , mich dieser beiden Aufträge sofort zu entledigen . Hast du Zeit , Effendi ? « » Ja . « » So komm mit mir jetzt dorthin , wo ich wohnen werde ! « Wir gingen nach dem Turme , zwei steinerne Stiegen hinauf . Die Reitknechte hatten das Gepäck bereits heraufgebracht . Es war Niemand da als Schakara , welche ordnete . Sie wollte sich sofort entfernen , ich bat sie aber , zu bleiben . Während er eines der Pakete öffnete , trat ich an das Fenster . Es gab hier eine fast ebenso schöne Aussicht wie drüben bei mir . Nun war das Paket aufgemacht , und er begann , auszulegen . Ich sah eine lange , weite Sirdschameh63 von kostbarer , blauer Seide , ein weißseidenes Pirahen64 , ein Alkalok65 von feinster , dunkelblauer Baumwolle , mit engliegenden , silbernen Knebeldressen , eine ebensofarbige Käba66 aus dünner , aber unverwüstlicher Kaschamira , einen wenigstens sechs Meter langen Kemär67 , fast spinnwebenfein , als Gürtel um den Leib zu winden , eine Dschubbeh68 , mit köstlichem Pelzwerk verbrämt , eine hohe , schwarze Lammfellmütze von jener Art , die nur ein Kaiser verschenken kann , ein Paar Pantoffel , ein Paar Schuhe und ein Paar Reitstiefel von weichstem Gazellenleder . Schon die Bibel spricht von » Feierkleidern « , welche die Könige verschenkten . Es ist das eine orientalische Sitte , die man in einigen Ländern bis heute beibehalten hat . Besonders liebte es der Schah , in dieser Weise seine Gunst zu zeigen . » Schau her ! « forderte mich Dschafar auf . » Dieses Ehrenkleid habe ich dir vom Beherrscher zu überbringen . Es wurde von ihm eigenhändig ausgewählt , nachdem ich ihm deine Gestalt beschrieben hatte . Aus den Stoffen magst du ersehen , ob diese Ehrung eine gewöhnliche ist oder nicht . Du bist gewohnt , tiefer zu blicken . Ich weiß , daß dieser Anzug für dich mehr bedeutet , als er für einen Andern sein würde . Allah gibt seinen Geistern verschiedene Gewänder , scheinbar schöne und scheinbar häßliche . Man nennt sie alle Leib . Vor ihm ist nur das Schlechte häßlich und nur das Gute schön . Nur auf den Menschen kommt es an , ob er die Kleidung würdigt oder nicht ! « So Etwas hatte ich ja ganz unmöglich erwarten können ! Meine Freude wurde verdoppelt , als Dschafar ein zweites Paket öffnete , welches einen ähnlichen Anzug für meinen Hadschi Halef enthielt . Ich sah den braven Freund schon jetzt im Geist in Wonne schwimmen ! Das war ja noch nie , noch nie passiert , daß ein Hadeddihn vom Schah-in-Schah geehrt worden war , und noch dazu in dieser Weise ! Es ist nicht meine Art , den Dank , den ich gern still empfinde , in viele laute , wohlklingende Worte zu kleiden . Ich verstand die beiden Geber des Geschenkes , und Dschafar verstand auch mich , obwohl ich nur wenig sagte . » Und nun das Zweite , das Sonderbare ! « begann er wieder . » Ich lenkte meinen Ritt hierher zunächst nach dem Schlosse Mihribani , wo sich der Herrscher jetzt befindet . Eine Tagesreise , nachdem ich es verlassen hatte , traf ich mit dem Ustad zusammen , der zu ihm wollte . Er bat mich , zu warten und dann mit ihm zu reiten , wenn er zurückkehren werde ; ich ging aber nicht hierauf ein . Bei dieser Gelegenheit erzählte er mir Vieles , wenn auch nicht Alles , was hier geschehen ist . Ich erfuhr auch , daß du von Syrr gehört hast , dem angeblichen Geschenk des Schah-in-Schah , dem rätselhaften Pferde . Ich bitte dich , mir mitzuteilen , was du jetzt von ihm weißt ! « Ich sagte ihm , was ich über Syrr erfahren hatte ; es war nicht viel und klang ziemlich dunkel . » Man hat dir Wahres und Falsches berichtet , « sagte er dann . » Es war ein köstlicher Gedanke vom Beherrscher , sein bestes , grad sein allerbestes Pferd ganz im Verborgenen und ohne jeden Zeugen so zu schulen , wie es mit Syrr geschehen ist . Es trägt nur ihn allein . Zu dem alten Kunststück mit dem Abwerfen Anderer ist es zu gut , zu edel . Aber es gehorcht eben nur dem Schah-in-Schah . Setzt sich ein Anderer auf , so bleibt es eben stehen . Am Zügel führen läßt es sich , reiten aber nicht . Damit es nicht durch seine vielen Stallbediensteten und die Mucken anderer Pferde verdorben werde , hat er es zu mir getan , wo es nicht belästigt wird . Mein kleiner aber schöner Stall steht fast ganz leer , und weil ich nicht das bin , was man einen Reiter zu nennen pflegt , ist Syrr nicht der Gefahr ausgesetzt , daß ich ihn behellige . Ich habe ihn also nicht geschenkt bekommen ; dieses Gerücht ist falsch . Wenn der Herrscher ihn braucht , kommt er zu mir und stellt ihn dann auch selbst wieder ein . Aber er ist keineswegs dagegen , sondern es macht ihm vielmehr Spaß , wenn angebliche Reitvirtuosen mich bitten , beweisen zu dürfen , daß Syrr ihnen gehorchen müsse , er möge wollen oder nicht . Es ist noch Keiner dagewesen , der dies fertiggebracht hat , sondern es hat ein Jeder mit Beschämung abziehen müssen , weil er das Geheimnis zwischen dem Schah und diesem Pferde nicht entdecken konnte . Du schaust mich an , Effendi . Du lächelst . Glaubst du etwa , daß du es entdecken würdest ? « » Es käme auf eine Probe an , « antwortete ich . Da fiel er rasch ein : »