ich hatte ja auch den Glauben verloren und das hatte mein armselig Mädchen ebenfalls von mir geerbt ! ! - Der brave Geistliche hatte großes Erbarmen mit uns , das ich wahrhaftig nicht verdiente , denn trotz meines Elendes hatte ich mich nie im Gottesdienste , nie bei den heiligen Sakramenten eingefunden . Ein Farmer , der alle Jahr zur österlichen Zeit nach New-York kam und dreihundert englische Meilen nicht scheute , um seine Christenpflicht zu erfüllen , hatte den Pfarrer gebeten , ihm einen tüchtigen Knecht zu verschaffen . Der Pfarrer empfahl mich und stellte dem braven Farmer , der sein Weib verloren hatte und sich nicht zur zweiten Ehe entschließen konnte , so dringend vor , wie nötig ihm eine Magd sei , daß er ganz gern auch mein Weib als Haushälterin nahm ; und als er so weit war , da erklärte ihm der Pfarrer , die drei Buben müsse er obendrein nehmen - und so lange sprach er ihm zu und so innig verhieß er ihm die Seligkeit , welche die Barmherzigkeit erwartet , daß sich der gute Farmer endlich willig fand uns alle aufzunehmen . Wir zogen mit ihm in die Wildnis . Wäre meine Arbeitsscheu nicht mürbe geworden vom Hunger , hochwürdiger Herr , so hätte ich mich billig entsetzen dürfen vor der rauhen , schweren , mühseligen Arbeit , die mich erwartete . Hier war ich zu faul gewesen , um als Bauer meine Ackerwirtschaft zu bestellen , daß ich meine , ich hätte zuweilen Blut geschwitzt . Doch gleichviel ! der Herr war gut und teilte alles mit uns , das rohe Obdach und die grobe Kost ; wir konnten leben . Ein Stück Wald sollte in urbares Land verwandelt werden ; da mußte man alle Bäume und Sträuche nicht bloß fällen , sondern auch Wurzeln aus der Erde graben . Das war mein Geschäft ; die Frau besorgte die Küche , die Milchwirtschaft und was es im Hause zu tun gab . Die Buben gingen ihr und mir zur Hand , hüteten Pferde , Kühe und Hühner und halfen dem Herrn , der mit der Feldwirtschaft , der Jagd , dem in Stand halten seiner Gerätschaften vollauf zu tun hatte . Ein neues und größeres Blockhaus wurde gebaut . Das alte war zu eng und ganz vermorscht ; der Farmer hatte es bereits halb zerfallen vorgefunden . Als das neue fertig war , kam es uns vor wie ein Schloß so stattlich - und bestand doch nur aus Wänden von Baumstämmen mit Moos verstopft und aus dem natürlichen Estrich der Erde , nur festgestampft . Es war recht feucht , dies Schloß und wir ließen , als wir es bezogen , am ersten Tage das Feuer gar nicht in unserer Kammer ausgehen . Es brannte in einer Art von Kamin auf einem niedrigen Herd von Lehm . Zu beiden Seiten des Kamins waren Schlafstätten bereitet : rohe Bretter lagen auf dem nackten Boden , ungegerbte Tierfelle bedeckten sie und darauf war eine dicke Streu von dürrem Laub gehäuft . Hier bei uns hat kein Taglöhner ein so elendes Lager . Nun , ich war froh , daß wir wenigstens dies hatten und ich streckte meine totmüden Glieder recht bequem zur Ruhe aus . In der Nacht fuhr ich halb und halb aus meinem bleiernen Schlafe auf . Mir war , als hätte ich dumpfes Geräusch vernommen und tiefes Seufzen . Was gibt ' s ! rief ich schlaftrunken . Sei ruhig ! ich bin bei den glimmenden Kohlen ; antwortet mein Weib und ich schlafe wieder fest ein . Mit dem Tage erwache ich und was muß ich sehen , hochwürdiger Herr ! schwarz im Gesicht , steif gestreckt , liegt mein Weib tot am Boden - und in der Asche des Herdes eine zusammengeringelte Schlange ! Neben mir stand ein Holzklotz , auf dem wir das Brennholz spalteten . Ich hob ihn auf und warf ihn mit aller Macht auf die Schlange , die er zermalmte , und dann hieb ich ihr mit der Axt den Kopf ab . So waren die Buben gerettet - aber mein liebes , frommes Weib war dahin , kläglich umgekommen , ohne Priester und Sakrament . Wir huben ein Geheul an , daß es die Steine hätte erbarmen mögen . Der Farmer kam und weinte mit uns . Er war kreuzbrav und sehr fromm , wie die meisten Irländer sind . Er sprach viele Gebete bei ihrer Leiche und , nachdem wir sie armselig verscharrt hatten , an ihrem Grabe ; und er zimmerte ein Kreuz und steckte es darauf . Die Schlange hatte vermutlich halb erstarrt in ihrer Höhle unter der Erde und in der Nähe des Kamins gelegen , war durch das Feuer erwärmt und geweckt worden und hatte sich einen Ausweg gesucht , um in dessen Nähe zu kommen . Das geschieht nicht selten . Vermutlich hatte mein armes Weib bei den glimmenden Kohlen das Untier gesehen . Hätte sie es ruhig liegen lassen , so wäre es vielleicht nach einigen Stunden ohne Schaden zu tun fortgekrochen ; denn diese Art pflegt nur dann zu stechen , wenn man ihr irgendwie in den Weg kommt . Sie ist aber so giftig , daß der Mensch augenblicklich von ihrem Stich aufschwillt , stirbt und schnell in Verwesung übergeht . Wir glauben , daß mein armes Weib aus Angst um die Buben , die auf der anderen Seite des Kamins schliefen , den Kopf verlor und die Schlange zu erschlagen versuchte mit einem dicken Knüttel , den wir neben dem Herde fanden , und daß sie dadurch das Tier zum Stich aufreizte . So erkläre ich mir das dumpfe Geräusch , das mich weckte . Aber noch in ihrem Todesstöhnen dachte sie an mich und die Buben ! Sei ruhig ! sagte sie . Hätte sie mich geweckt , wie leicht hätten die Buben erwachen und Lärm machen und die gereizte Schlange uns alle in der Dunkelheit um ' s Leben bringen können