zu Deinem Werkzeug in Dingen , die mich gar nicht berühren ? « sagte er . Sie sah ihn verwundert mit ihren dunklen Augen an , als begriffe sie diese Frage gar nicht . » Weil ich Euch allein traue von allen Christen ! « sagte sie einfach , und nach einer Pause fügte sie hinzu : » Ihr wißt , ich kann nicht schreiben . Könnte ich ' s , so hätte ich , was ich da vorhin Euch gesagt , auf einen Zettel geschrieben und den Vogel um den Hals gehangen , dann hätt ich ihn im Sack vor Eure Thür gelegt , ohne Euch selbst zu erwarten - und Ihr redet keine Unwahrheit , wenn Ihr sagt , daß Ihr so die Kunde von dem Vogel erhalten . Hab ' t Barmherzigkeit und thut also - wenn solch ' ein kleines Geheimniß meinem ganzen Volke Leben und Eigenthum retten kann , das es unschuldig verliere - « » Unschuldig ? « unterbrach sie Ulrich ; » wie kommst denn dann Du dazu , von dem Verbrechen und den Verbrechern genaue Kenntniß zu haben ? « » Frag ' t mich nicht weiter ! « rief Rachel sich groß aufrichtend . » Daß ich die Noth abwenden will von meinem Volke , unter dem nur Einer weiß , was ich weiß - das sollte Euch meinem Flehen geneigt machen und Euch genug sein , mich nicht mit Mißtrauen zu quälen - nicht mich zwingen zu wollen , noch durch ein weiteres Geständniß ein Verbrechen zu begehen , wo ich immer nur sinne , eines um das andere zu verhüten . « » Es ist gut , « sagte er milder ; » ich thue Deinen Willen - so bleibe auch das unser Geheimniß . « Er schrieb den Zettel so , wie sie gesagt hatte . Sie war damit zufrieden und schlich sich leise fort , wie sie gekommen . Drittes Capitel Begegnungen Noch an demselben Abend , wo Ulrich den indianischen Raben erhalten hatte , machte er sich mit diesem auf den Weg und ging zu Behaim ' s Haus , um hier denselben abzugeben . Aber er fand die Hausthür verschlossen und kein einziges Fenster des Hauses erleuchtet . Erst nachdem er lange geschellt , schaute ein Kopf aus einem Fenster im obern Stockwerk heraus und rief hinab : » Es ist gar Niemand zu Hause . « » Ich habe eine wichtige Meldung zu machen für Herrn Martin Behaim , « rief Ulrich hinauf . » Der wohnt gar nicht hier , sondern bei dem Herrn von Scheurl , « antwortete die Stimme , » da müßt Ihr dorthin gehen ; Alle sind da , denn man feiert den Geburtstag der Hausfrau . Hab ' t Ihr aber nichts Gutes , zu melden , so werdet Ihr nicht sehr willkommen sein . « - Damit war das Fenster wieder zugeworfen . Es blieb Ulrich nichts übrig , als dahin zu gehen . Der Weg war ziemlich weit , und es schlug eben zehn Uhr , als er » unter der Veste « ankam . In Scheurl ' s Hause standen alle Thüren offen . Aus den Fenstern fiel helles Licht auf die Straße . Muntere Weisen von Spielleuten klangen daraus hervor . Im Hausflur und auf der Treppe traf Ulrich Niemanden ; in den hell erleuchteten Corridor , aus dem offen stehende Flügelthüren in den Gesellschaftssaal führten , woraus das Gewirr lauter Stimmen , neben der Melodie auch das Geklirr von Speise- und Trinkgefäßen klang , mochte er sich nicht sogleich wagen . Es kam ihm plötzlich der Gedanke ein , da ihn bisher noch Niemand gesehen , den Vogel vielleicht unbemerkt in ein Nebenkabinet setzen und sich selbst wieder fortschleichen zu können , damit seine Einmischung in diese Angelegenheit ganz unbemerkt bleibe . Er öffnete darum eine der nächsten Seitenthüren und stand in einem kleinen Zimmer , über das eine von der Decke herabhängende Ampel ein zauberhaftes Rosenlicht goß . Darunter stand ein weißes Marmorbecken mit einem zierlichen Blätterkranz umgeben , aus dem Strahlen wohlriechenden Wassers emporsprangen . Eine seitwärts befindliche Nische umgaben Draperien von gelber Seide und purpurnem Sammet mit goldenen Fransen , Quasten und Schnüren , welche diese Vorhänge von einem gleichfarbigen Sammetpolster an der einen Seite zurückhielten . An dem einzigen hohen Bogenfenster zwischen den dicken Mauern standen hohe grünende und blühende Topfgewächse , eine Art Laube bildend . Hier dachte Ulrich den Vogel vielleicht passend anbringen zu können . Leise auftretend näherte er sich diesem künstlichen Garten , nahm den Vogel aus dem Sack , in dem er ihn bisher getragen hatte , und wollte ihn auf die Zweige setzen ; aber Ulrich hatte das Kettchen losgelassen , das an dem Hals des Raben befestigt war , und dieser flog , ein eigenthümliches Geschrei ausstoßend , auf das Marmorbecken . Da antwortete der erschrockene Ruf einer weiblichen Stimme aus der Nische - Elisabeth war auf dem Polster emporgefahren , auf dem sie eine Weile Ruhe gesucht hatte vor dem Lärm des rauschenden Festmahls , indeß ihre Gäste denken mochten , irgend eine Pflicht der wirthlichen Hausfrau habe sie abgerufen . Dort hätte sie Ulrich um so weniger bemerken können , als ihr rothes Schleppenkleid sich in die Farbe des Sammetpolsters verloren hatte und ihr Oberkörper von den Vorhängen verborgen gewesen war . Jetzt hatte sie sich aufgerichtet , hielt mit dem weißen Arm den einen Vorhang zurück und strich mit dem andern die goldnen Locken aus der edlen Stirn , als wolle sie sich besinnen , ob sie träume oder wache . Regungslos saß sie da , starrte bald auf den Vogel und bald auf Ulrich , leuchtender ward der Ausdruck ihrer Augen ; es war , als wage sie dieselben nicht zu wenden , sich nicht zu rühren , ja kaum zu athmen , daß sie sich nicht selbst ein wunderbares Traumbild zerstöre . Und so war es auch Ulrich . Zum ersten Male fühlte er die Macht der