auf den grünseidenen Vorhang , zwischen den beiden Bücherschränken , der seine Aufmerksamkeit schon vorhin erregt hatte . Welches ist denn dies verschleierte Bild ? irgend ein wollüstiger Correggio vermuthlich ; auf jeden Fall ein Beitrag zur intimeren Kenntniß dieses wunderlichen Mannes . Sie entschuldigen meine Neugierde , Monsieur le Baron ! Oswald zog mit einem Ruck der seidenen Schnur den Vorhang zurück ; und der Jüngling zu Sais , der den Schleier von dem heiligen Bilde der Isis hob , kann kaum mehr erschüttert gewesen sein , als es Oswald war , wie er jetzt anstatt eines farbetrunkenen italienischen Gemäldes in einer Nische eine Büste aus keuschem weißen Marmor erblickte , die , obgleich in antikem Haarschmuck und ein wenig idealisirt , nichts war , als ein sprechend ähnliches Portrait Melitta ' s. Das war ihr reiches , welliges Haar , das war ihre schöne zarte Stirn , die feine gerade Nase , das waren die weichen , selbst noch im Marmor thaufrischen Lippen ! Ehe sich Oswald von seinem Erstaunen , dem Bilde der Geliebten sich so plötzlich gegenüber zu sehen , nur so weit erholen konnte , den Vorhang wieder über das Bild zu ziehen , trat der Baron in das Zimmer . Entschuldigen Sie meine Indiscretion , sagte Oswald , sich schnell fassend ; aber wer heißt Sie auch , verschleierte Bilder in einem Sanctuarium aufstellen , zu dem Sie jedem Fremden den Zutritt gewähren . Sie haben Recht , sagte der Baron , ohne eine Spur von Verwirrung ; dieser grüne Schleier ist , wie andere Schleier auch , geradezu provocirend , und nebenbei ist es sehr thöricht , die Copie zu verhüllen , da Jedermann das Original unverhüllt sehen kann , wenn er sich die Mühe giebt , nach Palermo zu reisen , und sich eine Erlaubniß verschafft , die Villa Serra di Falco besuchen zu dürfen . In der That ! sagte Oswald , den die unverwüstliche Ruhe , mit welcher ihm der Baron dies Märchen aufzuheften suchte , ein wenig ärgerte : also bei Palermo ? ich war schon versucht , das Original weniger weit zu suchen . Sie meinen im Berliner Museum ? sagte der Baron ; es existirt dort allerdings eine Muse , die mit diesem Bilde große Aehnlichkeit hat , aber der Unterschied ist doch , wenn Sie genauer vergleichen , sehr bedeutend . Allerdings , sagte Oswald ; die Nase ist an jenem Bilde energischer ; auch ist die Haltung des Kopfes eine andere , und überhaupt die Aehnlichkeit mit Frau von Berkow , die an dieser Büste so frappant ist , weniger auffallend . Finden Sie ? sagte der Baron , aufstehend und vor das Bild tretend . Wahrhaftig , Sie haben Recht . Es ist wirklich eine flüchtige Aehnlichkeit zwischen diesem Bilde und Frau von Berkow . Nun , das macht mir das Bild nicht schlechter , denn ich gestehe , daß es wenige Damen auf der Welt giebt , an die ich mich so gern erinnern ließe , als an diese , ebenso liebenswürdige wie geistreiche Frau . Der Baron zog den Vorhang wieder über das Bild , als wünschte er , jetzt das Gespräch darüber abzubrechen . Kommen Sie , Doctor , sagte er , setzen Sie sich wieder und thun Sie , als ob Cloten , dieser geistreichste Jüngling , nicht hier gewesen wäre . Ich glaube , es ist die höchste Zeit , daß ich aufbreche , sagte Oswald ; die Sonne ist im Untergehen - ich möchte gerade heute nicht spät nach Hause kommen . Wie Sie wollen , sagte der Baron ; man soll den kommenden Gast willkommen heißen und den davoneilenden nicht halten . Ich habe große Lust , Sie eine Strecke zu begleiten . Sind Sie Reiter ? Ein wenig . So wollen wir reiten , wenn es Ihnen recht ist . Ich nehme einen meiner Leute mit . Entschuldigen Sie mich für einen Augenblick . Ich will nur ein wenig Toilette machen und die nöthigen Befehle geben . Sie sitzen gut zu Pferde , Doctor , sagte der Baron , als sie eine Viertelstunde später auf der Höhe des Strandes langsam dahinritten . Es ist wirklich merkwürdig , welch ' wunderbares Talent Sie in diesen Dingen zeigen . Ich glaube , es giebt keine körperliche Geschicklichkeit , in der Sie es nicht in kurzer Zeit zur Meisterschaft bringen könnten . Es ist das um so merkwürdiger , sagte Oswald , weil ich doch eigentlich in Folge meiner plebejischen Geburt und Erziehung gar keine Ansprüche auf diese aristokratischen Vorzüge machen kann . Schade , daß ich nicht Cloten bin , sagte der Baron . Weshalb ? Weil ich dann die Ironie in Ihren Worten nicht im Entferntesten ahnen , im Gegentheil durch Ihre rührende Bescheidenheit von der an Haß grenzenden Abneigung gegen Sie zurückkommen würde . Ist Herr von Cloten so gegen mich gesinnt ? Denken Sie denn , daß einem Dandy lieb ist , wenn ein Anderer sich im Pistolenschießen , Tanzen , Courmachen , kurz in Allem überlegen zeigt , was der größte Stolz seiner kleinen Seele ist ? Weiber und weibische Männer verzeihen dergleichen nie . Ich habe mich an dem Abend in Barnewitz königlich über die Gesichter amüsirt , die , natürlich hinter Ihrem Rücken , von einigen dieser geistreichen Jünglinge geschnitten wurden , und mir leider den billigen Spaß gemacht , durch allerlei kleine Teufeleien diese Püppchen noch mehr in Harnisch zu bringen . Warum leider ? ich versichere Sie , daß mir an der guten oder schlechten Meinung dieser Herren sehr wenig gelegen ist . Ohne Zweifel , aber Sie sind , so lange Sie in dieser Gegend bleiben , genöthigt , mit diesen Herren zu verkehren , und es ist eine Regel der allergewöhnlichsten Klugheit , daß man seine Mitreisenden nicht geflissentlich auf die Hühneraugen tritt . - Wer zum Teufel kommt denn da querfeldein von Cona her ? Dieser Ausruf des Barons galt dem geheimnißvollen Reiter , welchen Oswald bei