sie nur an ihn dachte , und gerade deshalb entschloß er sich zur Reise . Kurz vorher erfuhren sie von der jetzt mittheilsameren Czika einen wunderlichen Umstand . Das Kind fing plötzlich , nachdem in ihrer Gegenwart Paris mehreremal genannt war , an , von einem alten Manne zu sprechen , der schon längere Zeit bei ihnen gewesen sei , und zuletzt die Mutter und sie hierher geleitet habe . Nicht weit von dem Hofthore von Berkow sei er erst umgekehrt . Der Mann habe auch nach Paris gewollt . Sie drangen weiter in das Kind und konnten nicht zweifeln , daß der alte Mann , von dem es sprach , Berger gewesen war . Warum er die so treu Begleiteten an der Schwelle des Hauses fast verlassen hatte ? was er in Paris wollte ? Vielleicht , meinte Oldenburg , will er sich überzeugen , daß der kreisende Berg der Revolution abermals ein Nichts gebären wird . Dennoch berührte ihn die Nachricht seltsam . Er hatte Berger in Fichtenau kennen gelernt , als er während des Sommers Melitta dort besuchte , und damals mit dem scharfsinnigen , enthusiastischen Manne manches philosophische und politische Gespräch geführt , in welchem das Wort Revolution häufig genug vorkam . Der Moderdunst der Festungscasematten und die Stickluft des Polizeistaates , welche ich mein Leben lang habe einathmen müssen - das hat mich gemacht , was die Leute verrückt nennen - hatte der Professor einmal gesagt ; mir ist manchmal , als ob nur ein Athemzug freier Luft im Vaterlande mir die Last wegheben würde , die hier ruht ; und dabei hatte er auf die Brust gedeutet . Ein Athemzug freier Luft im Vaterlande ! Oldenburg wiederholte sich das Wort , während er seinen Koffer packte ; ja wohl ! das wird uns Allen , Allen , die Brust leichter machen . Zweiunddreißigstes Capitel Felix von Grenwitz hatte die von den Aerzten verordnete Reise nach Nizza angetreten . Er war gern in die Verbannung gegangen . In Grünwald hatte er nichts mehr zu gewinnen und höchstens den letzten Hoffnungsschimmer auf Genesung zu verlieren . Seine Existenz in Italien war ihm von seiner großmüthigen Tante , die recht gut wußte , daß er kaum noch ein paar Monate zu leben habe , auf mehrere Jahre hinaus zugesichert worden . Er hatte alle seine Angelegenheiten geordnet , über Alles mit seiner Tante gesprochen , und nur über die eine fatale Geschichte mit dem Menschen , dem Timm , nicht . Er ließ Anna-Maria in dem guten Glauben , daß der freche junge Mann von ihm vollständig eingeschüchtert und mit ein paar Hundert Thalern abgefunden sei , da er selbst durchaus keine Lust hatte , seiner Tante durch Anrühren dieses wunden Punktes die so nothwendige gute Laune zu verderben . Brieflich , dachte Felix , arrangirt sich so etwas am besten und wenn sie sieht , daß das Ding nicht zu ändern ist , wird sie sich schon darein finden . So reiste er denn ab , begleitet von den aufrichtigen Glückwünschen seines Oheims und den Ermahnungen seiner Tante . Gott sei Dank , daß er weg ist , dachte die Baronin , während sie , das Taschentuch vor die Augen drückend , durch die Schaar der Dienstboten nach ihrem Zimmer zurückschritt ; jetzt unverzüglich Helene wieder her - das Andere findet sich . Noch an demselben Tage machte sie einen Besuch in der Pension und hatte zuvörderst eine lange Unterredung mit Fräulein Bär . Die Baronin war heute sehr weich . Sie hatte so eben einem lieben Verwandten , dessen Schicksal ihr unendlich am Herzen lag , voraussichtlich auf lange Zeit , vielleicht für immer Lebewohl gesagt . Ihr Herz war in Folge dessen tief betrübt . Ach glauben Sie mir , mein liebes Fräulein , sagte sie , es ist hart , sich von einem Jüngling , den man wie seinen eigenen Sohn geliebt hat , in dieser Weise trennen zu müssen ; sehen zu müssen , wie eine fröhliche , junge Kraft so grausam gebrochen ist und mit ihr all die Hoffnungen geknickt sind , die man für die Zukunft auf sie gesetzt hatte . Und auch die arme Helene wird den Schlag schmerzlich empfinden . War doch , wenn mich nicht Alles trügt , eine reine Neigung zwischen den beiden jungen Verwandten , die vom Himmel selbst so sichtbar für einander bestimmt waren , emporgeblüht , eine Neigung , die sich , wie das ja so häufig ist , anfänglich hinter einer scheinbaren Aversion keusch verbarg , daß ich selbst eine Zeitlang getäuscht wurde , und - ganz entre nous , liebes Fräulein - dem armen Kinde deshalb recht böse war . Jetzt weiß ich es besser . Aber um so größer ist mein Verlangen , das liebe Kind wieder bei mir zu haben . Würden Sie mir es sehr übel nehmen , liebes Fräulein , wenn ich das Ihren gütigen , klugen Händen anvertraute theure Kleinod so bald wieder entführte ? Fräulein Bär ' s klarem Verstande entgingen die Widersprüche zwischen dem früheren und dem jetzigen Benehmen der Baronin keineswegs . Sie nahm also das Vertrauen der gnädigen Frau mit Zurückhaltung entgegen und fragte blos , ob Helene gleich jetzt , oder erst später in das elterliche Haus zurückkehren solle ? Ich denke , wir überlassen das dem lieben Kinde selbst , erwiderte Anna-Maria , die noch immer eine mögliche Weigerung Helenens fürchtete , ich weiß , sie ist sehr gern bei Ihnen und überdies möchte ich sie durchaus nicht in ihren Studien , Liebhabereien und Plänen derangiren . Helene ist bereits von meinen Wünschen unterrichtet . Im Augenblick wollte ich weiter nichts , als Sie , liebes Fräulein , bitten , Ihren Einfluß auf das Kind zu meinen Gunsten , zu Gunsten einer armen , durch einen schweren Verlust betrübten Frau geltend zu machen . Anna-Maria hatte kaum die Pension verlassen , als Fräulein Bär sich zu Helene begab , ihr die eben stattgehabte Unterredung mitzutheilen . Sie hatte zu diesem