auf der ganzen Welt ! Und sitzen bleibst ! Ich sag dir ' s , Lieserl , ich weiß net , was ich drum gäb , wenn gschwind einer da wär , der dich vom Fleck weg auffiführen tät ins Pfarrhaus ! « » Aber Mutter ! « stammelte das Mädel , dem die finstere Logik der Zaunerin mit Schrecken einzuleuchten schien . » Wo soll denn gschwind einer herkommen ? « Die Phantasie der Mutterliebe machte über allen Jammer hinüber einen Löwensprung : » Der Pointner-Andres ! « Als Lieserl den Namen hörte , fuhr sie aus den Kissen und spie zur Erde . » Lieserl ! Ich sag dir ' s : Tu dich net versündigen ! Oder willst dein Glück verklämpern ? « jammerte die Zaunerin . » Ich hab dir ' s allweil gsagt : Halt dir den Andres warm ! Er is net der schlechteste . Der schönste Hof im ganzen Ort ! Und der Steinbruch , der zum Hof ghört , is die reinste Goldgruben . Aber allweil is noch nix verspielt . Der Andres is völlig narrisch vor lauter Lieb zu dir . Da tät ' s dich nur a Wörtl kosten , und alles wär in der schönsten Ordnung . Meiner Seel , wenn ich wüßt , wo ich den Andres find , auf der Stell tät ich reden mit ihm ! « » Mutter ! « lallte Lieserl , zu Tod erschrocken . » Lieber sterben als so was von Schlechtigkeit verüben ! « » Schlechtigkeit ? Was Schlechtigkeit ? « Das Wort schien die Zaunerin zu reizen . » ' s ganze Leben ruinieren und Sorg und Elend über d ' Mutter bringen ! Dös wird wohl Schlechtigkeit gnug sein ! « Warnend erhob sie den Finger . » Sei gscheit , Lieserl ! Oder willst es drauf ankommen lassen , daß dich der Andres auch nimmer mag ? Und daß dich der Miserabligste im Ort nimmer anrühren möcht mit ' m Stecken ? Ah na ! Da is d ' Mutter noch da ! Auf der Stell schau ich , daß ich den Andres find ! Und dir , Lieserl , sag ich : Sei gscheit ! « Die Tochter mit einem letzten warnenden Blick bedenkend , strebte das kummervolle Mutterherz der Zaunerin zur Tür hinaus . » Ich tu ' s net ! Und ich tu ' s net ! « kreischte Lieserl und sprang wie in einem Anfall von Wahnwitz aus dem Bett . » Und net um d ' Welt ! Und net um alles ! Lieber sterben ! Pfui Teufel , Mutter ! Mir graust ! « Sie riß die Tür auf , um die Mutter noch einzuholen . Da sah sie auf der Flurdiele das blutige Leibchen liegen . Von kaltem Grauen geschüttelt , taumelte sie zurück und warf , als hätte sie ein Gespenst gesehen , die Tür ins Schloß . Ein paar Minuten später zappelte die Meisterin aus dem Haus , einen Henkelkorb am Arm , mit einem wollenen Umschlagtuch . Es war noch früh am Morgen ; aber das Leben des Dorfes erwachte schon . Blauer Rauch stieg aus den Schornsteinen , von den zerstreuten Höfen hörte man Geräusch und Stimmen , die Hunde schlugen an , auf der Straße rasselte ein Leiterwagen , und aus dem Park von Schloß Hubertus , dessen Baumkronen von grauem Nebel umsponnen waren , klang von Zeit zu Zeit ein gellender Adlerschrei . Die Zaunerin hatte es eilig . Sie achtete der schweren Nässe nicht , die sie mit dem Rocksaum von den weißbetauten Gräsern streifte . Schnaufend erreichte sie das Pointnerhaus , ein stattliches Gebäude in weitläufigem Hofraum . Beim Brunnen stand eine Magd , und freundlich rief die Zaunerin über die Staketen : » Guten Morgen , Franzi ! Zeitig bist auf ! « Die Magd lachte . » Wär net schlecht , wenn ich d ' Sonn verschlafen möcht ! « » Ja , ja , a fleißigs Haus , der Pointnerhof ! Der Bauer is wohl auch schon lang bei der Arbeit ? « » Da hast recht ! Der Alt is am Feld draußen , und der Jung schafft schon seit in der Fruh um fünfe im Steinbruch . « » So ? So ? Bhüt dich Gott ! « Die Zaunerin eilte weiter . Ihr Weg ging durch ein Laubgehölz , dessen Blätter sich schon gelblich zu färben begannen . Ein mit Quadersteinen beladener Wagen kam ihr entgegen , sie hörte einen Sprengschuß und vernahm das dumpfe Getös des fallenden Gesteins . Die Bäume lichteten sich , und vor der Zaunerin lag der tief in den Berghang eingewühlte Steinbruch . Über der kahlen Wand verzog sich der Pulverdampf des letzten Sprengschusses , während am Fuß der Felsen , zwischen klotzigen Trümmern , drei Arbeiter mit klingenden Hammerschlägen schon wieder die neuen Sprenglöcher in das Gestein meißelten . Im Schotterfelde standen zwei Wagen , der eine schon mit Steinen befrachtet , während der andere beladen wurde ; vier Männer waren hier bei der Arbeit , unter ihnen der Pointner-Andres . Er hielt die Schulter gegen einen eisernen Hebel gestemmt und wälzte einen schweren Stein auf den ächzenden Wagen hinauf . Als die Zaunerin sich näherte , rollte der Block an seinen Platz . Andres wischte mit dem Hemdärmel den Schweiß von der Stirn ; nun gewahrte er das Weib , ließ den Arm fallen und sperrte die Augen auf . » Guten Morgen , Andres ! Fleißig ? « nickte die Zaunerin mit großer Herzlichkeit und ging vorüber . Sie kannte den Andres und brauchte nicht das Gesicht zu drehen , um zu wissen , daß er ihr folgen würde . Als sie den Wald erreichte , kam ihr der junge Pointner mit schweren Schritten nachgetappt , verlegen , erregt wie ein hungriges Kind , das die Mutter mit gefülltem Körbchen vom Bäcker kommen sieht . » He ! Meisterin ! Wohin denn ? « Die Zaunerin blieb stehen und