einmal zu erquikken , aber ich mußte immer an meine eigenen Kinder denken , die auch einst so schutzlos , fremder Gnade überlassen , in die Welt hinausgestoßen worden waren , und darum nahm ich mich der Verlassenen an . Ihrem Vater konnten wir trotz allen Zuredens keine Kokosmilch aufdrängen . Das reizt den Husten , antwortete er , Nüsse sind sehr schädlich . Und dann , nachdem der erste Heißhunger gestillt war , schafften wir Vorräte in das Boot . Zwei Mann gingen mit geladenen Gewehren tiefer in die Wildnis hinein und suchten eine Quelle , während zwei andere die nächststehende Palme in aller Eile fällten und die Früchte an Bord brachten . Auch Bananen und Feigen rafften wir zusammen , soviel sich tragen ließ , dann nahm unser Steuermann mit dem Oktanten genau die Sonnenhöhe , zeigte uns auf der Karte , wo wir waren , und nachdem die beiden vorhandenen Fässer mit wundervollem , frischem Wasser gefüllt waren , stießen wir vom Lande ab . In diesem Augenblick tönte uns aus den nächsten Büschen das Kriegsgeschrei der Malaien entgegen , und ein Hagel von Pfeilen schlug rechts und links ins Wasser . Die halbnackten gelben Gestalten , die häßlichen Gesichter und das wütende Geschrei übten im ersten Augenblick eine solche Wirkung , daß wir nicht schnell genug vom Lande fortkamen , um einem zweiten Hagel hölzerner Pfeile zu entgehen , obwohl wieder keiner traf . Nur ein einziger bohrte sich in den weißen Hut der alten Dame , die ihn ärgerlich ergriff und über Bord warf . Zugleich aber stürzten sich sechs oder zehn Wilde in das Wasser und schwammen aus allen Kräften dem Boot nach , offenbar um es zu entern . Der schwindsüchtige Herr stieß einen lauten Schrei aus . Leute , Leute , um des Himmels willen , erschlagt die Räuber , rief er . Unsere Matrosen machten auch wirklich Miene , die Lenkung des Bootes gänzlich fallen zu lassen und den Kampf mit den Malaien aufzunehmen , aber Roland verhinderte rechtzeitig dies tolle Wagnis , das unfehlbar unseren Untergang hätte herbeifuhren müssen . Seine Befehle , in festem Ton gegeben , brachten das kleine Fahrzeug in noch schnellere Fahrt , und bald hatten wir die schwimmenden Wilden weit hinter uns gelassen . Nur das teuflische Kriegsgeschrei gellte uns über den Ozean nach . Wir hatten aber doch wieder für mindestens acht Tage Proviant und Wasser , daher verspotteten wir aus sicherer Entfernung die wütenden Gelben und sangen ihnen Spottlieder zu oder warfen Kokosschalen nach den auf- und abtauchenden Köpfen . Der Kranke hustete , daß es in jedem Augenblick schien , als müsse seine eingefallene Brust springen . Und so fuhren wir auf gut Glück weiter . Tag um Tag verging , eine Kokosnuß nach der anderen wurde zersägt , wir alle waren krank von der unverdaulichen Nahrung , und ehe eine Woche seit der Landung auf der Insel vergangen war , starben die unglücklichen kleinen Kinder aus Mangel an richtiger Pflege vor unseren Augen , ohne daß wir Mittel besaßen , sie zu retten . Am neunten Tage hatten wir wieder keinen Tropfen Wasser mehr und lagen bei fast völliger Windstille fast verzweifelt auf dem Boden des Fahrzeuges . Nur Roland behielt seinen festen , unerschütterlichen Mut . Er zeigte uns auf der Karte , wo sich das Boot befand , und daß wir dem kleinen Hafen von Plangei auf Sumatra ganz nahe sein müßten , ja , daß das Land jeden Augenblick in Sicht kommen könne , aber - seine Worte machten keinen Eindruck . Wir hörten kaum auf ihn , sondern ergaben uns ohne Gegenwehr der tiefsten Mutlosigkeit . Es wurde Nacht , die See ging höher und höher , ein Sturm brach los und noch einmal hatten wir Glück , - Ströme von Regen fielen herab auf unsere brennenden Stirnen , wir konnten trinken , trinken ! Du ahnst nicht , Bob , was es heißt , langsam zu verdursten . Die schwerste Krankheit , der heftigste Schmerz sind dagegen Kinderspiel . Roland nickte zufrieden . Jetzt gebt acht , Leute , rief er . Es zieht ein Gewitter herauf , und wo die Blitze herabfahren , da ist Land ! Neu erfrischt und belebt hoben sich alle Köpfe . Wir waren bis auf die Haut durchnäßt , unsere Füße standen bis über die Knöchel im blanken Wasser , aber das ließ sich doch immer noch weit besser ertragen als vorher der quälende Durst . Neugierig sahen wir unserem Steuermann über die Schulter , als er in der Dunkelheit einen noch dunkleren Punkt bezeichnete . Ich möchte wetten , daß dort das Ufer liegt ! rief er . Wir strengten unsere Augen an und rieten hin und her , bis plötzlich der erste gelbe Blitz über den Horizont dahinlief und gedankenschnell herabzuckte , dann jubelte der Steuermann ein lautes Hurra . Seht ihr ' s , Kinder , seht ihr ' s. Dort ist Land ! Wissen Sie das genau , Herr ? fragte einer der Matrosen . So genau , wie man überhaupt derartige Regeln aufstellen kann , antwortete Roland . Nur ausnahmsweise schlägt der Blitz in der Nähe des Landes ins Wasser . Aber für diesen Fall befurchte ich nichts , da der elektrische Funke immer die gleiche Richtung verfolgt . Vor uns ist Land ! Diese sichere Überzeugung verfehlte ihre Wirkung nicht , obwohl jetzt eine neue schwere Sorge unsere Kräfte in Anspruch nahm . Wir hatten auf dem schwankenden Boot mit einem einzigen Segel und ohne eine Notspiere dem orkanartigen Gewittersturm standzuhalten . Blitz und Donner rasten immer stärker , der Wind heulte , und der Regen schoß in Strömen herab , aber doch waren wir voll Hoffnung , da das Land immer näher kam . Wir sahen es beim Schein der roten , zuckenden Blitze ganz deutlich . Nun mußt du wissen , daß Plangei zu dem von den Holländern beherrschten Teil der Insel Sumatra gehört und dort also durchaus schon europäische Einrichtungen bestehen