war der Nachweis , daß bei all diesen , uraltem Heidentum entstammenden Proben , wie später der treffliche Gottfried von Straßburg es benamste : » Der heilig Christ windschaffen wie ein Ärmel ist . « Und wenn kein Wunder geschieht ? ? Sein Denken neigte sich zu kleinmütiger Zagnis . Verbrannten Armes und schuldig gesprochen , den Staupenschlag erleiden müssen ... und sie steht oben auf dem Söller und schaut drauf hernieder , als geschehe es einem wildfremden Mann : » Herr des Himmels und der Erde , sende deine Blitze ! « Aber die Hoffnung leuchtet auch dem Elendesten noch . Da ward ' s ihm wieder , als töne in all den Jammer ein gelles Halt ! sie stürzt herunter in fliegendem Gelock und rauschendem Herzogsmantel und treibt die Peiniger auseinander wie der Heiland die Wucherer im Tempel und reicht ihm Hand und Lippen zum Kuß der Versöhnung ... lang und schön und glühend malte er sich ' s aus , ein Hauch von Trost kam über ihn , er sprach mit den Worten des Predigers : » Im Ofen werden die Geschirre des Töpfers bewährt und gerechte Menschen in Anfechtung der Trübsal248 : Wir wollen unbeirrt erwarten , was da kommt . « Er hörte ein Geräusch im Gemach vor seinem Kerker . Ein Steinkrug ward aufgesetzt . » Ihr sollt tapfer trinken ! « sprach eine Stimme zum wachhaltenden Klosterbruder , » in Sankt Johannis Nacht gehen allerhand Überirdische durch die Luft und streichen an unserer Burg vorbei , macht , daß Ihr Mut behaltet ; es steht noch ein zweiter Krug bereit . « Es war Praxedis , die den Wein brachte . Ekkehard verstand nicht , was sie wollte . » Auch sie ist falsch « , dachte er . » Gott behüte mich ! « Er schloß seine Augen zum Schlummer . Nach einer guten Weile ward er aufgeweckt . Dem Klosterbruder draußen mußte der Wein geschmeckt haben , er sang ein Lied zum Preis der vier Goldschmiede249 , die in Rom einst die Fertigung heidnischer Götzenbilder geweigert und das Martyrium erlitten , und schlug mit dem sandalenbeschwerten Fuß den Takt auf die Steinplatten . Ekkehard hörte , daß dem Mann ein zweiter Krug gebracht ward . Sein Gesang ward laut und stürmisch . Dann hielt er ein Selbstgespräch , worin viel von Welschland und guten Bissen und der heiligen Agnese vor den Mauern die Rede war . Dann verstummte er . Sein Schnarchen tönte vernehmlich durch die Steinwände zum Gefangenen herüber . Die Burg lag still . Es ging auf Mitternacht . Ekkehard ruhte in leisem Halbschlummer , da ward ' s ihm , als würde der Riegel sachte zurückgeschoben : er blieb auf seinem Lager . Eine Gestalt trat ein , eine weiche Hand fuhr über des Schlummernden Stirn . Er sprang auf . » Still ! « flüsterte die Eingetretene . Wie alles zu schlafen ging , hatte Praxedis gewacht . Der schlechte Kellermeister soll die Freude nicht haben , unsern schwermütigen Lehrer zu züchtigen , das war ihr Denken . Frauenlist findet Mittel und Wege zu dem , was sie ausgesonnen . Den grauen Mantel umgeschlagen , schlich sie herunter , es brauchte keiner besonderen Täuschungen . Der Klosterbruder schlief als wie ein Gerechter . Hätte er nicht geschlafen , so hätte ihn die Griechin durch einen Spuk scheu gemacht , so war ihr Plan . » Ihr müßt fliehen ! « sprach sie zu Ekkehard . » Sie drohen Euch das Schlimmste . « » Ich weiß es ! « sagte der Überraschte wehmütig . » Auf denn ! « Er schüttelte das Haupt : » Ich will dulden « , sprach er . » Seid kein Narr ! « flüsterte Praxedis . » Erst habt Ihr Euer Haus auf den schimmernden Regenbogen gezimmert , und nun es zusammengefallen , wollt Ihr Euch auch noch mißhandeln lassen ? Als wenn die ein Recht hätten , Euch zu geißeln und fortzuschleppen ! und wollt ihnen die Freude machen , Eure Erniedrigung zu sehen ... ' s wär ' freilich ein schönes Schauspiel , man würde es Euch gönnen ! Einen braven Mann sieht man nicht alle Tage hinrichten , hat einmal in Konstantinopel einer zu mir gesagt , wie ich fragte , warum er so springe . « » Wohin soll ich mich wenden ? « fragte Ekkehard . » Nach der Reichenau nicht und nach Eurem Kloster auch nicht « , sagte Praxedis . » Es gibt noch manchen Unterschlupf auf der Welt . « Sie war ungeduldig worden , ergriff Ekkehards Hand und zog ihn mit sich . » Vorwärts ! « raunte sie ihm zu . Er ließ sich von ihr führen . Sie schlichen am schlafenden Wächter vorüber . Jetzt standen sie im Burghof . Der Brunnen plätscherte hell . Ekkehard beugte sich übers Rohr und trank einen langen Schluck des kühlen Wassers250 . » Alles vorbei ! « sprach er . » Jetzt bergab ! « Es war eine stürmische Nacht . » Den Torweg könnt Ihr nicht hinunter , die Brücke ist aufgezogen « , sprach Praxedis , » aber zwischen den Felsen an der Morgenseite ist ' s möglich , unser Hirtenknab ' hat den Weg auch schon versucht . « Sie gingen in das Gärtlein . Ein Windstoß fuhr rauschend durch die Wipfel des Ahorn . Ekkehard wußte kaum , wie ihm geschah ; er schwang sich auf die Brustwehr , steil und zackig senkten sich die Klingsteinfelsen in die Tiefe , dunkler Abgrund gähnte zu ihm herauf , am düstern Himmel jagten sich die Wolken , es waren unheimliche plumpe Massen , fratzenhaft , als wenn zwei Bären einen geflügelten Drachen verfolgten ... dann verschwammen die Gebilde ineinander , der Wind peitschte sie zu dem matt in der Ferne schimmernden Bodensee . In dunklem Umriß lag die Landschaft . » Gesegnet sei Euer Weg ! « sprach Praxedis . Ekkehard saß starr auf der niedern Mauerzinne , er zog seine