lag das Schneegebirge wie ein monderhelltes Eiland im Nebelmeer , noch wogten die Wolken wie Banner am Schaft der Riesenföhren hin . Aber nun flirrten Funken nach Funken wie indische Leuchtkäfer von einer Felszinke zur andern und schienen auf allen Gipfeln der Alpenkette ein Freudenfeuer zu entzünden . Die Perlenschnur der Bäche , verwandelte sich im Morgenroth zu funkelnden Rubinen . Die Wipfel schillerten bunt und bunter , voll safrangelben und violetten Tinten überhaucht . Blutroth aber reckte sich aus dem ewigen Schnee die höchste Spitze hervor , wie aus weißem Fasttalar die blutige Rechte des Opferpriesters . Purpurteppiche schien das Morgenroth vor dem Silberthron des Hochlandkaisers hinzubreiten , dessen Lehnenknäufe , die Pässe , aus bläulichem Dämmer jetzt wie Karfunkel aufblitzten . Der Saum seines Strahlengewandes fegt über die Abhänge hin , ein Lichtschweif streift über die Almen , und weiter schreitet Sigurd über den Kamm der Berge Wo seine Sandale den Boden färbt , da sprießen Alpenrosen . Wo sein flammender Kuß auf auserwählten Stirnen weilt , da flammt er im Herzen fort und gebiert die Gedanken , die Gesänge . Er aber , der Geist des Lichts , wandelt in Majestät dahin über die Scheitel der Irdischen - und währet ewiglich . So schreitet er westwärts durchs ganze Land , von Dovrefjeld nach Telemarken , zur Küste hin bis ins Bergensstift . Und jetzt schmilzt auch die Gletscherbrünne Brunhildens : der zackige Gürtel von Eisburgen , den Odin um ihren Felsbusen geschlungen hat . Ein Gluthmeer überfluthet das Eismeer . Das Zauberschloß , dessen Thurmvogt der Falke : mit Portalen , aus denen sprudelnde Gießbäche in muthwillig polternden Kaskaden als Springbrunnen ihre zischenden Wassermassen hervorschleudern ; dessen Quadern aus Edelsteinblöcken wie Mosaikplatten , halb Saphir halb Smaragd , zusammengefügt erscheinen ; dessen spitze Zinnen als Mauerkranz die Wollen tragen , welche in Farbenschmelz verschwimmend , dort oben wie eine Feeninsel dahingleiten - es strahlt jetzt gespenstisch-grell weithin übers Land . Das ist der Justedalsbrä , der größte Gletscher der Welt , der hier wie ein kolossaler Polyp seine Fangarme ausstreckt - aus schwindelnder Höhe niederstürzend , wie eilt gefrorener Katarakt in der Luft . Und der Golfstrom , metallisch glitzernd , flimmert wie Bernstein auf , als schlummere in seinem Schooß ein versunkener Hort , wo der mystische Maëlstrom sein Nornenlied murmelt . Ein graues Steinmeer , ein Trümmerchaos , spiegelt sich jetzt in traumhaftem Halblicht die Gebirgswüste von Jötunheim im schwarzen Hexentigel ihrer Fjorde ... Ein Steinadler schwang sich nahebei mit triumphirendem Schrei empor . Ein Lur ( Alphorn ) lud schmetternd die Heerden zur » Säter « . Ein Renntierrudel trabte drüben die Schlucht hinab , deren Rachen , mit spitzen Zacken wie mit Raubthierzahnen besetzt , schier wie in höhnischem Grinsen gähnte . Die Wasserfälle , das sausende Webstuhlrad der Jötuninnen , dran Silberfädchen auf und nieder schnurren , wälzten sich qualmend dahin wie eine Wolke von Demanten , mit Perlen untermischt . Aber überall glitt über das steinerne Schwungrad der Abhänge in unaufhörlicher Drehung , wie ein buntes Seidenband , oder wölbte sich zwischen den Strebepfeilern des Felskessels - ein Bild der Versöhnung über dein Strudel der Leidenschaft . Stolz reckte sich jeder Halm , den Nachtthau von sich schüttelnd . Ist doch jeder Morgen nach dem Grabe der Nacht eine Auferstehung der Welt ! Wie frisch und leicht und klar grüßte die Luft von den » hohen Fjelden « herüber ! Wie ein Schwan mit sterbefrohem Gesang schwimmt die Seele , mit Vögeln und Winden Grüße tauschend , durch der Alpenlüfte Wellen . Und in freudig hinschmelzendem Schwanenlied verblutet der alte Adam , das Alltagswesen des Menschen , die alte verbitterte Kälte . Ein Sturzfall voll Urmelodien scheint die Berge zu durchfluten , der Schöpfung ureigensten Tempel , durchweihraucht vom Tannenarom . Und die Morgenmesse , die seine himmelhohen Hallen durchbraust - vernimmt ihn dein Ohr ? Die stürzende Tanne , der hüpfende Elv , sie Alle singen nur das eine , das hohe Lied : Kraft und Freiheit ! Eins und Alles in unablässig rastloser Bewegung verbunden zu einem Ziel ! Ewige Zeugung , ewiges Vorwärtsdrangen ! Tod der Ruhe und Leben dem frei entfesselten Kampf ! Ja , ihr Jötuns , die im Leid versteinert , Felsriesen , die ihr ewig seid - stumm seid ihr , kalt und todt . Doch der Geist , der kühn das All umfaßt , hebt den Menschen aus der zwerghaften Noth seines körperlichen Daseins empör : er lebt , er denkt , er handelt , er ist der Gott der Natur . Möge Jötunheim in Trümmer sinken , des Menschen innere Welt erschafft sich immer neu und die Jakobsleiter der Hoffnung senkt sich gerade zu dem hernieder , der aus einem Steine schläft . Durch dies Felsenchaos schwebt der Odem des Weltgeistes in doppelt belebender Kraft . O Land der Freiheit , wo das Ich der modernen Kultur in ihrer freiesten Thätigkeit und der Natur in ihrer nacktesten Größe gegenübertritt - du Braut des Meeres , des atlantischen , das auch das Winland deiner Wickinger , die Neue Welt der freien Arbeit gebar - du Panzerst das Herz mit eisigem Stolz . Nicht mehr schaudert es vor dem Schwungrad menschlichen Treibens , freudig mitbewußt des unablässigen Weltenwirbels im Kreis der Schöpfung . Und für Liebe , Glaube , Hoffnung , schenkst du Arbeitslust und Lebensmuth . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Heidi , schon wieder traben , traben in die junge Sonne hinein ! O namenloses Gefühl ungebundener Freiheit , so hinzutraben thalauf thalab durch Felder und Forst , in immer tieferer Einsamkeit ! Wie das Rößlein wiehernd die Mähne schüttelt und wie Kathi jodelt vor eitel Pläsir am Gefühl des Lebens ! Abgewaschen , weggepustet aller Staub und Schmutz des Weltgetriebes in dieser Urnatur ! Am Wege schritt ein Mädel im Nationalkostüm vorüber : mit rothem , viereckig ausgeschnittenen